Neues Hundegesetz: Leinenzwang in ganz Berlin

Hund, Leine, Straße

Nach über einem Jahr „Bello-Dialog“, bei dem sich BerlinerInnen beteiligen konnten, stellte Mitte Dezember Thomas Heilmann, Senator für Justiz und Verbraucherschutz, die Pläne und Eckpunkte für das neue Hundegesetz in Berlin vor.

Generelle Leinenpflicht in Berlin

Auf den Hundehalter kommen wesentlich verschärfte Regeln zu. Demnach müssen Hunde in Berlin grundsätzlich angeleint sein. Von der Hundeleine gelassen werden, dürfen die Hunde dann nur mehr in speziell gekennzeichneten Auslaufgebieten.

Ausgenommen von der generellen Leinenpflicht sind Hundehalter, die den Hundeführerschein abgelegt haben. Wie schon auch in Niedersachsen wird die Prüfung für den Hundeführerschein aus einem theoretischen und einen praktischen Teil bestehen. Die Kosten für den Sachkundenachweis sollen nicht mehr als 100 Euro betragen.

In Fußgängerzonen, Treppenhäusern, öffentlichen Grünanlagen, Waldflächen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Büro- und Geschäftsgebäuden, Sport- und Campingplätzen sowie bei Veranstaltungen mit Menschenansammlungen müssen auch Hundebesitzer mit Sachkundenachweis ihre Vierbeiner an die Leine nehmen.

Verkürzte Rasseliste

Betroffen von dem neuen Gesetzesentwurf sind auch die sogenannten Listenhunde. Die Liste gefährlicher Hunderassen wurde von zehn auf vier Rassen verringert. Demnach zählen Hunde der Rassen

  • Pitbull-Terrier
  • American Staffordshire Terrier
  • Bullterrier
  • Tosa Inu

sowie deren Kreuzungen als gefährlich. Für diese Hunde gilt eine generelle Leinen- und Maulkorbpflicht, auch wenn der Halter in Besitz eines Hundeführerscheins ist. Zudem müssen sie mit einem Mikrochip gekennzeichnet sein.

In Hundeauslaufgebieten dürfen als gefährlich eingestufte Hunde auch ohne Leine laufen, jedoch mit Maulkorb. Auch Hunde anderer Rassen können im Einzelfall als gefährlich eingestuft werden, wenn sie auffällig geworden sind – etwa durch wiederholtes Beißen.

Diese Eckpunkte sind die Basis für den Referentenentwurf, der in den Senat geht und anschließend den Abgeordneten im Berliner Abgeordnetenhaus(=Landtag) zur Diskussion und Abstimmung vorgelegt wird.  In Kraft treten soll das überarbeitete Hundegesetz im Laufe des kommenden Jahres.

Auslaufflächen in Berlin

Geplant ist es, auf Grundstücken, die nicht für den Wohnungsbau geeignet sind, vermehrt Hundegärten einzurichten. Betrieben und gepflegt werden sollen diese dann von den Bürgern selbst. Laut dem Berliner Senat ersetzen Hundegärten zwar kein Auslaufgebiet, helfen aber schon einmal Spannungen zwischen Hundehaltern und Nichthundehaltern vor allem in innerstädtischen Bezirken abzubauen.

Aktualisierung vom 10. Februar 2015: Der Gesetzesentwurf soll demnächst im Berliner Senat verabschiedet werden und ins Parlament eingebracht werden. Künftig sollen auch zwei Kontrolleure pro Bezirk aktiv sein. SPD, CDU und Grüne einigten sich darauf, dass alle Hundehalter von Hunden mit mehr als 40 Zentimetern Höhe und 20 Kilo Gewicht zum Halter-Führerschein Test müssen. Ob dabei Schulungen mit einem abschließenden Test von rund 20 Stunden belegt werden müssen oder eine Theorie-Prüfung mit standardisiertem Fragenkatalog und eine Praxis-Prüfung notwendig sein wird, steht noch nicht fest.

Nach einem Vorschlag der Grünen, könnten Berliner Hundehalter von der Notwendigkeit eines Führerscheins über die Hundesteuer ausgemacht werden und die Aufforderung zum Test per Post zugeschickt werden. Die Kosten für einen Test könnte bei 200 Euro für die Prüfung liegen, die der Hundehalter selber bezahlen muss. Fällt dieser durch gibt es vermutlich eine Nachprüfung und bei einem totalen Versagen ein Halte-Verbot. Wann aber genau das Gesetz tatsächlich kommt, steht noch nicht fest.

