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Listenhunde: Erfahrungen mit vermeintlichen Bestien auf vier Pfoten

Listenhunde oder besser gesagt „Kampfhunde“ wie sie umgangssprachlich genannt werden, haben ihren Ruf weg. Sie gelten als böse, unberechenbar und unerziehbar. Kampfmaschinen, die bis zum Tod kämpfen, sei es Mensch oder Tier. Sie besitzen teilweise eine Beisskraft von bis zu 2 Tonnen. Diese Vorstellung bereitet mir Gänsehaut. Ich will mehr über diese Bestien wissen und mache mich auf die Suche. Im Internet, sowie bei Freunden.

Ich hatte auf meiner Suche Tränen in den Augen, fühlte mich total schwach und zerbrechlich und auf der anderen Seite unbesiegbar. Sie bringen mich zum Nachdenken und ich bewundere diese Hunde und bin zugleich traurig über ihren Gehorsam, ihre unendliche Treue und ihre Kraft.

Meine Suche im Internet nach Kampfhunden

Ich klicke mich durch Youtube. Gebe die Suchbegriffe Hundekämpfe und Kampfhund ein. Was ich finde, ist erschreckend. Ich sehe Hundekämpfe, die mit viel Blut einhergehen und Männer, die auf ihre kämpfende Hunde noch mit Stöcken einschlagen. Ich sehe Videos in denen stolzen Hundebesitzer sich filmen, wie sie ihre Hunde scharf machen. Und Videos über Hunde mit teilweise zerfetzten Gesichtshälften, blutüberströmt und schwer verletzt.

In Hundekämpfen wird der „Verliererhund“ nach seinem Kampf eingeschläfert, da der Besitzer kein Geld für die aufwendige Behandlung ausgeben möchte und sich auch davor schützen möchte, dass er entdeckt wird, wie er an diesem illegalen Hundekämpfen teilnimmt.

Es macht mich fassungslos und wütend, wenn ich sehe was der Mensch von seinem Tier verlangt. Der Hund gehorcht seinem Rudelführer, für ihn ist er alles was er hat. Er möchte ihm gefallen, ihn zufriedenstellen und gefallen. Er kann nicht Recht und Unrecht in unserer Zivilisation unterscheiden und bezahlt es mit seinem Leben – zur Belustigung und Bereicherung einiger Menschen.

Meine Suche nach Listenhunde bei Freunden

Pitbullterrier mit Wasserhund

Die zwei Hunde beschnuppern sich

Über Facebook wusste ich, dass meine damalige Schulkameradin Nicole einen Bullterrier besitzt. Meine Neugier war geweckt. Ich wollte diesen Hund kennenlernen. Wir vereinbarten schon am nächsten Tag eine gemeinsame Gassirunde. Ich kann wirklich sagen, dass ich nervös war.

Es war 10 Uhr und Nicole klingelte an meiner Haustür. Maxi war noch im Auto. Ich ging mit ihr zum Auto und sie holte den Hund heraus. Ich erschrak. So gross und muskulös hatte ich ihn mir gar nicht vorgestellt.

Vor mir stand ein pures Muskelpaket mit der typischen markanten Kopfform. Ich ging auf Maxi zu. Ja, ich hatte einen heiden Respekt, aber gab ihm trotzdem meine Hand zum Beschnuppern. Was hatten die Medien mit mir gemacht, dass ich einen solchen Respekt hatte?

Ich hatte vorher noch nie Kontakt mit einem Listenhund, aber sogar ein Landseer bringt mich nicht so sehr aus meinem Vertrauen zu Hunden wie ein Bullterrier. Maxi sollte nun meinen Hund Gino kennenlernen. Mittlerweile kenne ich meinen Hund so gut, dass ich weiß er zeigt mir, wenn ein anderer Hund aggressiv ist. Ich war auf Ginos Reaktion gespannt.

Wir betraten meinen Garten. Natürlich bellten sich die beiden Rüden erst mal an und wir ließen sie sich vorsichtig und unter Kontrolle beschnuppern. Schon nach 2 Minuten gaben wir ihnen das „Go“ für das Freispiel. Was soll ich sagen? Maxi ist ein typischer pubertierender Hund, der sich seiner ganzen, puren Kraft noch nicht bewusst ist.

Es verlief alles friedlich und wir machten uns auf um mit den beiden die Natur zu erkunden. Jetzt wollte ich es wissen! Ich fragte Nicole kurzerhand ob ich Maxi mal nehmen dürfe. Sie stimmte zu und übergab mir die Leine. Ich hatte ihn nur kurz in der Hand, aber konnte mit absoluter Sicherheit sagen „Diesen Hund kannst du in extremen Situationen nicht halten können!“ Ich fühlte mich mit einem Schlag schwach. Wie ein Fähnchen im Wind. Nach ein paar Metern fühlte ich mich aber stark und unbesiegbar. Sollte jetzt ein Bösewicht unseren Weg kreutzen, so würde uns überhaupt nichts passieren.
Wir kamen wieder an mein Haus. Die Bauarbeiter, welche gerade in unserer Einfahrt beschäftigt waren, sahen mich mit Maxi. Ich konnte einen der Bauarbeiter beobachten, wie dieser versuchte uns schnell aus dem Weg zu gehen. Gestandene Männer haben Angst von einem Hund welcher eine Schulterhöhe von vielleicht 50 cm hat? Beeindruckend! Auch Nicole macht diese Erfahrung öfters, dass Menschen sogar die Straßenseite wechseln, wenn Sie mit Maxi sparzieren geht.

