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Die verflixte Leinenführigkeit

Was war ich doch naiv. Ich habe immer gedacht, Hundeerziehung ist ein Klacks. Ist doch eigentlich wie bei Kindern: Konsequent sein und Regeln aufstellen. Und das Muttersein ist doch auch angeboren, oder etwa nicht? Meine Güte, ja ich sehe es ja ein. Wenn man in so ein kleines Gesichtchen schaut, dann kann man auch gerne mal alle guten Vorsätze über Bord werfen.

So ging es mir auch bei Ben. Nein, kein Kind, sondern der Labrador von mir und meinem Mann. Ich weiß, der Esel nennt sich nicht zuerst, aber ich habe nun mal die Aufgabe der Erziehung übernommen. Weil ich ja die Frau, die Mama bin. Irgendwie sind aber meine Gene für Konsequent sein, nicht wirklich ausgeprägt. Ich gebe zu, ich habe bei Bens Erziehung an manchen Stellen ein klein wenig geschludert. Aber nur ein kleines bisschen. Wenn er einen mit seinem treuen Blick anschaut, da kann man ihm auch nicht böse sein und das Konsequent-sein fällt halt einfach sehr schwer. Leider rächt sich das alles wieder *seufz* So ist es auch mit der Leinenführigkeit. Als Welpe machte es ja nichts aus, wenn er ein wenig an der Leine zog. Mittlerweile ist Ben aber ausgewachsen und wiegt um die 30 kg. Halt ein stattlicher Labbi-Rüde.

Die Nachbarn haben sicher viel zu lachen, wenn Ben mit mir im Schlepptau auf den Spaziergang geht. Er geht, ich fliege hinterher. In dem Moment ist leider auch kein Gespräch mit Menschen möglich, wenn ich im Affenzahn hinter Ben hergezerrt werde. Hat natürlich auch was Gutes, wenn man der Frau von Nebenan begegnet, die beim Erzählen kein Ende findet. Da schafft man ein kurzes Winken und schon ist man vorbeigesaust :-) Wobei ich auch gar nicht weiß, ob sie mich in dem Moment überhaupt erkennt, da sie ja schlecht sieht.

Aber ich habe natürlich eingesehen, dass es nichts bringt, wenn ich hinter dem Hund, wie ein nasser Lappen hergezerrt werde. Denn ab und zu würde ich auch gerne einen Plausch halten, auch nur einen ganz kurz.

Deshalb hatte ich mich mit einer Hundeschule in Verbindung gesetzt, damit ich an diesem Problem arbeiten konnte. Ich sollte direkt in die nächste Gruppe kommen. Ich war ein wenig spät dran – Ben hatte mich leider erstmal ins Feld gezerrt und so mussten wir wieder nach Hause zum Auto kommen – und die Gruppenteilnehmer waren schon mit ihren Hunden versammelt.

Ich holte Ben also aus dem Auto raus und schon ging es im Galopp auf die anderen Hunde zu. Die Trainerin rief mir „nicht zu den anderen Hunden lassen“ zu, was ich aber nicht so ganz verstehen konnte, da Ben unbedingt, und so schnell wie möglich, zu den andern wollte. Auch wenn ich mittlerweile auf dem Hosenboden saß und ich verzweifelt die Leine festhielt, so konnte ich doch die geschockten Gesichter der anderen Teilnehmer sehen. Mein gebrülltes „ich lasse nicht los“ schien die anderen auch nicht zu beruhigen, da Ben mich weiterhin wie ein Sack hinter sich herzog. Hatte was von Schlittenfahren, nur ohne Schlitten. Aber es kam Bewegung in die Gruppe. Hätte man das gefilmt, wäre es wohl bei diversen Pannenshows auf Platz 1 gekommen. Eine wild aufgescheuchte Herde von Hundeschulenteilnehmern, die vor einem Hund, der eine Frau auf dem Hintern sitzend hinter sich herschliff und die auch noch „ich hab ihn“ als rief, wegrannten. Die Trainerin hatte zwischenzeitlich einen hysterischen Lachanfall bekommen und auf diese konnte man auch nicht mehr zählen. Ganz tolle Show.

Noch bescheidener hätte es wohl ausgesehen, wenn ich auf dem Bauch hinter Ben herzogen worden wäre. Ich fand es auf jeden Fall überhaupt nicht lustig und auch die anderen Teilnehmer, die vor uns keuchend wegrannten, wohl auch nicht. Diese erreichten zum Glück allesamt ihre Autos und konnten sich vor uns in Sicherheit bringen. Leider fiel die Gruppe dann aus, weil die Trainerin keinen vernünftigen Satz mehr herausbringen konnte. Sie bekam jedes Mal einen Lachanfall, wenn sie in meine Richtung blickte. Die Anspielung mit „Einzelstunde und Sitzkissen“ verstand ich aber sehr wohl.

Da ich mich nicht weiter zum Gespött machen möchte und sicher auch nicht auf unseren Youtube-Channel landen möchte, werde ich mich aber von dieser ersten, katastrophalen Stunde nicht unterkriegen lassen. Denn ich möchte auch einen Hund, der an lockerer Leine neben mir hergeht, wo ich mit Nachbarn quatschen kann. Jaja ich weiß, das hätte ich alles haben können, wenn ich nur ein wenig konsequenter gewesen wäre.

Autorin dieser Geschichte: Melanie Weber-Tilse

 

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