Hundebesitzer sollen auch verpflichtet werden, immer einen Beutel für den Hundekot dabei zu haben.

11 Kommentare

  1. Ich finde die Diskussion recht überflüssig. Warum sollte man an dem Leinenzwang irgendwas ändern? Ich bin selber Hundehalterin und finde es sinnvoll. Natürlich ist jeder Hundehalter überzeugt, dass sein Liebling ungefährlich, ruhig und lieb ist. Trotzdem laufen Hunde immer wieder auf die Straße und gefährden damit sich, die Halter und andere Verkehrsteilnehmer. Gerade in der Stadt ist es doch nur vernünftig seinen Hund angeleint zu lassen. Egal wie gut man seinen Hund kennt, es kann immer was passieren. Es sind und bleiben Tiere und bei gewissen äußeren Reizen können sie auch mal unberechenbar reagieren. Und dabei gibt es doch so viele schöne Leinen. Wären wir auf dem Land wäre das alles natürlich ganz anders, mit Wiesen und Wäldern. Aber in der Stadt muss man sich nun mal auch ein bißchen anpassen und auf seine Mitmenschen Rücksicht nehmen.

    • Sie als Hundehalterin sprechen mir aus der Seele. Wurde gerade vor dem Supermarkt von einem Hund abgekläfft. Die Hundehalterin hielt die Leine um den eigenen Hals lose wohl für ausreichend. Leider traf ich Hund und Halter kurz vor meiner Haustür nochmals. Die üblichen Ausreden, sie habe sich nur erschrocken, man solle keine Angst zeigen. Dieses mal wurde das tier noch agressiver. Ich kann die Zeit aber nicht zurück drehen. Als 4 jährige habe ich mich auch mal erschrocken, vor einem Hund und wurde dafür gebissen. So etwas bleibt lebenslang in Erinnerung und wird bei jedem Hundebellen nur verstärkt. Ein Hund ist zwar lernfähig, aber nur, wenn ihm was beigebracht wird. Und es bleiben Tiere, die nicht berechenbar sind. Es sind schon genug Kinder von den Lieblingen der Familie gebissen worden. Also endlich her mit dem Leinenzwang, damit auch auch unbeschadet auf dem Gehweg unterwegs sein kann.

      • Die eigene Angst als Lebensinhalt. Lebenslang pflegen und immer darauf achten,
        Das sie nicht weniger wird. Herzlichen Glückwunsch.

  2. Hallo, ich kann nur die vorstehenden Kommentare der Hundehalter und-innen begrüssen.Ich bin viel als Besucher mit Hund in Berlin, da meine Tochter hier seit ca. 10 Jahren wohnt (Bezirk Friedrichshain). Was mich stört ist, dass viele Hunde trotz Leinenpflicht hier frei rumlaufen, die entsprechenden Herrchen oder Frauchen auf meinen freundlichen Hinweis auf die Leinenpflicht barsch oder frech reagieren (nach dem Motto: Kümmere Dich um deine Angelegenheiten. Schade, dass die Einsicht bei vielen auf der Strecke bleibt. Trotzdem ist Berlin eine schöne Stadt und immer wieder eine Reise wert!!

  3. Es ist schade, das so wenig Hundebesitzer sich an die Regeln halten und Egal was das neue Gesetz sagt, solange es nicht durchgesetzt wird, wird sich nichts bessern.
    Und da ist es egal, worum es sich Handelt, das Ordnungsamt ist doch so schon überlastet.
    Das ich mit der Leine meinen Hund schütze, verstehen viele nicht.