Meinung der Experten über Listenhunde

Maja Wonisch Hund

Maja Wonisch

Ich führte mit Maja Wonisch, eine Tierpsychologin vom Hundezentrum CATU in Scheer, ein Interview.

Tanja Steinhauer: Frau Wonisch, wie stehen Sie zum Thema Listenhunde?

Maja Wonisch: Kamphunde gibt es nicht. Kein Hund ist von Natur aus aggresiv. Jedoch wurde die reduzierte Beishemmung bei einigen Hunderassen bewusst gezüchtet.

Welche Erfahrungen konnten Sie bis jetzt mit Listenhunden sammeln bzw. hatten Sie Listenhunde in der Hundeschule?

Maja Wonsich: Wir hatten schon zahlreiche Listenhunde in der Hundeschule. Diese wurden vorwiegend mit den Besitzern gemeinsam auf die Wesensprüfung vorbereitet. Sie durften mit den anderen Hunden spielen und wurden wie normale Hunde von uns behandelt und mit einbezogen.

Welche Voraussetzungen sollten Hundehalter mitbringen, die sich für Listenhunde interessieren?

Maja Wonsich: Das Hauptproblem ist glaube ich, dass die Hundehalter sehr oft gemieden werden. Das geht so weit, dass Passanten die Straßenseite wechseln oder aber die Hundehalter anpöbeln. Spielen mit anderen Hunden gestaltet sich dadurch auch etwas schwierig. Die Vorurteile sind viel zu groß. Wenn der Hundehalter damit leben kann, steht dem nichts im Weg. Ansonsten sind es ganz normale Hunde, die keine besondere Voraussetzung erfordern.

Denken Sie, dass sich das Image dieser Hunde in ferner Zukunft bessern wird?

Maja Wonsich: Ich glaube das wird ein sehr langer Weg.

Anton Spindler aus Gablingen, Sachverständiger für Hunde, bat ich ebenso um seine Meinung über Listenhunde als Experte:

Was wenige wissen: Die heutigen Listenhunde, wie zum Beispiel die Bullterrier, Pittbulls, Rottweiler, etc. wurden in der Vergangenheit für Hundekämpfe missbraucht. Die Halter reisten viel zu ihren Kämpfen, da musste der Hund sehr sozial verträglich gegenüber Menschen sein.

Ein Hund ist nicht von Geburt an aggressiv, egal welcher Rasse er angehört. Natürlich macht es einen Unterschied ob ein Malteser zubeißt, oder ein Bullterrier. Hier spielt die Beisskraft eine große Rolle. Diese kann bei einem Bullterrier sehr massiv ausfallen.

Bei Bisswunden durch Hunde muss man sich grundsätzliche Dinge fragen. Aus was entspringt Aggression? Aggression entspringt aus Unsicherheit. Dieses sollte man sich verinnerlichen. Ein ausgeglichener und selbstbewusster Hund wird nicht aggressiv. Er hat hierzu gar keinen Grund. Ein dagegen unsicherer Hund wird defensiv agieren und Konflikten aus dem Weg gehen. Er ergibt sich quasi seinem Schicksal.Wenn ein selbstsicherer Hund von seinem Besitzer schlecht behandelt wird, wird sich dieser nach einer erneuten und qualvollen Pein erst wehren.

In der heutigen Zeit passiert sehr wenig mit Listenhunden, da die Haltungsbedingungen durch die Kampfhundeverordnungen geregelt werden. Jeder der nicht verantwortungsbewusst mit einem Hund umgehen würde, würde sich diese Kosten, Verordnungen, Auflagen etc. nicht antun. Statistisch gesehen, gibt es daher mehr Beissunfälle mit „nicht Listenhunden“.

Ein Bespiel: Ich habe 10 verschiedene Hundehalter. Diesen gebe ich 10 gleiche Hunde, im gleichen Alter und von gleicher Rasse. Ich werde 10 verschiedene Hunde erhalten, da jeder Mensch mit seinem Hund unterschiedlich umgeht.

Das Ergebnis wird sich folgendermaßen verteilen:

  • 6 Hunde werden hier unkompliziert sein.
  • 3 Hunde werden hiervon ein bißchen problematisch sein.
  • 1 Hund wird hierbei gefährlich sein.

An diesem Beispiel wird mehr als deutlich, dass der Mensch hier die Schuld trägt.

Wussten Sie eigentlich das Bullterrier im Grunde sehr menschenfreundliche Hunde sind und eigentlich als Wachhunde vollkommen ungeeignet, da sie bei Gefahr/ Bedrohung nicht anschlagen?

Fazit

Vollkommen vorurteilsfrei war mein Hund Gino. Dieser hatte bei meiner Recherche einen neuen Freund gefunden und winselte zum Abschied noch ein bisschen. Und was mich anbelangt: Ich musste meine Denkweise über Listenhunde komplett ändern. Zuerst dachte ich wirklich, dass diese Hunde agressiver als „nicht Listenhunde“ wären. Aber mir wurde verdeutlicht, dass ich den Hund, egal welche Rasse, vorrangig als Hund sehen sollte. Einem Rudeltier. Erst danach kommt die Rasse und zu guter letzt sollten wir dann doch noch einen Blick auf den Halter werfen ….

Autorin: Tanja Steinhauser

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