Quinn: Ein tierischer Artist

Findus-und-Quin

Durch das Trickvideo, der Userin elsebaer (Mascha) aus unserem Forum, aufmerksam geworden, mussten wir sogleich bei ihr nachfragen, wie sie mit ihrem Hund Quinn arbeitet und was er alles an Kunststücke kann. So stand sie uns Rede und Antwort.

Hallo Mascha, seit wann bist Du mit Quinn ein Team?

Quinn ist im Alter von 13 Wochen bei mir eingezogen. Das ist jetzt 1 Jahr und 2 Monate her.

Leben bei Dir noch andere Tiere?

Ein kleiner roter Kater mit Namen Findus (benannt nach Pettersson und Findus).

Funktioniert das Zusammenleben gut?

Die beiden hängen schon sehr aneinander. Sie teilen sich ein Körbchen und putzen sich gegenseitig. Nur beim Futter hört die Freundschaft auf, da versucht jeder sich einen Vorteil zu verschaffen. ;)

Wie bist Du zu Deinem Hund gekommen und hattest Du vorher schon Hunde?

Meine Eltern hatten eine Alaskan Malamute Hündin, mit der ich aufgewachsen bin und die uns 15 Jahre lang begleitet hat. Später zog dann noch ein mopsgedackelter Windhundspitz ein, der aus schlechter Haltung herausgeholt wurde. Die beiden hätten vom Wesen nicht unterschiedlicher sein können und haben mich viel über Kommunikation gelehrt.

Den Mix habe ich zum Großteil alleine erzogen und sozialisiert. Wir haben zusammen die Begleithundeprüfung abgelegt und sind auf Agility-Turnieren gestartet. Von da an war ich vom Virus infiziert. :D

Bei Agility-Turnieren habe ich auch zum ersten Mal Shelties gesehen. Damals waren sie mir zu klein, aber als ich dann auszog in eine Mietwohnung, habe ich mich intensiver mit der Rasse auseinandergesetzt. Vom Wesen sind sie genau so, wie ich mir meinen Traumhund vorstelle. Und sie sind so handlich, dass sie in einer Tasche Platz finden, wenn ich mal mit dem Zug fahre.

Nachdem die Rasse dann wirklich feststand, habe ich auf den Seiten vom Club für britische Hütehunde und dem 1. Shetland Sheepdog Club Deutschland nach Züchtern umgeschaut und auch die aktuellen Wurfmeldungen durchgesehen. Und da sah ich ihn: Den 10 Wochen alten tricolor Rüden, der noch ein neues Zuhause suchte. Von der Beschreibung auf der Homepage gefiel mir die Zucht sehr gut und so habe ich Kontakt aufgenommen. 2 1/2 Wochen später durfte Quinn die weite Reise in den Norden antreten. :)

Erzähle uns doch etwas über Quinn, was ist er für ein Typ, welche Besonderheiten hat er?

Quinn ist wie seine Mutter: einfach nur lieb. Es gibt einfach keine negativen Eigenschaften an ihm. Er ist im Haus ruhig und flitzt draußen gerne durch die Gegend. Sehr untypisch für einen Sheltie bellt er so gut wie gar nicht. Dafür hat er viel will-to-please und ist sensibel. Damit musste ich erst umgehen lernen. Einmal bin ich ihm im Training aus Versehen auf die Pfote getreten. Danach wollte er eine Weile nicht mehr nah ins Fuß kommen. Er reagiert überhaupt sehr schnell und auch auf kleinste Bewegungen. Dadurch muss ich sehr genau darauf achten wie ich mit ihm kommuniziere. Er lernt nämlich auch schnell Dinge, die ich gar nicht beabsichtigt habe. Das macht sich besonders beim Clickertraining bemerkbar, wo mir manchmal das Timing nicht so ganz gelingt.

Quinn ist absolut mit allem verträglich, nur bei großen, stürmischen Hunden zieht er sich lieber zurück. Da wünschte ich manchmal, dass er etwas selbstbewusster wäre, denn er lässt sich viel gefallen. Aber da muss ich dann einfach reagieren und zwischengehen.

Überrascht hat mich, dass er auch wachsam ist, wo man seine zarte Stimme so selten hört.

Ich kann nur sagen: Quinn ist mein absoluter Seelenhund und ich denke, wir passen sehr gut zusammen.