  4. Was wollen denn unsere Politiker ändern ?
    Die Landeshundeverordnung von Berlin besagt dasselbe.
    Das O Amt hat keine Zeit zu kontrollieren, da sie mit sog. Parkraumbewirtschaftung schon überlastet ist.
    Hundehalter die sich sowieso rücksichtslos verhalten bleiben es auch.
    Ein Hund der größer als 40 cm ist und über 20 Kg wiegt soll mitsamt Herrchen einen Test machen „müssen“ ?
    Da sollten mal die Besitzer der sog. Fußhupen heran gezogen werden, die alles und jeden zerfleischen möchten !
    Seit 30 Jahren besitze ich Listenhunde. Alle haben ihre Prüfungen bestanden. Meine Hunde weichen Gehweg rasenden Radlern aus, ignorieren keifende , unerzogene Tölen und Mama macht die Haufen weg.
    Ach ja, daß meine Hunde versichert, versteuert, gechippt und bei Tasso gemeldet sind versteht sich von selber.
    Das wäre doch mal was für die Behörden. Denn die meisten HH haben weder eine Versicherung ihrer unkontrollierten, freilaufenden Hunde noch zahlen diese Steuern.

    Pro Bezirk 2 Beamte? Ich lache mich schlapp. Dann müßten diese mindestens mit einem Fahrrad unterwegs sein, um den Bezirk zu kontrollieren.
    Deutschland und seine Gesetze . . . einfach nur peinlich.
    Wenn jeder eine Strafe von 500 € bezahlen müßte, weil die Haufen liegen bleiben, dann würde sich vielleicht auch mal was an Sauberkeit in dieser Stadt ändern.
    Aber immer nach dem Motto : sch . . . nach Osten, sch . . . nach Westen, sch . . . wie Dir es passt am besten.

    Das es Hundehasser gibt kann ich verstehen.

    • Elke du sprichst mir aus der Seele… bin ganz deiner Meinung!!! Klasse! Gerade im Bezug auf die unerzogenen „Fußhupen“!
      Ich müsste also mit meiner Dogge dann zu so einem Test bzw. den Hundeführerschein machen (kein Problem, den bestehen wir locker) aber im Zweifelsfall wird mein Hund von so einer unerzogenen Fußhupe angegriffe und währt sich im äußersten Fall. Wenn Pfiffi dann verletzt wird ist das Geschreie aber groß und Schuld ist dann sowieso immer der „böse“ große Hund….

  5. Ich weiß nicht, was man immer mit den Hunden hat. Autos sind viel gefährlicher! Besser man achtet mal auf die Fahrradfahrer auf den Gehwegen! Die klingeln einfach, dann erschrecken sich die Hund und bellen und man wird noch beschimpft! Offensichtlich gibt es ein Problem im Miteinander. Im Park kann ich meine Hunde auch nicht frei laufen lassen, weil die Fahrradfahrer durch die Gegend rasen und das für die Hunde zu gefährlich wäre. Komisch, aber die Hunde sind schuld.

  6. Ich habe beileibe nichts gegen Hunde, doch muss ich krankheitshalber aufpassen, dass niemand an mich hinkommt, und so bekomme ich nur zu oft „blöde Kommentare“ von Hundehaltern ab, was nicht nur lästig ist, sondern angesichts der Leinenpflicht bloß irgendeine „dumme“ Rechtfertigung, „dass ihr Hund sooo harmlos sei, und ich ja gar keinen Grund hätte, nur darauf zu achten, dass der Hund nicht auf mich losgeht“. Natürlich machen mir die ganz gut erzogenen-schnell wie der D-Zug-an-Einem-vorbei-Hunde nichts aus, doch minimale Anspannung und Aufmerksamkeit erfordern selbst diese. Andererseits ist es hier fast unmöglich, den Hund halbwegs artgerecht zu halten, da 0 Auslaufmöglichkeiten herrschen. Ich fände es auch besser, wenn wenigstens 1/4 der Parks zu Hundeparks deklariert würden, damit wenigstens in den übrigen die Menschen ohne Ruhestörung da sitzen können (Kläff, Kläff), nicht Erschrecken geht da gar nicht. Ja, und selbst Hunde werden von anderen Hunden angegriffen, warum nicht mal „zurückbäffen“, ich meine ich als Mensch, zum Mensch natürlich, nicht zum Hund, weil jener mich trotz ausweichenden Verhaltens, ganz ohne Worte oder unfreundliche Geste, noch als „hundefeindlich“, oder „angstkrank“ abstempelt, oder: „der tut nichts“, haha, woher will der Hundehalter denn wissen, ab wann der Hund mir etwas tut!! Autos äh Führerscheinbesitzer sind da um Längen besser erzogen, haben ja schließlich Vorfahrt.

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