Bayern: Steinbock attackierte Wanderer mit Hund am Watzmann

Alpensteinbock

Ein Ausflug auf den Watzmann in Bayern endete für einen Bergwanderer aus Salzburger am Sonntagnachmittag im Krankenhaus: Nachdem ein Steinbock den Hund des Mannes auf 2.600 Meter Höhe attackierte, versuchten beide, vor dem Tier zu flüchten. Der Salzburger zog sich dabei einen offenen Sprunggelenksbruch zu.

Die Bergung gestaltete sich laut ÖAMTC anfangs wegen ständig einfallendem Nebel und tiefen Wolken sehr schwierig. Bergretter hatten daher auch versucht, den Unfallort zu erreichen, brauchten aber schließlich nicht mehr eingreifen, da eine kurzzeitige Wolkenlücke die Bergung aus der Luft doch noch ermöglicht hatte. Ein extra herbeigeholter Hundeführer sorgte dafür, dass auch die vierjährige Hündin Layla des Verletzten geborgen werden konnte. Der verletzte Bergsteiger wurde ins Landeskrankenhaus Salzburg eingeliefert.

Nach einem Medienbericht stieg der 45-Jährige Wanderer Andreas K. mit seiner Hündin vom Gipfel ab, als er vom Steinbock angegriffen wurde. Dabei hat das Tier zuerst den Golden-Retriever-Mischling angegriffen und als diese zu Andreas K. gelaufen ist, hat der Steinbock sowohl Mensch als Hund aufs Korn genommen. Beim ersten Angriff kam der Wanderer noch davon, beim zweiten Mal wurde er von hinten mit den Hörnern weggestoßen. Als der Salzburger am Boden lag, ließ der Steinbock von ihm ab. Hündin Layla verkroch sich unter den Beinen des Wanderers – nach einer dreiviertel Stunde kam die ersehnte Hilfe in Form eines ÖAMTC-Hubschraubers. Bis dahin wurden die beiden vom Steinbock aus naher Entfernung beobachtet. Erst dann suchte der Steinbock das Weite.

Aktualisierung vom 6. August: In einer Aussendung appelliert der Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel  an Vernunft und Verständnis der Gäste und gibt Tipps für einen respektvollen Umgang mit Wildtieren, damit es nicht zu weiteren derartigen Zwischenfällen kommt.

Tipps zum Verhalten im Nationalpark Berchtesgaden: Hunde im Schutzgebiet ausnahmslos anleinen

Wir bedauern sehr, dass der Wanderer aus Salzburg zu Schaden gekommen ist und wünschen ihm auf diesem Wege eine gute und baldige Genesung. Steinböcke sind normalerweise harmlose Hochgebirgsbewohner, die einfach nur ihre Ruhe haben möchten und bei Annäherung durch Menschen das Weite suchen.

Es ist zum Beispiel in keinem Nationalpark weltweit erlaubt, Hunde frei laufen zu lassen. Dies dient nicht nur dem Schutz der Wildtiere vor den Hunden sondern vor allem andersrum.

Freilaufende Hunde, die von Wildtieren als potentielle Beutegreifer erkannt werden, können aus Gründen der Verteidigung durchaus angegriffen werden. Steinböcke werden im Nationalpark Berchtesgaden nicht bejagt, daher sind die Fluchtdistanzen der Tiere gering – was Wanderern tolle Naturerlebnisse und Fotos beschert. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sollten Hunde im Schutzgebiet ausnahmslos angeleint werden, damit sie sich den Wildtieren nicht nähern. Auch Wanderer sollen die Fluchtdistanzen der Wildtiere nicht unterschreiten, da dies zu unvorhersehbaren Reaktionen führen kann. In vielen Nationalparks, zum Beispiel in der Schweiz, sind Hunde laut Vogel generell nicht gestattet. Soweit soll es in Berchtesgaden nicht kommen. Die Anleinpflicht gilt dem Wohlergehen des Steinbocks.

Der Berchtesgaden Nationalparkleiter weiters:

Es ist mir bereits zu Ohren gekommen, dass gefordert wird, den vermeintlich gefährlichen Steinbock abzuschießen. Oft trägt leider der Mensch die Verantwortung, wenn Wildtiere getötet werden müssen. So zum Beispiel in Kanada und in den USA. Hier werden Bären von Besuchern angelockt, gefüttert und aus nächster Nähe fotografiert – bis ein Zwischenfall passiert und das Tier abgeschossen werden muss. Soweit soll es in Berchtesgaden nicht kommen. Daher mein Appell an alle Wanderer und Bergsteiger: Bitte leinen sie ihre Hunde an und bleiben sie auf den Wegen. Nähern Sie sich Wildtieren nicht. Schöne Fotos von den mächtigen Steinböcken kann man auch aus der Entfernung machen.

Foto: Symbolbild

1 Kommentar

  1. O.a. Beitrag hinsichtlich der Steinbockattacke am Watzmann hat mir sehr gut gefallen. Den Steinbock habe ich selbst vor ca. 6 Wochen am Watzmann kennen gelernt. Auch ich war mit meinem Hund, einem zweijährigen Boxer (angeleint) unterwegs. Der Bock stellte sich uns beim Aufstieg in einer Höhe von ca. 2400 Meter in den Weg. Jeder Versuch diesen in Richtung Hocheckgipfel zu umgehen schlug fehl, da der Bock sich uns immer wieder in den Weg stellte. Das Verhalten ist darauf zurückzuführen, dass der Steinbock einen jungen Artgenossen dabei hatte. Letztendlich wurde mir die Situation zu brenzlig (ca. zwei Meter Abstand zum Tier) und ich brach den Aufstieg ab…wie sich später herausstellte eine sehr gute Entscheidung. Es bleiben mir ein paar wunderbare Erinnerungen und gute Bilder vom stattlichen Tier.
    Auf das Hocheck bin ich eine Woche später, dieses Mal ohne Hund, aufgestiegen.

    Jedem sollte klar sein, dass er sich beim Wandern auf das Territorium o.g. Tieres begibt. Somit gelten andere Verhaltensregeln. Personen, welche den Abschuss des Tieres forderten, sollten diesbezüglich aufgeklärt werden.

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