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Hundeerziehung und das Geschäft mit der Angst

Ninas Hundeecke

Hundeerziehung ist nicht nur etwas, was wir im Privaten unseren Vierbeinern angedeihen lassen. Es ist auch ein großes Geschäft an dem viele Leute verdienen (können). Ob Zubehörindustrie, Trainer, Berater, Ausbilder, Heilpraktiker, Tierarzt, Futtermittelhersteller – sie alle verdienen am Thema „Hundeerziehung“ fleißig mit. Das ist erstmal gar nicht schlimm. Ob Hilfsmittel, Tierarztberatung oder Training mit einem Hundetrainer – all diese Dinge können uns bei der Erziehung unserer Hunde helfen. Es ist meist eine Dienstleistung für die wir Geld bezahlen.

Der Markt und die Sache mit der Konkurrenz

Der Markt ist da und nach der Nachfrage richtet sich das Angebot. Viele Anbieter konkurrieren um einen Kunden. Besonders in Ballungsgebieten hat der Hundehalter eine große Auswahl an Hundeschulen, Hundetrainern und Verhaltensberatern. Diese Konkurrenz kann das Geschäft beleben. Im Punkto Hundeerziehung kann diese Konkurrenz Einem allerdings auch die Hundehaltung deutlich erschweren. Insbesondere dann wenn man ein Neuling auf dem Gebiet der Hundehaltung ist.

So manch Hundetrainer versucht seine Kunden durch eine bestimmte Form des Marketings zu „gewinnen“: der Angstmache. Diese Form der Werbung ist nicht neu. Eindrucksvoll hat dies ein Mundwasserhersteller gezeigt, der in seiner Werbung Mundgeruch als gesellschaftsuntauglich brandmarkte und dafür sogar einen medizinischen Fachbegriff erfand. Die Angst vor Ausgrenzung bei Anderen, verbunden mit der vermeintlichen Wissenschaft führte dazu, dass die Leute anfingen Mundwasser zu kaufen. Ein neuer Markt war geboren, und noch heute haben sicherlich die meisten Leute ein Mundwasser bei sich im Badezimmer stehen. Eine geschickte Werbung kann Kunden generieren und sie an sich binden.

Ähnliches geschieht auf dem Markt der Hundeerziehung. Um von der eigenen Methode zu überzeugen, wird schlicht und ergreifend Angst gemacht. Und dies im großen Stil und sehr wirkungsvoll.

Angst vor Strafe

Sieht so etwa ein erlernt hilfloser Hund aus?

Sieht so etwa ein erlernt hilfloser Hund aus?

Erst vor kurzem machte ein Bild auf Facebook die Runde, wo die möglichen Folgen von Strafe aufgelistet wurden. Ohne Quellenangabe und aus dem Kontext gerissen, wurde der Teufel an die Wand gemalt. Von der ‚erlernten Hilflosigkeit‘, bis hin zur gestörten Mensch-Halter-Beziehung  und sogar vermehrtem Bellen war alles dabei. Dass dies alles nicht derart haltbar war, war schnell zu durchschauen für denjenigen, der einen tieferen Blick in die Materie hatte. So ist exemplarisch die „erlernte Hilflosigkeit“ keine mögliche Folge von Strafen, sondern eine Folge von willkürlichen Konsequenzen, die dem Hund suggerieren, dass egal was er tut, er diesen Folgen weder entgehen noch sie sonst irgendwie bestimmen kann. Um einen Hund per Strafreize dazu zu bringen, muss man schon psychopathische Züge haben. Derart willkürlich straft niemand der bei klarem Verstand ist.

Warum wird also so etwas aufgelistet? Es ist eine Möglichkeit Angst zu schüren. Die Nutzung eines wissenschaftlichen Fachbegriffes suggeriert, dass da jemand wirklich weiß wovon er redet und man dies unbedingt lassen sollte. Natürlich wählt man dann auch eher einen Hundetrainer der ohne Strafe arbeitet, als Einen der situativ auch mal straft.

Die Angstmacher

Es ist erstaunlich was für Drohkulissen aufgebaut werden, um die eigene Herangehensweise zu legitimieren. Es reicht anscheinend nicht herauszustellen, warum man selber ein guter Trainer ist und die eigene Herangehensweise gut und wirkungsvoll ist. Parallel wird den Hundehaltern Angst und Bange gemacht und die angeblichen möglichen negativen Konsequenzen aufgezählt, die folgen wenn man anders arbeitet. Mal reißen die Hunde die Weltherrschaft an sich, wenn sie als Erstes durch die Tür gehen oder ins Bett dürfen. Mal werden Hunde stark traumatisiert und sofort gebrochen, wenn der Halter mal „Nein“ sagt. Der verwirrte Hundehalter sitzt zwischen den Stühlen, bekommt laufend widersprüchliche Informationen und weiß gar nicht mehr, wovor er denn nun mehr Angst haben soll. Die Angstmacher haben das große Glück, dass die wenigsten Hundehalter wissenschaftliche Veröffentlichungen bewerten können. Die Halter gehen davon aus, dass ihr Trainer mehr weiß als sie und glauben ihm dementsprechend auch alles.

