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Aktion Maulkorb drauf – Ein Plädoyer für den Maulkorb

Wenn der eigene Hund einen Maulkorb trägt, hat man die schiefen Blicke von Passanten und anderen Hundebesitzern sicher. Von mitleidigen Kommentaren wie „oh, warum muss der Arme denn einen Maulkorb tragen?“, bis hin zu handfesten Beschimpfungen wie „Tierquäler“,  hört man alles.

Der Maulkorb bedeutet für viele Hundebesitzer ein Stigma. Und so scheuen sich Hundehalter oft davor, ihren Hunden die situationsbedingtes aggressives Verhalten zeigen, einen Maulkorb aufzusetzen. Eigentlich ist er ja nicht gefährlich. Eigentlich ist er ja ganz lieb. Und was sollen die anderen Leute nur von einem denken? Dass man in der Erziehung versagt hat?

Maulkorb bedeutet Verantwortungsbewusstsein

Border Collie Maulkorb

Ein Maulkorb kann manchmal notwendig sein.

Es ist dringend an der Zeit, dass hier ein Umdenken stattfindet. Ein Hundebesitzer, der seinem Hund einen Maulkorb aufsetzt, um seine Umgebung zu schützen, zeigt im höchsten Maße Verantwortung. Im Landeshundegesetz NRW ist dies streng genommen sogar vorgeschrieben: „Hunde sind so zu halten, zu führen und zu beaufsichtigen, dass von ihnen keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht.“ Heißt also, dass man einen Hund, der seine Artgenossen nicht mag und dies auch mit den Zähnen zeigt, oder der potentiell fremde Menschen als Bedrohung wahr nimmt und dann auch nach vorne geht, einen Maulkorb tragen lassen muss, denn ohne Maulkorb sind sie eine potentielle Gefährdung.

Auswirkungen auf das Training mit dem Hund

Der Maulkorb hat nicht nur eine Schutzfunktion gegenüber der Umwelt, sondern kann das Training positiv beeinflussen. Mit dem Wissen, dass nichts passieren kann, ist es dem Hundehalter möglich sein Hundetraining ruhig und gelassen durchzuführen. Dies überträgt sich natürlich auch auf den Hund. Hier hat der Maulkorb sogar einen wunderbaren Effekt auf die Beziehung, denn viele Angst- und Stressmomente werden genommen.

Natürlich soll der Maulkorb keine Ausrede sein, um alles so zu lassen wie es ist, weil dann eh nichts passieren kann. Ich kenne allerdings keinen einzigen Fall, bei dem das so wäre und halte diese Befürchtung für überzogen. In der Realität sehe ich stattdessen Zuhauf Hundehalter, die aggressive Hunde an der Leine haben (oder auch nicht), die sichtlich gestresst von dem aggressiven Verhalten ihrer Vierbeiner sind und denen die Angst regelrecht im Gesicht steht. Dies müsste nicht sein!

Situationsbedingte Notwendigkeiten für den Maulkorb

Die Leine als Sicherung

Ein gewohntes Bild: Eine Leine zur Sicherung. Genauso normal sollte auch der Maulkorb angesehen werden.

Der Maulkorb ersetzt selbstverständlich kein Training, aber er hilft dabei. Und es kann durchaus sein, dass man gewissen Hunden situationsbedingt lieber einen Maulkorb aufsetzt, als ihn ohne zu lassen. Dies ist keine Bankrotterklärung an die Erziehung. Einen jagenden Hund sichert man auch an der Schleppleine, bis der Rückruf ordentlich sitzt und der Hund nicht mehr abhaut, weil er einen guten Duft in der Nase hat. Trotzdem würde man ihn nicht in ein Wildgehege ohne Leine setzen und dann behaupten, dass da nichts mehr passieren kann.

Ein Hund der ein Problem mit fremden Menschen hat, kann genauso immer noch einen Maulkorb benötigen, wenn er durch eine Menschenmenge muss. Dies dient lediglich dem Schutz der anderen Menschen-genauso wie die Leine bei dem jagenden Hund dem Schutz der anderen Tiere dient.

Jeder Hund kann in die Situation kommen einen Maulkorb zu benötigen. Selbst das aggressionsfreiste Tier kann bei großen Schmerzen um sich schnappen. Umso besser, wenn der Hund dann bereits einen Maulkorb kennt und den nicht zusätzlich in einer stressigen Situation plötzlich aufbekommt. Auch ist es manchmal einfach Pflicht (beispielsweise im Fernreiseverkehr der Bahn und weiteren öffentlichen Verkehrsmitteln wie Straßenbahn oder Bus) dem Hund einen Maulkorb aufzusetzen.

