Beziehungsänderung zwischen Halter und Hund

Hunde bekommen Leckerlies, Foto: Melanie

Die meisten Hunde bekommen alles, was sie brauchen umsonst, ohne jede Gegenleistung. Oft wird es ihnen förmlich auf dem Silbertablett präsentiert und sie müssen nicht das Geringste dafür tun.

Da die Hunde nie die Möglichkeit hatten, wahrzunehmen, wie abhängig sie sind, haben sie meist auch nie gelernt, auf  „ihre“ Menschen zu achten oder sich gar nach ihnen zu richten.

Eine Änderung von Gefühlen, nicht nur im Hinblick auf Auslöser und Umwelt, sondern auch dem Halter gegenüber liefert eine Vorraussetzung, im Verlauf des Trainings das unangemessene Verhalten des Hundes gegenüber der Umwelt zu beeinflussen.

Auch bei einem Hund, der zu Hause ganz hinreißend ist, muss die Beziehung so umstrukturiert werden, damit der Halter wieder mehr Einfluss über seinen Hund gewinnt.

Das Prinzip beruht darauf, dass dem Hund ganz deutlich vor Augen geführt wird, dass sein Halter Kontrolle über alles hat, was für den Hund wichtig ist.

Futter, Zuwendung, Steicheleinheiten, Spielzeug und Spiele: Der Hund lernt, dass er durch bestimmtes Verhalten Zugang zu diesen wichtigen Dingen bekommt.

Beziehungsänderung zu Hunden
Futter aus der Hand

Der erste Schritt, um das Verhalten eines Hundes dahingehend zu ändern, besteht darin, ihm zu zeigen wie wichtig der Mensch für ihn ist. Dabei wird aber keine körperliche Gewalt angewandt. Stattdessen bekommt der Hund die „Gelegenheit“ wahrzunehmen, dass sein Mensch derjenige ist, der alle für ihn wichtigen Ressourcen verwaltet und Entscheidungen trifft.

Durch folgende Übungen wird das Verhältnis des Hundes zunächst einmal innerhalb der Familie geändert.

Die für den Tag übliche Futtermenge wird abgemessen und in einem Gefäß aufbewahrt. Wenn ohne Schwierigkeiten am üblichen Futterplatz gefüttert werden kann, darf das am Anfang zur üblichen Futterzeit auch dort geschehen.

Ein Hund, der sich auf das Hörzeichen „Sitz“ zuverlässig setzt, fordert man auf, sich hinzusetzen.  Wenn er das tut, bekommt er sofort innerhalb einer Sekunde den ersten Futterbissen.

Man kann auf diese Weise einen Bissen nach dem anderen aus der Hand geben. Die gesamte Tagesration wird so über den Tag verteilt in mehreren Übungseinheiten dem Hund verfüttert.

Sobald ein Hund sich sofort hinsetzt, wenn der Halter mit der Übung beginnen will, kann man die Zeit, die er auf einen Bissen warten muss, langsam verlängern.

Damit der Hund dieses Verhalten auch überall ausführt, muss die Übung an allen möglichen Stellen, am Anfang nur  in der Wohnung, später im Garten zu den unterschiedlichsten Zeiten weiter durchgeführt werden, bis man anfangen kann, die Übung beim Spazierengehen (am Anfang nur ohne große Ablenkung durch Außenreize) zu machen.  Das muss dann so häufig geschehen, bis der Hund sich überall zuverlässig und gern hinsetzt und sich durch nichts davon abhalten, beziehungsweise ablenken lässt.

Die Übung Füttern aus der Hand kann ausgebaut und dazu genutzt werden, den Hund zu lehren, freiwillig gerne Blickkontakt mit seinem Halter aufzunehmen und sogar über einen längeren Zeitraum zu halten. Weil Hunde eigentlich intensiven Blickkontakt als bedrohlich empfinden, muss dieses Verhalten geübt und antrainiert werden. Ein Hund, der Blickkontakt mit seinem Halter aufnehmen und halten kann, konzentriert in diesem Augenblick seine Aufmerksamkeit ausschließlich auf seinen Halter.

Training zum Blickkontakt:

Sobald der Hund sich zuverlässig hinsetzt, gibt man den Futterbissen nicht mehr für das Hinsetzen alleine, sondern wartet einfach ab. In vielen Fällen bleibt der Hund sitzen, blickt aber irgendwann, weil das Futter nicht kommt, dem Halter ganz kurz in das Gesicht. In diesem Moment muss sofort das Futter gegeben werden. Nach und nach wird auch die Dauer des Blickkontaktes verlängert. Dienlich ist es, dem Hund mit einem „Fein“ zusätzlich mitzuteilen, dass dieses Verhalten das „Richtige“ ist, bevor man den Futterbissen gibt.

Füttern aus der Hand verändert einerseits die Gefühle, andererseits dient es auch dazu, dass eine  erwünschte Verhaltensweise zunächst erlernt und später gerne ausgeführt wird.

Autorin: Melanie Weber-Tilse

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1 Kommentar

  1. Und bitte dran denken, dass Impulskontrolle (die da auch abverlangt wird) immer endlich ist. Wenn man sie dafür nutzt, fehlt sie vielleicht an anderer Stelle. Erst nachedem der Hund geruht hat, ist die Impulskontrolle wieder (zum Teil) aufgeladen.

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