Lockdown-Auswirkungen in der Hundewelt: Interview mit Hundetrainerin

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Hundetraining im Lockdown

Der Lockdown wird am 8. Februar 2021 zumindest in Österreich teilweise gelockert, vielleicht werden auch Hundeschulen wieder geöffnet werden. In Deutschland ist Gruppentraining bis vorerst 14. Februar 2021 untersagt. Während einige Hundeschulen im November 2020 sofort ihren Betrieb einstellten, führten andere weiterhin Eins-zu-eins-Trainingskurse durch. Wir sprachen mit Renate Ploder von Wedelwerk in Graz über folgende Themen:

  • Arbeitssituation als Hundetrainerin im Lockdown
  • Wirtschaftlich überleben in der Corona-Krise
  • Problem fehlender Sozialkontakte und Sozialisierung bei Welpen und Hunden, die von einem Neuhundebesitzer aufgenommen wurden.
  • Wie Hunde auf unsere Masken reagieren

Was sind deine Erfahrungen als HundetrainerIn oder Hundeschule? Schreibe uns bitte deinen Kommentar!

Arbeitssituation als Hundetrainerin im Lockdown

Renate Ploder
Renate Ploder mit ihrem Hund Pongo

Wie ist es dir als Hundetrainerin im Lockdown gegangen? Was durftest du machen, was nicht?

Renate Ploder: Seit November sind wir Hundetrainer/-schulen leider immer als Veranstalter deklariert worden, weshalb bis jetzt nicht mehr als Einzeltraining mit max. 2 Haushalten (wobei der Trainer bereits einen Haushalt darstellt) möglich war. Es wäre schön, wenn uns die Regierung diesmal als das ansieht, was wir sind. Persönliche Dienstleister, die größtenteils im Freien mit Abstand (und Maske) arbeiten.

Es entzieht sich meiner Logik, wenn es seit Weihnachten möglich ist Skifahren zu gehen bzw. es jetzt in Zukunft möglich ist, zum Friseur, Kosmetiker oder Masseur zu gehenHundetraining in Kleingruppen in Freien jedoch nicht möglich sein sollte und scheinbar zu „gefährlich“ ist. Ich warte aber noch die Stellungnahme der Wirtschaftskammer Österreich ab, vielleicht dürfen wir doch wieder arbeiten.

Wirtschaftlich überleben in der Corona-Krise

Viele Hundetrainer sind Klein- und/oder Ein-Personen-Unternehmer. Viele davon arbeiten auch nur nebenher als Hundetrainer und haben eine weitere Anstellung und somit ein gewissen Grundeinkommen, sofern sie nicht von der Arbeitslosenwelle betroffen sind/waren. Natürlich gibt es aber auch Hundetrainer, die von ihrer Tätigkeit leben müssen. Glücklicherweise gab bzw. gibt es finanzielle Hilfen seitens des Staates. Je nach Lebensumstände denke ich, dass es sehr individuell ist, wie es den einzelnen Hundetrainern in Zeiten des Lockdowns ergangen ist. Letztendlich hängen die finanziellen Einnahmen auch vom Dienstleistungsangebot des jeweiligen Hundetrainers ab.

Hundetrainer die hauptsächlich von Gruppenkursen leben, hatten es im Lockdown sicherlich schwerer, als jene die auch Einzeltraining anbieten. Manche Hundetrainer bieten auch ausschließlich Einzeltraining an, weshalb sich für diese vermutlich nur marginal etwas geändert hat. Ich selber kam relativ gut über die Runden. Einzeltraining wurde auch vermehrt in Anspruch genommen.

Hat sich für eine Hundeschule oder Hundetrainer auf der wirtschaftlichen Seite etwas nachhaltig geändert? Gibt es einen Trend zu mehr persönlichem Training?

Das kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen, da das sicherlich von Hundetrainer zu Hundetrainer sehr unterschiedlich sein wird. Ich persönlich habe momentan sehr viele Anfragen auf Welpenkurse. Auf Grund der momentan nicht durchführbaren Gruppenkurse, halte ich zur Zeit sicherlich auch mehr Einzelstunden ab als sonst. Einige Hundebesitzer wissen die persönliche und individuelle Betreuung auch zu schätzen und kommen weiterhin ins Einzeltraining.

Wie zufrieden bist du mit der wirtschaftlichen Unterstützung im Lockdown?

Ich habe Unterstützungen vom Staat erhalten, mit denen ich gut über die Runden komme. Da es im Sommer aufgrund der vielen Neuhundebesitzer wirtschaftlich betrachtet (für vermutlich viele Hundeschulen) sehr gut lief, musste ich „nur“ einen Teil der angebotenen Förderungen ansuchen, um das finanzielle „Lockdown-Loch“ zu kompensieren.
Dennoch, wie bereits oben erwähnt, sehen die Lebenslagen der einzelnen Hundetrainer sehr individuell aus. Die Dienstleistungsangebote sind oft sehr unterschiedlich – was sich auch auf den Umsatz während des Lockdowns auswirkt.

