Studie: Dogdance als Beschäftigungstherapie für Tierheimhunde

Renate Ploder
Renate Ploder

In der Studie „Dogdance als Beschäftigungstherapie für Tierheimhunde und ihre Auswirkungen auf deren Verhalten“ beschäftigt sich die Grazerin Renate Ploder im Rahmen des Studiums Verhaltensphysiologie für ihre Masterarbeit mit der Frage, ob sich das Verhalten von Hunde im Tierheim nach gezielten Trainings- und Beschäftigungsmaßnahmen in Form von DogDance-Training in Hinblick auf eine Abnahme von aggressiven und/oder ängstlichen Verhalten verbessert.

Tierheimhunde zeigen oft Verhaltensprobleme, wie Ängstlichkeit, Hyperaktivität, Zerstörungswut oder Aggression. Viele Hunde werden leider auf Grund dieser Verhaltensprobleme wieder zurück ins Tierheim gebracht. Oft ein nie enden wollender Teufelskreis, da Hunde im Tierheim ohnehin schon anfälliger für Verhaltensprobleme sind und so die Probleme nicht gelöst sondern nur verstärkt werden. Studien (Luescher und Medlock) zeigen 2009 bereits, dass Training mit Tierheimhunden positive Auswirkungen haben. Es wurde gezeigt, dass Hunde, die ein Training absolvierten 1,4-mal öfter vermittelt wurden als Hunde ohne Training. Die Vermittlungsrate konnte durch ein Training gesteigert werden.

pitbull mischling tierheim
Dogdance als Beschäftigungstherapie für Tierheimhunde

Die Masterarbeit von Renate Ploder soll eine erste wissenschaftliche Analyse der Auswirkungen von Beschäftigungsmaßnahmen in Form von DogDance auf die Hunde darstellen. Mit Hilfe eines Wesenstests will die junge Grazerin herausfinden, ob das Training sich positiv auf das Verhalten des Hundes auswirkt und ob trainierte Hunde in unbekannten Situationen kontrollierbarer werden als untrainierte.

Die Studie findet im Landestierheim Graz in der Grabenstraße statt welches circa 15 Hunde Platz bietet. Die Hundeführer, die das DogDance-Training mit den Tierheimhunden durchführen werden, sind freiwillige Personen, die unter anderem bereits mit den Tierheimhunden regelmäßig spazieren gehen. Diese werden von Renate Ploder persönlich ins DogDance Training, welches vorwiegend am Hundeplatz des Hundeschule ÖRV HSV Graz am Grabengürtel 82 durchgeführt wird, eingeschult und regelmäßig beraten.

Wir besuchten Renate Ploder bei einem der Trainings in der Hundeschule mit Pitbull-Mischling Mike und führten mit ihr ein Interview:

Tierheimhund Pitbull Mischling
Daniela Juwan als freiwillige Helferin mit Pitbull-Mischling Mike.

Wie viele Hunde nehmen insgesamt an der Studie teil?

Renate Poloder: Es werden 20 Hunde über 2 Wochen in 6 Einheiten (á ca 1 Std) trainiert und auf ihr Verhalten vor und nach dem Training getestet. Das ist unsere Testgruppe. 20 Hunde werden nur einem Verhaltenstest, der nach 2 Wochen wiederholt wird, unterzogen. Diese werden also nicht trainiert. Das ist unsere Kontrollgruppe. Insgesamt sollen also 40 Hunde an der Studie teilnehmen, wobei es wahrscheinlich mehr sein werden, da zum Beispiel Hunde, die frühzeitig ein zu Hause bekommen, aus dem Datensatz rausfallen.

Warum wurde sich genau für DogDance als Trainingsmaßnahme entschieden? Wo liegen die Vorteile gegenüber anderen Beschäftigungsmaßnahmen oder einem Alltagstraining?

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Renate Ploder mit Pongo, Foto: Sabine Fallend

Renate Poloder: Wie mein Betreuer der Masterarbeit Prof. Dr. Kurt Kotrschal schon sagte: „Im Prinzip ist es egal, welche Beschäftigungsmaßnahme gesetzt wird.“ Ich habe natürlich noch keine Ergebnisse und auch keine Daten, die ich vergleichen könnte, aber ich nehme stark an, dass andere Beschäftigungsmaßnahmen wie zum Beispiel Schnüffelspiele oder Alltagstraining ein ähnliches Ergebniss erzielen würden. Ich habe mich für DogDance entschieden, da ich selbst mit meinem Hund DogDance betreibe und weiß, wie man diverse Tricks aufbaut. Außerdem fördert DogDancing die Bindung zwischen Mensch und Hund. Vor allem bei ängstlichen Hunden merkt man nach ein paar DogDancing-Einheiten, wie sie nach und nach auftauen und souveräner im Alltag agieren.

3. Wie wird dem Problem der Beobachterverzerrung begegnet?

Renate Poloder: Die Hunde werden vor und nach dem Training (beziehungsweise bei der Kontrollgruppe nach 2 Wochen) einem Verhaltenstest unterzogen. Die Testsituationen werden gefilmt und die Videos anschließend am PC mit einem zuvor ausgearbeiteten Ethogramm ausgewertet. Ein Ethogramm ist ein Verhaltenskatalog, in dem, für die Studie relevante Verhaltensweisen genau definiert werden.

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Renate Ploder und Daniela Juwan (v.l.n.r) beim Training

Wie sich der Pitbull-Mischling im Training gemacht hat:

[box type=“info“]Über die Hundeschule Österreichischer Rassehundeverein HSV in Graz

Obmann Helmut Weber führt die Hundeschule am Grabengürtel 82 in 8010 Graz, die vorher eine Polizeihundeschule war, bereits seit 35 Jahren. Früher wurde auf dem Platz, der direkt neben dem Radweg bei der Mur liegt, Turnierhundesport sowie das Pantherturnier durchgeführt, heutzutage werden in der Hundeschule Gehorsamskurse, Agility, Dogdance und beispielsweise Verhaltensproblemhunde von Mag. Margit Auer betreut. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei Helmut Weber unter der Telefonnummer 0664/4360125).[/box]

Titelfoto: Rene Vidalli

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