Stöbersuche

Stöbersuche

Die Stöbersuche ist eine Variante der Nasenarbeit mit dem Ziel, dass der Hund später große Areale frei laufend nach „seinem“ Gegenstand absucht.

Als Vorbild für diese Art von Nasenarbeit dient das Verhalten von Wölfen und Wildhunden sowie die Arbeit von Rettungshunden.

In welcher Art der Gegenstand bei der Stöbersuche verwiesen wird, hängt von der Veranlagung des Hundes und den eigenen Wünschen ab. Der Mensch nimmt, bei fortgeschrittenem Training, eine überwiegend passive Rolle ein.

Stöbersuche: Nasenarbeit ist für Hunde aller Rassen, Größen und jeden Alters geeignet

Der Hund sollte weitestgehend fit sein und sich gerne bewegen. Agile Hunde mit HD (Hüftgelenksdysplasie) können von der Stöbersuche ebenfalls profitieren, denn auf „Stop and go“ wird später gänzlich verzichtet. Hunde mit Spondylose machen durch die Sucharbeit den „Rücken auf“, was sich positiv auf den Verlauf der Erkrankung auswirkt. Wenn man selber einmal indisponiert ist, hat man eine Möglichkeit den Hund innerhalb recht kurzer Zeit sowohl körperlich als auch geistig auszulasten.

Hunde, die sich schwer vom Halter lösen werden freier und selbständiger. Sensible oder ängstliche Hunde tun so etwas für ihr Selbstwertgefühl und werden mutiger. Aktive Rabauken, die gern mal eigene Wege gehen, können aufmerksamer gemacht und besser an den Halter gebunden werden. Der Hund ist nach der Stöbersuche hundemüde und hochzufrieden. Er hat an diesem Tag etwas geleistet und mit seinem Halter eine Art gemeinsamen Jagens erlebt. Außerdem lässt sich dieser Spaß auf jedem Spaziergang, ohne große Vorbereitungen und massig Hilfsmittel, integrieren.

Hund apportiertAm Anfang muss der Hund zunächst auf ein Spielzeug oder einen Leckerbeutel konditioniert werden. Wir spielen mit dem Gegenstand dafür locker herum, werfen ihn und schauen, was der Hund uns als nächstes anbietet.

Ist er ein eher ruhiger Vertreter, der länger am Gegenstand verharrt oder ihn nicht aufnehmen mag, ist er ein Kandidat für passives Verweisen. Passives Verweisen kann durch „Steh“, „Sitz“ oder „Platz“ stattfinden. Erfahrungsgemäß funktioniert „Platz“ am besten.

Ist es ein hibbeliger Hund, der den Gegenstand nicht aufnehmen mag, kann man ihn durch „Gib Laut“ verweisen lassen. Nimmt der Hund den Gegenstand problemlos auf, hat man einen Apportierer. Jede dieser Anzeigearten ist geeignet, bedarf jedoch unterschiedlicher Vorbereitung.

Passives Verweisen: Den Gegenstand für den Hund interessant machen

Sobald der Hund Interesse zeigt, kommt der Gegenstand vor ihm zur Ruhe und er wird freundlich zu einem „Platz“ aufgefordert. Dieses wird sofort bestätigt, wenn der Hund liegt. Man kann den Gegenstand auf dem Boden auch „sperren“. Das klappt am besten, wenn der Hund auch an dem ruhig liegenden Gegenstand Interesse zeigt. Sobald er von sich aus in die Liegeposition geht, wird bestätigt.

Stöbersuche Hund
Nasenarbeit bei der Stöbersuche

Bellen: Der Gegenstand wird interessant gemacht und gesperrt, wenn der Hund am aktivsten ist. Durch animierende Laute versucht man dem Hund eine winzige Lautgebung zu entlocken. Beim kleinsten Quietscher wird
der Hund sofort belohnt. Lässt das Interesse des Hundes beim sperren nach, macht man den Gegenstand wieder interessant und sperrt erneut. Hibbelige und relativ „gesprächige“ Hunde verstehen das sehr schnell.

Apportieren: Bei dieser Anzeigeart wird der Hund zunächst vom Halter weg gearbeitet und dann wieder heran. Bei den anderen Anzeigearten wird der Hund dicht am Halter trainiert. Der Gegenstand wird mit großem Getue ein Stück weg geworfen, sobald der Hund ihn aufnimmt, wird er verbal gelobt.

Wir versuchen den Hund mit dem Gegenstand freundlich zu uns zu locken. Wenn dies gelingt, loben wir erneut, aber nehmen den Gegenstand noch nicht ab. Manche Hunde sind dann für ein Zerrspiel zu begeistern, tauschen gegen ein Lecker oder einen anderen Gegenstand, der sofort fliegt, wenn der Hund nah bei uns ist.

Hund bei der NasenarbeitAlle Anzeigearten werden so trainiert, wie der Hund es uns vorgibt. Es sollte keinerlei Druck ausgeübt sondern immer in gelöster, freudiger Stimmung geübt werden. Wir wollen bei der Stöbersuche nur Spaß miteinander haben. Das ist deshalb so wichtig, weil sich der Hund zu guter Nasenarbeit schlecht zwingen lässt und uns diese Mitarbeit problemlos verweigern kann. Er sollte sich also stets in freudiger Erwartungshaltung befinden, wenn wir das Training vorbereiten. Idealerweise übt man die Anzeige „nebenbei“ auf dem Spaziergang. Anfangs sollte man darauf achten, dass die Ablenkung so gering als möglich ist. Später wird sie nach und nach gesteigert und die Dauer der Anzeige bei passivem und aktivem (bellen) Verweisen verlängert.

