Hundezucht und Gene – Augen auf beim Hundekauf – Teil 2

Kleiner Hund
Welpe

Im zweiten Teil der Serie Augen auf beim Hundekauf geht es um die Gene bei der Hundezucht.

Unter Zucht versteht man die kontrollierte Fortpflanzung mit dem Ziel der genetischen Umformung. Dabei sollen gewünschte Eigenschaften verstärkt und ungewünschte Eigenschaften unterdrückt werden. Um die Ziele zu erreichen, werden zum Beispiel durch den Hundezüchter oder die Züchterin nach einer Leistungsprüfung eine Zuchtwertschätzung durchgeführt, um anschließend gezielt Individuen mit gewünschten Eigenschaften durch Selektion zu wählen und gezielt miteinander zu kreuzen oder zu verpaaren. (Quelle: Wikipedia)

Halten wir also fest: Zucht bedeutet die kontrollierte Fortpflanzung um etwas in der Genetik von Individuen zu verändern. Unerwünschte Eigenschaften sollen unterdrückt und gewünschte Eigenschaften verstärkt werden.

Was bedeutet dies für die Hundezucht?

Border Collie WelpeEin Züchter hat immer das Wohl der Hunderasse, die er züchtet, im Blick. Durch gezielte Verpaarungen möchte er bestimmte Eigenschaften verstärken, erhalten oder verdrängen. Geht die daraus folgende Generation wieder in die Zucht, kann der einzelne Züchter somit den Werdegang einer Rasse beeinflussen.

„Aber was hat das alles nun mit mir zu tun?“ wird sich an dieser Stelle der interessierte und potentielle Welpenkäufer fragen.

Der Welpenkäufer ist von diesem Umstand in vielfältige Art und Weise betroffen. Zu den gewünschten Eigenschaften zählen die Gesundheit, das Wesen, Triebveranlagung und das Aussehen.

Welpenkäufer sind natürlich froh, wenn sie einen gesunden Hund bekommen, der ihnen viele Jahre erhalten bleibt, ohne Einschränkungen und Schmerzen ertragen zu müssen. Auch wünscht sich sicherlich jeder einen wesensfesten Hund. Einen Hund, der nicht nervös, übersensibel, ängstlich oder gar aggressiv ist, wie der Hund im zweiten Beispiel.

Auch die Triebveranlagung ist wichtig. Man wird nicht viel Freude an einem Hund mit übermäßigem Jagdtrieb haben, wenn man diesen gar nicht wollte. Last but not least gefällt uns an unseren Rassehunden auch das Aussehen. Wer das besondere Aussehen der Dalmatiner schätzt, hätte sicherlich ein Problem damit, wenn sie plötzlich mit immer höherem Schwarz-Anteil gezüchtet und dadurch die charakteristischen Punkte verlieren würden.

Der Welpenkäufer ist also durchaus auch davon abhängig, dass die Züchter das Wohl der Hunderasse im Blick haben um sie zu erhalten.

Rassehunde sind doch alle krank – oder?

Mischlingshund und Rassehund auf grüner WieseDen Vorwurf, dass Rassehunde alle krank sind, hört man immer wieder. Er lässt sich gar nicht so leicht entkräften, da die Thematik sehr komplex ist. Tatsächlich haben Hunderassen mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Als die Reinzucht der Hunderassen anfing, fehlte den Hundezüchtern das Wissen um die Genetik. Die Zuchthunde wurden nach Aussehen und Leistung einfach verpaart, ohne zu wissen, dass es Erbkrankheiten gibt, die man den Hunden nicht ansehen kann.

Heute ist dies aber anders. Man weiß viel von Genetik, es wird viel geforscht, es gibt Gentests und man kann bei vielen Krankheiten den Erbgang erkennen und so wissen, welche Hunde nicht mehr in die Zucht dürfen. So können diese unerwünschten Eigenschaften nach und nach eliminiert werden. Auch Mischlingshunde sind nicht zwangsläufig gesünder. Tragen beide Elterntiere eine Erbkrankheit in sich, bekommt man keinen gesunden Hunde daraus. Sie werden auch nicht gesünder nur weil sie Mischlinge sind.

Im Gegensatz zu jemandem, der Mischlinge verpaart, hat der Rassehundezüchter einen entscheidenden Vorteil: Er weiß im Idealfall welche Krankheiten bei den Verpaarungen lauern können und kann darauf genau achten.

Exkurs in die Genetik

Die Krux bei den Erbkrankheiten ist die, dass man den betroffenen Tieren nicht ansieht, dass sie krank machende Gene vererben können. Nicht selten liest man die Aussage „die Elterntiere sind gesund“. Sicherlich ist dies wichtig, aber reicht dies wirklich? Es gibt verschiedene Erbgänge, bei denen krank machende Gene versteckt weiter gegeben werden, obwohl die Elterntiere tatsächlich absolut gesund sind. Die Krankheiten können so durchaus eine oder gar mehrere Generationen überspringen.

Manche Erbgänge sind noch gar nicht bekannt und es fehlt auch an genetischen Tests dafür. Ein bekanntes Beispiel ist die Epilepsie, bei der derzeit so vorgegangen wird, dass die Geschwister der betroffenen Tiere und deren Nachkommen aus der Zucht heraus genommen werden sollen. Ohne Stammbaum wäre diese Vorgehensweise nicht möglich, da kaum jemand wüsste, ob beispielsweise die Tante seines Hundes, diese Krankheit nun hatte oder nicht. Ein guter Züchter informiert sich und untersucht den Stammbaum auf so etwas.

All dies wird jemand, der „nur mal einen Wurf“ haben will, wohl kaum auf sich nehmen. Es fehlt diesem in der Regel auch die Möglichkeit dies überhaupt nachzuvollziehen, da die Vorfahren unbekannt sind und auch keine Gesundheitsnachweise vorliegen.

Autorin: Nina Dany

Bücher zum Thema Hundezucht und Genetik:

Teil 1: Woran guten Züchter erkennen? – Augen auf beim Hundekauf

Teil 2: Hundezucht und Gene – Augen auf beim Hundekauf

Teil 3: Hundezuchtvereine und Papiere – Augen auf beim Hundekauf

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