Gründe für Aggressionen von Hunden auf Menschen (Teil 1)

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Im Wesentlichen geht es bei der Frage „Warum ist ein Hund aggressiv?“ um Einfluss und Kontrolle auf die Umwelt. Aggressionen sind eine von mehreren Möglichkeiten, in der Lebewesen auf die Umwelt natürlich Einfluss nehmen, die zum Überleben in vielen Fällen auch notwendig ist.

Gründe für Agressionen von Hunden

  • Weil Hunde jagen
  • Weil Hunde „Etwas“ fürchten, gegen das sich ihre Aggression richtet (Angst)
  • Weil Hunde durch vorherige Versuche scheitern, im Zusammenhang mit dem Auslöser ein bestimmtes Ziel zu erreichen (Angst/Wut)
  • Weil Hunde unangemessenes Spielverhalten zeigen oder
  • Weil Hunde an einer organischen Erkrankung leiden.

Wenn man Jagen, unangemessenes Spielverhalten und eine Erkrankung der Tiere ausschließen kann, gelten demnach als wahrscheinliche Auslöser für Aggression, die Gefühle von Angst oder Wut.

Wenn ein Hund vor „Etwas“ Angst hat, oder Angst hat, die Kontrolle über „Etwas“ zu verlieren,  hat er folgende Möglichkeiten:

  • Weglaufen
  • sich verteidigen
  • oder sich anfreunden und beschwichtigen.

Ob Hunde weglaufen oder bleiben und sich verteidigen, hängt von vielen Faktoren ab. Man muss aber verstehen, dass auch wenn ein Hund sich für das Bleiben und Kämpfen entschieden hat, es nicht unbedingt heißt, dass der Hund keine Angst hat.

Das Tier verfolgt auf jeden Fall ein Ziel: Möglichst viel Abstand zwischen sich und dem „Auslöser“ zu bringen.

In den allermeisten Fällen hat ein Hund vergeblich defensives Verteidigungsverhalten gezeigt, bevor er zum „Präventivschlag“ übergeht. Dies wird vom Menschen aber meistens nicht als solches erkannt. Der Hund hat vielleicht versucht sich zurückziehen, dies war aber nicht möglich. Vielleicht  hat er durch seine Körpersprache gezeigt, dass ihm die Situation Unbehagen bereitet, die Signale wurden jedoch nicht erkannt.
Oder er hat geknurrt und dies wurde ihm verboten. Und so geht es weiter und weiter.

Wut entsteht beim Hund üblicherweise durch Frustration, also aus gescheiterten Versuchen ein bestimmtes Ziel zu erreichen, eine Situation zu kontrollieren oder als Reaktion auf störende Geschehnisse. Zwischen Angst und Wut befindet sich oft nur eine dünne Trennschicht. Man kann schwer beurteilen ob das Gefühl Angst oder Wut hinter der betreffenden aggressiven Reaktion eines Hundes steht.

Jeder Hund ist anders. Manche Hunde reagieren rascher ängstlich, frustrierter oder wütend als andere. Das hängt entscheidend von folgenden Faktoren ab:

Warum reagiert mein Hund anders als der andere Hund?

Gründe dafür können sein:

  • Erbanlagen (Wurde diese Rasse speziell für ein bestimmtes Aufgabengebiet gezüchtet?)  – das Nervenkostüm des Hundes wird durch Zucht beeinflusst.
  • Den Umwelterfahrungen (Sozialisierung) und Umwelteinflüssen 
  • Frühere Negativerfahrungen mit dem „Auslöser“
  • Haltungsbedingungen (Stress kann die Reizschwelle für Angst oder Wut herabsetzen. Ein Hund der unter Stress steht, ist reizbarer und aggressiver)
  • Zuletzt spielen die „bisher gemachten Lernerfahrungen“, die der Hund im Zusammenhang mit dem Aggressionsverhalten machen konnte, eine entscheidende Rolle. Hatte sein Verhalten Erfolg? Konnte er sich abreagieren?