Gibt es ein Erlebnis, das Dir immer in Erinnerung bleiben wird?

Ich hoffe, da werden noch einige kommen. Leider ist schon seit einem Jahr alles davon überschattet, dass sich Quinn mit 6 Monaten das Vorderbein gebrochen hat und wir immer noch mit den Folgeschäden kämpfen. Glücklicherweise bringt die Physiotherapie endlich die lang ersehnten Erfolge.

In einem Video hast Du Quinn als Trick Dog gezeigt. Ist es schwer einen Hund das beizubringen? Wie arbeitet man so einen Trick ein?

Für mich ist es schwer, da mir oft die Ideen fehlen und es auch der erste Hund ist, mit dem ich clickere und über „Shapen“ arbeite.

Das Wichtigste ist: Die Belohnung muss stimmen. Wenn der Hund ausreichend Motivation hat, fördert das den Lernprozess enorm. Quinn freut sich auch sehr über ein Lob, arbeitet aber besser, wenn er Leckerlis bekommt. Allerdings darf die Qualität nicht zu hoch sein (wie zum Beispiel Käse oder Fleischwurst), sonst wird er hibbelig und unkonzentriert.

Wenn der Hund den Clicker bereits kennt, kann man ihm alles mögliche beibringen. Einige Hunde brauchen dabei länger als andere. Bisher üben wir hauptsächlich Tricks mit Gegenständen, weil ich es leichter finde, die richtigen Ansätze zu clickern.

Bei dem konkreten Trick sahen die Schritte beispielsweise wie folgt aus:

  • Hund schaut den Turm an
  • Hund stupst den Turm mit der Nase an
  • Hund stupst den oberen Teil des Turms mit der Nase an
  • Turm steht vor dem Hundeführer; ein Ring wird geworfen; der Hund bringt den Ring zum Hundeführer
  • der Hund bringt den Ring zurück und schaut zum Turm
  • Hund bringt den Ring zurück und stupst den Turm an

Ab hier kam der schwierigste Teil. Da habe ich Quinn einfach ein wenig herumprobieren lassen. Irgendwann hatte er den Ring zufällig in der Schnauze, als er zum Turm gegangen ist. Das habe ich sofort bestätigt. Und dann ging es in ganz kleinen Schritten weiter, so dass er irgendwann versucht hat, den Ring über den Turm zu stülpen. Da gab es eine Riesenparty und ich habe das Training beendet.

Wichtig ist generell, dass man die richtige Balance findet zwischen zu früh und zu spät belohnen. Man sollte lieber mehrere kleine Einheiten (bei uns so 5-10 Minuten) am Tag machen als eine große, damit sich das Gelernte festigen kann. Diesen Trick haben wir über mehrere Wochen einstudiert. Hund und Hundeführer sollten immer gemeinsam Spaß haben und wer weiß, vielleicht entstehen dabei noch viele witzige Ideen? :)

Beherrscht Quinn noch andere Tricks?

Er kann sich auf Kommando wie tot auf die Seite legen. Natürlich gehört auch der Standardtrick „Pfote geben“ zu unserem Repertoire. „Gib laut“ werde ich wohl nicht üben, nachher fängt mein Sheltie doch noch das Kläffen an. ;)

Ansonsten üben wir im Moment eher für Obedience: Also Fuß laufen und Apportieren.

In der Zukunft kommt bestimmt noch was dazu. Ich hoffe ja, dass Quinn noch mindestens 15 Jahre an meiner Seite ist.

Wenn Du an deinem Hund etwas ändern könntest, was wäre das dann?

Ich würde ihm ein gesundes Vorderbein geben. Er musste so viele Wochen, schon eher Monate, an kurzer Leine laufen und durfte nicht spielen. Und das, obwohl er noch so jung ist. Mir tut das alles so leid, besonders, da er sehr gerne mit anderen Hunden durch die Gegend flitzt.

Ich denke, er wäre auch selbstbewusster, wenn er im ersten Lebensjahr häufiger Kontakt mit anderen Hunden gehabt hätte. Sicherlich wird er immer zurückhaltend bleiben und das ist auch ok so. Aber der Beinbruch hat bestimmt nichts Positives bewirkt.

Wir bedanken uns für dieses Interview und wünschen Dir noch viele viele glückliche Jahre mit Quinn.

Das Interview führte Andreas Cornelius mit Mascha.

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