Longieren – mehr als nur ein Sport

Dino beim Longieren, Foto: Nina

Longieren ist ein noch relativ neuer Hundesport, für den es noch keine Richtlinien oder gar Turniere gibt, wie man sie von anderen Hundesportarten wie dem Obedience, Agility oder dem THS kennt.

Diese junge Sportart konzentriert sich allerdings auch nicht auf perfekt ausgeführte Kommandos, eingehaltene Zeiten oder ähnliches, sondern stellt die Bindung, Beziehung und das Miteinander in den Vordergrund. Wer eine Beschäftigung für den Hund sucht, die ihn sowohl geistig, als auch körperlich auslastet, und ganz nebenher noch zur Vertiefung der Bindung und Verbesserung der Beziehung beiträgt, ist beim Longieren genau richtig.

Was ist Longieren?

Mensch und Hund
Wichtig: Die richtige Körpersprache

Die meisten kennen das Longieren von Pferden. Hierbei läuft das Pferd an einer Longe (ein langes Seil) im Kreis um den Menschen der in der Mitte steht und die Geschwindigkeiten angibt.

In der Longierarbeit mit Hunden sieht es ähnlich aus. Hier wird der Hund allerdings nicht an einer Longe geführt, sondern läuft frei außen am abgesteckten Longierkreis. Bei der späteren Arbeit sind nicht nur Richtungsänderungen, Gangartenwechsel und Kommandos möglich – auch Hindernisse können mit einbezogen werden und sogar Tricks und Apportierübungen.

Auch das Longieren an mehreren Kreisen oder gar mit mehreren Hunden ist sehr reizvoll.

Für wen eignet sich das Longieren?

Das Schöne an der Longierarbeit ist, dass sie sich prinzipiell für jeden Hund eignet. Je nach Zielsetzung und nach Hund kann auf ganz unterschiedliche Aspekte Wert gelegt werden.

Am Longierkreis lassen sich beispielsweise gezielt Muskeln aufbauen durch gleichmäßiges Traben an einem großen Kreis. Hunde die Probleme im Bewegungsapperat haben können so sinnvoll unterstützt und ausgelastet werden.

Elemente aus anderen Hundesportarten können hier ebenso prima trainiert werden, wie ein flüssiges „Platz/Sitz/Steh“ aus der Bewegung oder das Nehmen beziehungsweise Nicht-Nehmen von bestimmten Hindernissen, die man außen am Kreis aufbaut.

Sogar problematische Vierbeiner können mit Hilfe des Longierens therapiert werden. So kann der Artgenossen-aggressive Hund seinen Stress durch das Laufen abbauen und wieder einen Blick für sein Herrchen bekommen, trotz Anwesenheit von anderen Hunden. Generell steht das Longieren jedem offen, der gerne etwas mit seinem Hund machen möchte, Spaß an dieser Form der Auslastung hat und gewillt ist etwas über seine eigene Körpersprache zu lernen.

Longieren: Distanz schafft Nähe

Schwarzer Hund beim Longieren
Der gespannte Blick zum Hundeführer: Sag was kommt als Nächstes!

Wie bereits angesprochen ist Longierarbeit mehr als „nur“ ein Hundesport.

Der Hund läuft an einem Kreis mit mindestens 10 Meter Durchmesser außen. In der Mitte steht der Mensch, der Richtung und Geschwindigkeit angibt. Es besteht also zwangsläufig eine Distanz.

Diese Distanz führt dazu, dass der Hund mehr nach „innen“ strebt. Wehren fördert das Begehren ist hier der Leitspruch. Indem man dem Hund verbietet zu einem zu kommen, möchte er dies umso mehr tun. So manch einer kennt dieses Phänomen von anderen Situationen, wie das zeitweise Wegsperren des Hundes. Indem man ihn ausschließt möchte der Hund umso dringender bei Einem sein.

Ein Hund der einen besonders starken Außenfokus hat, kann so lernen seinen Fokus wieder auf den Hundeführer zu richten.

 

Wie funktioniert das Longieren?

Jede Longierarbeit fängt im Kleinen an. Man kann sich nicht in die Mitte stellen und meinen, der Hund hätte nun Spaß außen herum zu laufen. Dies muss natürlich erst beigebracht werden. Es gibt viele verschiedene Arten zu Longieren. Diese in all ihren Details zu beschreiben, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Ich möchte deswegen lediglich auf die zwei wichtigsten Unterscheidungsmerkmale hinweisen.

Longieren ohne Tabuzone

Hier wird dem Hund beigebracht, außen am Kreis entlang zu laufen, indem er für das richtige Verhalten belohnt wird. Dies kann durch auf den Boden ausgelegte Targets passieren, die der Hund nach und nach erlernt zu umlaufen. Oder man nutzt das Absperrband am Kreis um ihm klar zu machen, dass es darum geht dass er außen daran entlang laufen soll. Dabei ist das richtige Timing wichtig und die richtige Belohnung.

Das Ganze muss sehr kleinschrittig aufgebaut werden, indem beispielsweise bereits nach zwei richtigen Schritten des Hundes einen Ball in die Laufrichtung geworfen wird. Natürlich eignet sich der Clicker für diese Art der Longierarbeit sehr gut.