Hund im Nebel

Wenn das geschafft ist, beginnt sehr langsam die Nasenarbeit. Wir sprechen den Hund während des Spazierganges an und sobald wir seine Aufmerksamkeit haben, machen wir den Gegenstand interessant und werfen ihn von uns weg. Am Anfang noch nicht zu weit, damit wir schnellstmöglich bestätigen können, wenn der Hund anzeigt. Manchmal ist das noch etwas holprig, weil der Hund eine neue Verknüpfung zum weg geworfenen Gegenstand und der Anzeige herstellen muss. Hilfestellung vom Halter ist in dieser Phase daher noch notwendig.

Hat der Hund diesen Schritt begriffen und verweist den weg geworfenen Gegenstand wunschgemäß und zügig, kommt das Suchkommando dazu. Dies sollte gut überlegt sein, wenn man seinen Hund auch anderweitig suchen lassen möchte beziehungsweise er schon andere Sucharbeit kennt. Ich benutze dafür ein „Tschakkaaaa“, was ich sonst nie benutze und keinerlei Ähnlichkeit mit anderen Suchkommandos hat.

Man spricht den Hund also an und in dem Moment, wo man den Gegenstand wirft und der Hund ihm nachsetzt, kommt das Kommando. Jetzt steigern wir uns langsam und der Gegenstand fliegt weiter weg. Funktioniert das problemlos, werden wir „gemein“. Der Gegenstand wird nun in unübersichtlicheres Gebiet geworfen. Das kann eine recht hohe Wiese sein, ein Laubhaufen im Wald oder über etwas drüber (Baumstamm), wo der Hund den Gegenstand nicht mehr direkt sieht. Jetzt beginnt die eigentliche Nasenarbeit und man kann die „Gemeinheiten“ kontinuierlich steigern. Solange der Hund noch auf Sicht übt beziehungsweise recht dicht an uns, kann man mehrere Übungseinheiten hintereinander legen. Es sollte aber nur so viel sein, wie der Hund schafft, ohne überfordert zu sein.

Hunde, die apportieren dürfen ihren Gegenstand nach Hause tragen. Verliert der Hund ihn unterwegs, wird er kommentarlos aufgehoben und eingesteckt. Das ist kein Drama.

Für den Halter ist es hochinteressant seinen Hund beim Stöbersuche-Training zu beobachten. Man kann sehr viel über die Körpersprache von Hunden dabei lernen. Unser Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, den Hund so viel wie nötig und so wenig wie möglich zu beeinflussen. Hilfestellungen sind dann nötig, wenn der Hund sich in unsere Nähe begibt oder uns hilfesuchend anschaut. Tut er das nicht, sucht er selber nach Lösungen.

Bricht er die Suche von sich aus ab und ist auch nicht mehr zu motivieren, holen wir den Gegenstand mit ihm gemeinsam ab und stecken ihn kommentarlos ein. Das machen wir aber erst, wenn der Hund wirklich und wahrhaftig verstanden hat, was wir von ihm wollen.

Hund auf Wiese im NebelJetzt ist ein optimaler Grundstein gelegt und nun versuchen wir den Gegenstand auf dem Spaziergang los zu werden, ohne dass der Hund es bemerkt. Wir gehen ein kurzes Stück weiter, rufen den Hund heran und schicken ihn mit Kommando zum suchen. Hunde sind ausgezeichnete Beobachter und Ihr werdet merken, dass es immer schwieriger wird den Gegenstand heimlich verschwinden zu lassen. Aber genau damit bekommen wir die selbständigen Hunde auf unsere Seite und dichter an uns ohne Zwang ausüben zu müssen. Je besser der Hund wird desto weiter kann man sich vom Gegenstand entfernen und desto länger dauert die Suche.

Wie und was Ihr dann weiter macht, bleibt Eurer Fantasie und dem Können Eures Hundes überlassen. Mein Hund macht das mittlerweile lange Zeit und ich kann den Gegenstand nur noch mit List und Tücke verschwinden lassen.

Er sucht im Wald und auf Wiesen und Feldern. Er hat eine eigene Technik bei der Stöbersuche entwickelt, die ihn manchmal in Schleifen suchen lässt. Oder er versucht mit einer Art Rückwärtssuche meiner Schritte den Gegenstand auszumachen.

Da sich aber Wind- und Wetterverhältnisse ändern, hat er mit dieser Methode nicht immer den gewünschten Erfolg. Der Gegenstand liegt auch schon mal 30 Minuten oder länger irgendwo und wird erst auf dem Rückweg gesucht. Wenn er sucht, interessiert ihn drumherum nichts. Es kann sogar ein Hund ein Stück mit ihm laufen, er bleibt auf sein Bringsel konzentriert. Das abzusuchende Gebiet umfasst mittlerweile 3 große Felder (15.000 qm und mehr) und auch wenn er länger braucht, bleibt er hoch motiviert. Ich stehe während der Suche eigentlich nur noch sinnlos und beobachtend in der Gegend. Sobald ich ihn aus den Augen verliere, bewege ich mich langsam in die Richtung, in die er verschwunden ist.

Hund ruht sich aus
Feierabend nach der Stöbersuche

Sobald Sichtkontakt besteht, stehe ich wieder. Die Suchzeit beträgt zwischen wenigen Minuten bis zu 45 Minuten. Der Gegenstand kann für die Stöbersuche auch von einer fremden Person versteckt werden, weil er nur auf diesen Geruch trainiert ist und nicht auf den Menschengeruch an sich.

Ich wünsche Euch und Euren Hunden viel Spaß und Freude beim gemeinsamen „Jagen“, voneinander und miteinander lernen.

 

 

Autorin: Michèle

 

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