Maulkorb schützt vor Giftköder

In Zeiten von immer häufiger werdenden Giftködermeldungen, ist es auch ratsam, dass der Hund in gefährdeten Gebieten einen Schutz trägt, damit er nichts aufnehmen kann. Jeder Hund sollte demnach einen Maulkorb bereits kennen, um für solche Situationen gewappnet zu sein. Er gehört zur Grundausstattung, genauso wie Leine, Halsband, Napf und Decke.

Blick in die Forschung: Einfluss des Maulkorbes auf der Hundeverhalten

Barney und Monty im Spiel

Stört der Maulkorb den Hund im Sozialverhalten?

Ist der Hund an den Maulkorb gewöhnt und hat ihn als etwas Positives und Normales kennen gelernt, erfährt er dadurch auch keine Beeinträchtigung. Dies beweist auch eine Studie von Nicole Elsing, Ivonne Spitzley und Udo Gansloßer zu dem Thema „Der Einfluss des Maulkorbes auf das Verhalten des Hundes“. Es wurden hierfür neben der klassischen Verhaltensbeobachtung auch Speichelproben der Hunde entnommen, um das Stresshormon Cortisol zu messen.  Wenn die Hunde ausreichend an dem Maulkorb gewöhnt waren, gab es keine Einschränkung hinsichtlich der Kommunikation der Hund untereinander.

Auch zeigten die Hunde, die einen Maulkorb trugen, kein vermehrtes Lefzenlecken, was als Stressindikator gewertet wird. Im Gegenteil zeigten dieses Verhalten die Hunde sogar häufiger, die keinen Maulkorb trugen. (Gansloßer, Udo & Kitchenham, Kate: Forschung trifft Hund. Neue Erkenntnisse zu Sozialverhalten, geistigen Leistungen und Ökologie (2012). Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co: Stuttgart. S.101f.)

Aktion „Maulkorb drauf“

Aktion Maulkorb drauf

Aktion Maulkorb drauf

Um das Image des Maulkorbes zu verbessern, wurde mittlerweile die Aktion „Maulkorb drauf“ von der Hundeschule „Couchwolf“ (Christoph Clemens und Carolin Opitz) gegründet, die für mehr Akzeptanz und Toleranz wirbt. Die zugehörige Facebookseite hat mittlerweile über 2500 Likes und es werden immer mehr.

Es geht nicht nur darum, sachlich über die Gründe aufzuklären, warum ein Hund einen Maulkorb trägt. Es geht auch darum, den Hund, der den Maulkorb trägt, aus der Ecke der Stigmatisierung heraus zu holen und den Leuten Mut zu machen. Jeder kann auf der zugehörigen Seite ein Foto seines maulkorbtragenden Hundes posten und so zeigen, dass der Maulkorb nichts „Schlimmes“ ist, sondern zur Normalität gehört.

Eigene Erfahrungen bei meinen Hunden

Auch meine Hündin musste zeitweise einen Maulkorb tragen

Auch meine Hündin musste zeitweise einen Maulkorb tragen

Auch ich möchte Flagge zeigen. Meine Hunde kennen natürlich den Maulkorb, den sie situationsbedingt tragen.

Meine Schnuppe ist eine Jägerin. Draußen ist sie zwar abrufbar, aber als ich damals eine Babykatze dazu holte, half mir das auch nicht. Schnuppe wollte in Tötungsabsicht auf den kleinen Kater drauf.
Der Maulkorb verhinderte das Schlimmste und machte ein Training überhaupt erst möglich. Es dauerte nicht lang und beide konnten miteinander spielen und kuscheln. Trotzdem trägt Schnuppe auch heute noch bei jeder Katzenvergesellschaftung am Anfang einen Maulkorb.

Auch ein derart niedlicher Hund kann einen Maulkorb benötigen.

Auch ein derart niedlicher Hund kann einen Maulkorb benötigen.

Mein Barney ist ein Hund Marke Staubsauger. Eine Zeit lang fraß er allerlei Unrat und um ihn zu schützen, musste er in der Zeit im Freilauf einen Maulkorb tragen. Er ist auch kein besonders geselliger Typ.

Sind wir in einer größeren Hundegruppe unterwegs oder treffe ich mich mit jemandem, der ebenfalls einen Rüden hat der ein „Macho“ ist, trägt er ebenfalls einen Maulkorb. Auseinandersetzungen sind zwar selten, aber kommt es dennoch dazu, weiß ich das nichts passieren kann, was mir auch viel Sicherheit gibt und die Gelassenheit gegebenenfalls ruhig und souverän einschreiten zu können.

Klärt eure Mitmenschen und andere Hundehalter über dieses Thema auf. Zeigt Flagge, schickt eure Bilder ein und erzählt es weiter. Habt den Mut und das Selbstbewusstsein eurem Hund einen Maulkorb aufzusetzen, wenn dies notwendig ist. Es zeugt nicht von Schwäche, sondern von Verantwortungsbewusstsein und einem durchdachten Training.

Homepage der Aktion Maulkorb drauf und deren Facebook-Seite

Autorin: Nina Dany

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