Erfahrungsbericht: Trainerseminar bei Gerd Schreiber

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Erfahrungsbericht: Trainerseminar bei Gerd Schreiber

Beitragvon Feiticeira

Ich war auf Einladung meiner Trainerin bei dem Workshop: "Die Werkzeugkiste der positiven Verstärkung" bei Gerd Schreiber. Eigentlich war es an Trainer gerichtet, aber da kurzfristig jemand abgesprungen ist, wurde ich eingeladen. Selbstverständlich habe ich diese tolle Möglichkeit mir nicht entgehen lassen. Das Seminar fand bei der "Hundeschule Hundesache" statt. Meine Trainerin arbeitet nicht ausschließlich (wenn auch viel) positiv und hat auch bei Thomas Baumann (unter Anderem) gelernt. Es waren also nicht nur "Wattebäuschchenwerfer" dort. ;)

Zuerst ging es an die Theorie. Gerd erklärte alles wirklich sehr gut und schlüssig. Dabei ging es vor allem um die Lerntheorien (zuerst mussten wir einen Fragebogen ausfüllen um zu schauen wie viel wir wussten-er ist darauf auch gut eingegangen) und was das Arbeiten über die pV wirklich ist. Gerd ist nicht der extreme "Hardliner". So sagt er auch, dass Shaping letzten Endes ein Training über negative Bestrafung ist und dass die positive Werkzeugkiste immer mit viel Sachverstand eingesetzt werden sollte, da man da auch viel falsch machen kann. Auch findet er ein "Nein" in Ordnung, wenn der Hund anfängt mal von der "Ideallinie" abzuweichen. Bei richtigem Fehlverhalten aber, findet er, dass die pV unumgänglich ist.

Danach ging es an den Praxisteil. Zuerst haben wir den Hund auf einen Marker konditioniert und viele verschiedene Verstärkungen genutzt. Spiel, Futter, Streicheln und Umweltbelohnungen. Es ging darum variable Verstärker zu haben. Außerdem meinte er, dass ein Hund der evtl. grade etwas Tolles schnüffeln möchte, gar kein Lecker haben möchte, sondern eben schnüffeln möchte-und das wäre dann der Verstärker den man einsetzen müsste. Fand ich sehr logisch. Hinzu kommt die Erwartungshaltung-wenn immer nur Futter kommt und iwann kommt mal kein Futter, kann der Hund frustriert sein und das nächste mal nicht wie gewünscht reagieren. Also beugt man dem vor, indem man verschiedene Verstärker einsetzt nach dem Marker.

Dann haben wir die intermediäre Brücke erklärt bekommen und auch selbst eingeübt. Die IB sagt dem Hund, dass er auf dem richtigen Weg ist. Er ist dem sekundären Verstärker voran gestellt und fungiert als tertiärer Verstärker. Ich habe das auch dann ausprobiert in der Praxis. Der Aufbau ist simpel, aber ich habe gemerkt, dass das nichts für mich ist.

Dann war erst einmal Mittagspause. Danach haben wir Zeigen & Benennen gemacht. Er hat erst die Grundlagen hierfür erklärt und danach ging es an die Praxis. Barney musste zusammen mit einem Weimi-Rüden einer Trainerin der Hundeschule dafür her halten. Beide sind bei Rüdenbegegnungen eher problematisch. Erst wurde der erste Blick zum "Gegner" gemarkert. Das Leckerchen wurde in Laufrichtung vom Hund weg geworfen. Der funktionale Verstärker war hier nicht das Leckerchen, sondern die "Bogen-Bewegung". Barney hatte das natürlich sehr fix raus. Sehr schnell schaute er den anderen Hund an und sah mich dann an in der Erwartung des Leckerchens. Das nutzte ich als Shpaingmoment aus. So konnte ich den Blickkontakt zu mir als Alternativverhalten erarbeiten. Zum Schluss ist Barney völlig entspannt ohne Lecker seinen Bogen gelaufen (ich musste die Leine fallen lassen um ihn den Platz zu ermöglichen!).