Longieren mit Tabuzone

Hier wird dem Hund beigebracht, das Innere des Kreises nicht zu betreten, indem man es für „Tabu“ erklärt. Hierzu stellt man sich in den Kreis und der Hund muss außerhalb des Kreises bleiben – am Anfang ist die Distanz natürlich gering und man muss sich nach und nach näher in die Kreismitte arbeiten.

Für diese Art des Longierens ist eine verständliche Kommunikation und eindeutige Körpersprache unbedingt nötig. Am Anfang kommt der Hund natürlich in den Kreis, da er ja noch nicht weiß dass er das nicht tun soll. Hier muss der Mensch ihn schnell und energisch wieder raus schicken, damit der Hund versteht dass er das Innere des Kreises nicht betreten darf. Selbstverständlich wird auch der Hund bei dieser Art des Longierens bei richtigem Verhalten gelobt – wann und wie dies geschieht ist von Methode zu Methode unterschiedlich.

Der Einstieg

Wie bereits geschrieben, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten dem Hund das Longieren beizubringen. Aufgrund dessen möchte ich hier an die mittlerweile recht umfassende Literatur verweisen. Auch Hundeschulen bieten mittlerweile Seminare und Kurse zu dem Thema an. Grade wenn man therapeutisch oder korrigierend arbeiten möchte, sollte man einen guten Trainer zu Rate ziehen, der das bestehende Problemverhalten mit Einem angemessen bearbeiten kann.

Wenn man einigermaßen beim Einsatz der eigenen Körpersprache fit ist und kein explizites Problemverhalten trainieren möchte, kann das Longieren auch in Eigenregie gemacht werden.

Am besten nutzt man hierfür DVDs, da diese besonders eindrucksvoll Fehler in der Körpersprache zeigen. Bereits eine falsch eingedreht Schulter oder das Ansehen des Hundes können dazu führen, dass der Hund in den Kreis kommt. Der Hund sollte insbesondere beim Arbeiten mit der Tabuzone am Anfang nicht angesehen werden, da er Kontakt aufnehmen soll und das Ansehen den Hund dazu verleitet in den Kreis zu kommen.

Hierzu muss man sich fragen, wann man normalerweise den Hund ansieht. Dies geschieht immer dann, wenn man etwas von dem Hund will. Läuft der Hund nun außen und man sieht ihn an, meint er auch hier etwas Anderes tun zu müssen und näher zu Einem zu kommen. Da man aber auch den Blickkontakt und das richtige Laufen bestätigen will beim Aufbau, sollte man eine zweite Person dazu nehmen, die einen auf Fehler in der Körpersprache aufmerksam macht und sagt, wann der Punkt zum Belohnen gekommen ist. Auch das filmische Aufnehmen des Longierens empfiehlt sich hier, um Fehler erkennen und beheben zu können.

Später kann das Longieren dann folgendermaßen aussehen (laienhaft aufgenommen):

Auch kann man später den Hund sogar ganz frei longieren:

Die Effekte des Longierens sind teilweise enorm. Der Hund, der permanent immer seine Umwelt im Auge behielt und sich für das Ende der Leine gar nicht interessierte, läuft plötzlich neben Einem und sieht Einen begeistert an. Der hibbelige Hund kann ausgepowert werden und gleichzeitig sich konzentrieren lernen.

Der Hund, der Grenzen nicht akzeptiert, kann dadurch lernen, eindeutig gesetzte Grenzen zu akzeptieren. Der selbstständige Hund kann lernen, dass sich die Zusammenarbeit mit dem Menschen lohnt. Und auch der Hundehalter profitiert, da er lernt die Körpersprache richtig einzusetzen und klar und deutlich zu kommunizieren.

Longieren ist mehr als nur ein Hundesport

Wie man sieht ist Longieren mehr als nur ein Hundesport. Er kann Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten herstellen, die Körpersprache und somit Kommunikation mit dem Hund verbessern und die Bindung und die Beziehung positiv beeinflussen. Ganz zu schweigen davon, dass der Hund anders als der Mensch große Strecken außen am Kreis laufen muss (ist somit auch für gehandicapte oder zeitweise faule Menschen zu empfehlen) und auch geistig gefordert wird.

Wer sich auf diesen Sport einlässt, wird in vielerlei Hinsicht profitieren, aber Vorsicht: Longieren macht süchtig!

 

Bücher zum Thema Longieren:

Longiersport für Hunde: Runde für Runde die Bindung vertiefen

Ich lauf schon mal vor…: Hundeerziehung und vieles mehr

 

DVDs zum Thema Longieren:

Longieren mit Hunden

Longiertraining für Hunde: Aufbau OHNE Tabuzonen

Autorin: Nina Dany

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2 Kommentare

  1. Sehr interessanter Artikel – mit diesem Thema möchte ich mich auch einmal näher auseinandersetzen.
    liebe grüße

  2. Gut geschriebener Artikel über eine wirliche interessante Sportart mit Hund!

    Kondition, Bindung und Kommunikation fordern und fördern – Longieren ist mehr als nur „im-Kreis-Laufen“!

    Für problematische Hunde oder den Neueinstieg empfehle ich auch ein Seminar zu besuchen oder einen Trainer zu engagieren, da stimme ich dem Verfasser zu.

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