Natürlich sichern sich Trainer so ihre Kunden, Autoren so ihre Leserschaft und Seminargeber so ihre Teilnehmer – nur zu welchem Preis?

Angst lähmt. Sie schränkt die Handlungsfähigkeit ein und lastet schwer auf der Psyche. Liebe Angstmacher: Ist es DAS was ihr wollt? Unmündige, unsichere und ängstliche Hundehalter, die sich gar nicht mehr trauen authentisch aufzutreten und auf ihr eigenes Bauchgefühl zu achten? Hundehalter die es nicht mehr wagen, ihren eigenen Kopf einzuschalten? Dem einzigen dem ihr mit eurer Einschüchterung helft, ist euer eigener Geldbeutel! Und nicht nur den Hundehaltern wird so geschadet. Die Konkurrenz durch derartige Polemik ausschalten zu wollen, ist höchst unkollegial und spricht nicht für die Qualität des eigenen Trainings. Wer gut ist, hat sowas nicht nötig.

Das Ziel: Der mündige Hundehalter

Um ‚gut‘ erziehen zu können, ist ein stabiler Erzieher unerlässlich. Er muss souverän handeln, das Wesen des eigenen Hundes erkennen und seine eigene Erziehung gegenüber dem eigenen Hund auch vertreten können. Unsichere Hundehalter können nicht authentisch sein. Die Angst verhindert den klaren Blick auf den eigenen Hund. Erziehung ist an der Stelle gar nicht mehr möglich.

Liebe Hundehalter: Glaubt nicht alles was man euch erzählt. Reflektiert das was man euch im Training sagt, was ihr auf Vorträgen hört und was ihr im Internet oder Büchern lest. Angst ist immer ein schlechter Berater. Hört auf euer Bauchgefühl, hinterfragt Methoden und bleibt kritisch. Ein guter und seriöser Hundetrainer wird euch logisch und nachvollziehbar alles erklären können. Er wird ein Training auf euch und euren Hund abstimmen, so dass ihr euch damit auch wohl fühlen könnt. Er stülpt kein Konzept jedem Hund-Halter-Gespann über, sondern geht individuell auf euch ein. Lasst euch nicht verunsichern. IHR seid der Hundehalter und kennt euren Vierbeiner am besten. Ihr habt es in der Hand.

Autorin: Nina Dany

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Eingereicht von 6 Kommentare

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6 Comments »

  • Eiswolf sagt:

    Aber glauben und bei Facebook teilen ist doch viel einfacher, als sich selbst Gedanken zu machen und womöglich die eigene Meinung auch noch gegen das Gros der Allesteiler vertreten zu müssen.

  • Angelika Prinz sagt:

    Wer lange in der Hundeausbilder- und -sportwelt zugange ist (ich bald 40 Jahre), versteht vielleicht besser, woher diese extremen Ausschläge der Philosophien kommen, zu was sie gut sind und wie sie enden sollten. Stachelhalsband, Teletakt, Angelhaken im Fell und am Baum aufgehängt Hunde, die mal richtig durchgelassen werden, um zu funktionieren, haben Gott sei Dank irgendwann eine Gegenfraktion auf den Plan gerufen, die vieles verbessert hat, sich teilweise im absolutistisch-militanten Auftreten aber nicht wesentlich unterscheidet. Bei der Kindererziehung konnte man in den vergangenen Jahrzehnten ja ganz ähnliches erleben. Es wird Zeit, zu einem menschlichen und tierschutzgerechten Mittelmaß zu finden (wobei es ja nicht so ist, dass „gesunde Denker“ das nicht bereits jahrzehntelang hatten). Autoritative Erziehung heißt das Zauberwort – bei Mensch und Hund. Ach und: mein Eindruck ist, dass Menschen inzwischen irgendwelchen Pseudoautoritäten mehr vertrauen als ihrem Bauchgefühl und gesundem Menschenverstand und so natürlich leicht Fähnchen im Wind und Opfer aller möglichen abstrusen Konzepte werden.

  • Matti sagt:

    Eigentlich sollte es viel weniger Hundetrainer geben und dafür mehr „Haltertrainer“. Jeder der eine klare Linie, Gedult und Durchsetzungsvermögen bei der Erziehung seines Hundes verfolgt, braucht keinen Hundetrainer. Viele sollten sich vor der Anschaffung eines Hundes weniger Gedanken um die Rasse machen, sondern eher ob sie überhaupt fähig sind den Hund auch zu erziehen und artgerecht zu halten^^ lg Matthias

    • B.W.D sagt:

      Lasst doch den Hund Hund sein und entfernt euch von der Industrialisierung des ältesten Begleiter des Menschen.
      Die beste Hundeschule ist die,vom Hund zu lernen. Soviele kluge Menschen wissen alles über den Hund, nur der Hund weiss nichts davon. Soviele Menschen verdienen sich eine goldene Nase am Hund, nur der Hund hat nichts davon. Der Hund ist Minimalist und würde neben seinem Herrn verhungern, lernt aus dieser Charaktereigenschaft, dankt es ihm und lasst ihn Hund sein.

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