Danach ging es darum ein Ruhe-Signal zu etablieren. Dafür hab ich Barney dann aber weg getan. Der war fertig. ;) Letzten Endes war es eine Art von ausgebauten Target-Training. Also auch nicht wirklich etwas Neues. ;)

Aufgrund der Zeit konnten wir Barneys Ressourcenproblematik nicht mehr praktisch angehen. Dafür gab es in der Theorie noch einiges an Neurobiologie, bzw - psychologie was ich sehr interessant fand und eine Erklärung zum doppelten Rückruf und dem Geschirrgriff.

Den doppelten Rückruf werde ich nie bewusst aufbauen und nutzen. Klar nehme ich eine IB wenn die Ablenkung sehr hoch ist-das macht man ja automatisch, aber der doppelte Rückruf ist etwas Anderes. Dabei wird erst ein Umorientierungssignal gegeben (z.B. "Name" oder "Schau") und dann kommt das zweite Signal, was den Hund zu einem hin ziehen soll. Dabei bricht das Signal nicht ab, wenn der Hund einen Schlenker läuft oder so (z.B. durchgängiges "lalala") bis der Hund bei einem ist. Ich könnte mich bei sowas nicht ernst nehmen und ich setze lieber auf ein gut aufgebautes Signal was ich ein mal sagen muss und der Hund kommt. Das hat mich nicht überzeugt.

Der Geschirrgriff wurde ja bereits hier erläutert. Ich fand den interessant, aber völlig überzeugt hat er mich ebenfalls nicht...

Mein persönlicher Eindruck:
Gerd ist ein sehr guter und mitreißender Referent. Er erklärt gut und ist sehr sympathisch. Er hat uns unglaublich viel gelobt, was ich im Vergleich zu anderen Hundetrainern sehr erfrischend und angenehm fand. Da weiß man direkt warum man mit Hunden möglichst positiv umgehen sollte. ;) Er war von unserem Z&B zum Beispiel unheimlich begeistert und betonte das auch immer wieder.

Nun bin ich natürlich immer sehr kritisch. Deswegen wurde ich da ja auch eingeladen. ;) Mir fehlte wieder einmal die Erklärung WARUM man nicht positiv strafen sollte. Er meinte wegen den "Nebenwirkungen" und das man da sehr vorsichtig sein müsste. Nun hat er das auch eigentlich zur pV gesagt-zumal er das auch sehr schön mit Beispielen unterfüttert hat. Ich weiß nicht warum das nun auf einmal etwas Anderes sein sollte. Bei Problemverhalten muss man IMMER gut bedacht und vorsichtig sein-das ist zumindest meine Meinung. Hinzu kommen die Trainer die ja auch mit Lakoko dort bereits Erfahrungen gemacht haben, bzw. es unterrichten. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Mein Hund kann durch das Lakoko sich entspannt und richtig schläfrig (!!!) an mein Bein lehnen trotz Hundebegegnung. Strafe führt also nicht zwangsläufig zu Angst. Das kann aufgrund meiner Erfahrung überhaupt nicht sein! Voraussetzung ist ein guter Aufbau. Und mein Hund war richtig richtig heftig. ;)

Auch kündigt er jede (!) Einschränkung bei seinen Hunden an. Von Anfassen bis zu Geschirr anziehen und "zwangsläufiges Leinenende"-ich mache das nicht. Die Welt ist nicht immer nur rosa und ich möchte meine Hunde auch ohne Ankündigung mal anfassen können. Ich weiß einfach nicht warum das so schlimm sein soll, wenn der Hund merkt, dass nicht alles großartig ist in der Welt. Dafür würden mir auch die Nerven fehlen. Hier wohnen nun 5 Hunde-wenn ich da permanent ankündigen müsste, was evtl. dem einen Hund mal stinkt, würde ich da ja gar nicht mehr raus kommen. ;)

Zudem sieht er seine Tiere als ewige Kinder. Kinder entlässt er iwann in die Welt-Tiere stehen immer unter seinen Fittichen-das mal als verkürzte Erklärung. Ich sehe das nicht so-Tiere sind Tiere und keine Kinder. Und die werden auch erwachsen, allerdings sind sie natürlich auf mich ein Leben lang angewiesen. Trotzdem respektiere ich sie als eigenständige, erwachsene Persönlichkeiten. Da muss man halt eher hündisch denken, um sie verstehen zu können und nicht menschlich. ;)

