Ben – die örtliche Müllabfuhr

Ben, Foto: (c) Diego

Unser Ben ist ein Labrador und diese haben bekanntlich immer Hunger. Ben kann immer fressen und Ben frisst auch ALLES. Wenn ich alles sage, meine ich das auch so! Unser Haushalt ist mittlerweile Bentauglich aufgeräumt und umgeräumt. Die Mülleimer stehen vor der Tür, einen Wäschekorb gibt es nicht mehr – die Dreckwäsche wird mittlerweile direkt in der Waschmaschine gesammelt – und wir haben einen neuen Kleiderschrank mit Schwebetüren, die er nicht öffnen kann. Im Haus ist alles perfekt! Aber draußen, da räumt keiner auf. Ben ist ein Staubsauger, er spielt die örtliche Müllabfuhr.

Zur Lösung dieses Problems, empfahl man mir, den „Fuchskacke-Alarmschrei“ anzuwenden. Ich las mich also ein und war begeistert, mit wie viel Humor der Text geschrieben worden war.

Für den nächsten Spaziergang war ich hoch motiviert. Ben fand schnell, was seiner Meinung nach etwas Fressbares war: Ein Taschentuch. Genau nach Anleitung rannte ich wie eine Furie laut brüllend auf Ben zu, der kurz davor war, das Taschentuch zu inhalieren. Und Ben war tatsächlich beeindruckt. Er vergaß das Taschentuch und rannte los. Als er merkte, dass ich ihn nicht verfolgte, sondern wie eine Gestörte dieses Taschentuch anschrie und drauf herum trampelte, blieb er stehen und schaute mich sicherlich mit großen Augen an. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich das nicht sagen, weil ich mit dem Töten des Taschentuchs einfach zu beschäftigt war. Ich selber stellte nur fest, dass ich dringend an meiner Spring-Stampf-Trampel-Technik arbeiten musste, da ich nicht neben dem Taschentuch trampelte, sondern es in Grund und Boden stampfte. Bei einem Taschentuch nicht sonderlich schlimm, bei einem Kackehaufen allerdings äußerst ekelhaft. Auf jeden Fall tötete ich dieses Taschentuch hoch effizient und lauthals! Danach ging ich zu Ben, der sich riesig freute. Ob es daran lag, dass ich wieder lieb war und er noch lebte, oder ich ihn vor diesem bösen Taschentuch gerettet hatte, kann ich nicht genau sagen. Wir freuten uns beide wie die Bekloppten, bis ich ein „ach du Schande, die ist Irre“ vernahm.

Dieses Schauspiel hatte anscheinend ein älteres Paar beobachtet und stand nun äußerst schockiert und leichenblass am Wegesrand. Meine gestammelte Erklärung, dass das Taschentuch meinen Hund angegriffen hatte und ich ihn nur retten wollte, trug nicht dazu bei, dass die älteren Leute von ihrer Meinung „die ist Irre“ Abstand nahmen.

Merke: Bevor man diese Übung durchführt, unbedingt seine Spring-Stampf-Trampel-Technik üben und verfeinern. Wenn man dies nun in der Natur durchführen möchte, immer vorher vergewissern, dass niemand dabei zuschaut – wirklich niemand. Eine Erklärung der Polizei gegenüber könnte sehr peinlich werden.

Auf jeden Fall haben wir draußen mit für Ben Fressbarem kein Problem mehr. Nur dieses ältere Paar ist sehr flott in die andere Richtung unterwegs, wenn sie uns erblicken ;-)

Autorin dieser Geschichte: Melanie Weber-Tilse

 

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