Auch die Lebensumstände wie beispielsweise Nebenjob, Wohnsituation oder ein Lebenspartner, der die finanzielle Situation mittragen kann, sind oft sehr unterschiedlich und beeinflussen, welche Förderungen einem zustehen, wie gut man über die Runden kommt und wie zufrieden man letztendlich mit der staatlichen Unterstützung ist.

Fehlende Sozialkontakte und Sozialisierung bei Welpen- und Neuhundebesitzer

In Zeiten von Corona haben sich viele Menschen Hunde und vor allem Welpen angeschafft. Wie sah oder sieht die Situation bei Welpen- und Neuhundebesitzer aus? Wie problematisch sind hier für dich die Themen Sozialkontakt und Sozialisierung?

Auch wenn ich im Lockdown finanziell gesehen relativ gut über die Runden kam, so tuen mir die vielen Welpen- und Neuhundebesitzer wirklich sehr leid. Ich hätte mir bereits im Jänner gewünscht, zumindest Welpenkurse wieder anbieten zu dürfen. Da Gruppenkurse seit November nicht stattfinden dürfen, versäumen gerade die vielen Welpen die wichtigste Zeit ihres Lebens.

Die Welpenbesitzer sind während der Sozialisierungsphase, also jene Zeitspanne, in der der Welpe die wichtigsten Alltagsreize (Menschen, Geräusche, aber vor allem den Kontakt zu anderen Hunden etc.) auf positive Weise kennenlernen sollte, komplett auf sich allein gestellt. Fehler, die in dieser Zeit passieren, können leider schwerwiegende Folgen haben. Viele dieser Fehler passieren einfach aus Unwissenheit, die unter professioneller Anleitung zum Beispiel in Welpenkursen vermeidbar wären.

Gerade für Neuhundebesitzer ist die momentane Situation in meinen Augen katastrophal. So können Welpen- und Neuhundebesitzer zwar Einzelstunden buchen (wobei das natürlich auch immer eine Kostenfrage ist und sich einige Hundebesitzer nicht immer Einzelstunden leisten können), jedoch fehlt der (geregelte) Sozialkontakt zu anderen Hunden. Im Rahmen eines Welpenkurses kann der Trainer auf das gezeigte Verhalten eingehen und die Hundebesitzer aufklären. Das ist jedoch seit November nicht mehr möglich. Die Folge ist, dass Welpen entweder keinen oder nur sehr wenig Sozialkontakt zu Artgenossen erhalten oder die Neuhundebesitzer selbst für Sozialkontakt (z.B. auf Hundewiesen) sorgen, mit dem Risiko Fehler zu machen, indem sie den Welpen beispielsweise überfordern. Höflicher Kontakt zu anderen Hunden und richtiges / harmonisches Spielen will gelernt sein.

Beide Situationen (keine/zu wenige, sowie unkontrollierte/überfordernde Hundekontakte) sind nicht unbedingt förderlich, wenn man sich einen komplikationsfreien Alltag mit Hund wünscht. Durch die fehlende Unterstützung seitens eines Hundetrainers, spielt die Zeit im wahrsten Sinne gegen uns bzw. gegen die Welpenbesitzer. Letztendlich wird uns Hundetrainern die Arbeit nicht ausgehen, wenn man bedenkt, dass man in einem halben oder dreiviertel Jahr den verursachten (Verhaltens-)“Schaden“ wieder beheben muss. Ein präventives Arbeiten wäre mir jedoch deutlich lieber!

Wie reagieren Hunde auf Masken?

Abschließend eine Frage zur Maskenpflicht. Für Menschen ist es seit mittlerweile einem Jahr „normal gewordenen“, anderen Menschen mit einer Maske im Gesicht zu sehen. Was hast du für Erfahrungen gemacht, wie Hunde auf die Masken reagieren?

Die meisten Hunde, die ich im Training habe, reagieren kaum bis gar nicht auf die Masken. Auch bei meinem eigenen Hund hätte ich keine groben Veränderungen mit dem Tragen einer Maske festgestellt. Dennoch kann und will ich nicht ausschließen, dass die Mimik seitens des Hundebesitzers eingeschränkt ist und die Kommunikation zwischen Hund und Hundebesitzer bzw. anderer Menschen leiden könnte. Vor allem bei Hunden, die Aversionen gegenüber fremden Menschen zeigen, könnte das Tragen einer Maske durchaus Einfluss auf das Verhalten des Hundes haben. Glücklicherweise gibt es aber noch die Augen- und Stirnpartie, die die Hunde auch mit Maske erkennen können. Hier lässt sich seitens der Hunde auch bereits viel ablesen.

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