Eine interessante Beobachtung noch zum Ende: Nach dem Z&B klinkte Barney völlig aus. Er kläffte im Kofferraum wie bescheuert Menschen und Hunde an und sprang iwann wirklich aus dem geöffneten Fenster vorne. Er hat weder das Eine noch das Andere jemals gemacht! Das war dort nicht das erste Seminar. Und Hundebegegnungen üben wir sonst auch-danach war und ist der NIE so. Ich hab einen Clickertrainer deswegen mal gefragt-der meinte, dass das Z&B gut klappt, solange es sich um "echte" Aggressionen handelt. Bei Spaß und gelerntem Verhalten kann es sein, dass der super tolle Glückshormon-Schub durch das Clickern genau die Areale befeuert, die den Hund zu dem Verhalten eigentlich bringen (Z&B begründet sich eigentlich auf der Annahme dass die Amygdala die für Gefahrenabwehr zuständig ist und der Fronttallappen der für rationales Denken zuständig ist, Gegenspieler sind-mache ich viel Aktion im Frontallapen, kann der Hund eher "denken" und reagiert nicht direkt emotional). Je nach Hund kann ich also bei Z&B eine Verschlechterung haben-dass Barney das so toll gemacht hat, liegt daran dass er es mir gerne Recht acht und gut lernt. Ändert aber nichts an dem Problem. ;) Ob das so ist, weiß ich nicht. Das aber als interessante Beobachtung am Rande. ;)

Wenn ihr noch Fragen habt, fragt ruhig. :)

Re: Erfahrungsbereicht: Trainerseminar bei Gerd Schreiber

Beitragvon heisenberg

klingt sehr interessant und witzigerweise decken sich deine Vorlieben sehr mit meinen.
trotz Wattebauschlertums kann ich weder mit IB,noch mit Geschiriff,noch mit doppeltem Rückruf was anfangen :D

Ich glaube,der verzicht auf positive Strafe ist in diesen kreisen einfach der vermehrten Gefahr von Missbrauch zu schulden.
Ich weiss nicht ob das bei Gerd Schreiber auch so ist,aber viele P.S`ler strafen durchaus mal,würden es aber ums verrecken nicht empfehlen,weil die erfahrung einfach zeigt,dass wenn man sagt mit tausend einschränkungen und X wenns und abers,dass evtl maaaal gestraft werden kann,nehmen das viele als Freibrief fürs rucken und schlagen(ich nenne es jetz nicht touchieren ;) )
und eine falsch gesetzte Strafe hat oft enormere Auswirkungen als eine falsch gesetzte Belohnung.
obwohl das ja auch geht,siehe dein Hund beim z u b.

Re: Erfahrungsbereicht: Trainerseminar bei Gerd Schreiber

Beitragvon Andreas

Irgendwie klingt immer alles sehr kompliziert. Man muss schon genau aufpassen, da man alt bekanntes in neuer wissenschaftlichen Rhetorik wiederfindet.

Musst mir eines versprechen, beim nächsten Seminar erklärst du den konditionierten Sitztouch Ⓒ :winken:

Re: Erfahrungsbericht: Trainerseminar bei Gerd Schreiber

Beitragvon Feiticeira

Ach Andreas: die kochen auch nur alle mit Wasser. Natürlich findet man alte Elemente immer wieder. So viel tut sich ja dann doch nicht in der Hundeerziehung... Lass dir den konditionierten Sitz-Touch mal patentieren. Da machst du sicher richtig Asche mit. :mrgreen:

@heisenberg
Bei der IB bin ich mir auch sehr bescheuert vorgekommen. Aber was tut man nicht alles um seinen Horizont zu erweitern. :lol: Anderen ging es dort auch ähnlich, aber es war toll zu sehen, wie alle etwas mitnehmen konnten und sich darauf eingelassen haben trotz anfänglicher Skepsis. :daumenrauf:

Ich hab schon wieder Lust auf neue Seminare. Jetzt fehlt mir nur noch das Geld. Mag mich mal wer sponsorn? :lol: :mrgreen:

Re: Erfahrungsbericht: Trainerseminar bei Gerd Schreiber

Beitragvon Kira

Spannender Bericht, aber nen Sponsor könnte ich auch gut brauchen, lach


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