Wenn ein Hund aggressiv wird, kommt es zu einer Überflutung chemischer Stoffe in seinem Gehirn. Diese Stoffe dienen dazu, den Hund in Alarmbereitschaft zu versetzen. Viele dieser Stoffe vermitteln einem Hund angenehme Empfindungen, nach denen Hund regelrecht süchtig werden kann.

Das bedeutet: Jeder aggressive Zwischenfall stellt für einen Hund eine Belohnung dar, ohne dass ihr selbst etwas tun oder sagen müsst. Und das Aggressionsverhalten kann auch sehr schnell auf andere Situationen übertragen werden.

Dies soll  deutlich machen, wie wichtig es ist,  jegliche aggressiven Zwischenfälle zu vermeiden!

Welche Gründe auch immer hinter dem Aggressionsverhalten stehen. Ein Hund zeigt dieses Verhalten nicht, weil er in Hochstimmung ist oder einfach nur ungehorsam ist. Die Gefühle, die den Hund zu aggressivem Verhalten veranlassen, sind zunächst einmal für euren Hund nicht angenehm. Erst die Erfahrung mit Aggressionsverhalten kann für den Hund im Laufe der Zeit sehr selbst belohnend sein und sogar süchtig machen.

Hunde handeln sehr kurzsichtig. Auf kurze Sicht sind die Verhaltensweisen für den Hund notwendig und selbst belohnend. Auf lange Sicht bringen sie dem Hund aber nur permanenten Stress und wohl möglich die Euthanasie.

Ein Hundehalter weiß wahrscheinlich, welche Auslösereize bei seinem Hund zu einer aggressiven Reaktion führen. Es ist wichtig, dass solche Situationen keinesfalls absichtlich herbeiführt oder zugelassen werden. 

Autorin: Melanie Weber-Tilse

Artikelreihe “Aggressionen bei Hunden”

Teil 1: Gründe für Aggressionen von Hunden auf Menschen

Teil 2: Souveräne Führungsrolle bei der Hundeerziehung

Teil 3: Das Basisprogramm

Teil 4: Gehorsamstraining

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3 Kommentare

  1. hy!! ich habe eine frage, mein hund ist im allgemeinen sehr verträglich mit hunden, menschen, katzen usw.. ich habe nur ein problem, zeig ein anderer humd angst umd läuft weg, reagiert er aggressiv, er läuft knurrend nach bleibt der andere hund stehen, bleibt er in dominanter haltung, beginnt jedoch keinen streit. stürmt auf ihn ein hund zu, läuft er davon, insbesondere wenn ich meine anderen 2 Hunde nicht dabei habe. kommt sein verhalten von eigener unsicherheit? (dies vermute ich) wenn ja, was kann ich dagegen tun? er ist auf bgh2 niveau beim gehorsam( wenn man das so ausdrücken kann). er reagiert auch bei menschen auf angst, er geht nicht zu ihnene hin, bellt sie aber aus sicherer entfernung an.

    ich bitte um ein paar ratschläge, weil ich nicht weiter weiß.

    lg

  2. Hei, ich habe mal eine frage und zwar ist mein Labrador (Rüde) im allgemeinen ziemlich friedlich gegenüber Kindern und erwachsenen allerdings gibt es Momente wo er in der Wohnung irgendwo liegt (insbesondere auf seinem Platz) und man ihn zum Beispiel streichen möchte…darauf reagiert er meistens mit schnellen aufspringen,knurren, bellen und starken Aggressionen. Wenn wir mit ihm laufen gehen ist er zu ‚aggressiv’gegenüber Dingen die er nicht genau kennt(kinderwagen etc.) aber wenn er dann daran riechen kann ist er der liebste Hund der Welt. Wir wissen einfach nicht was wir machen sollen mit ihm ich hoffe sie können mir weiterhelfen.
    Danke im voraus
    lg

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