Der „Kampfhund“ und das Kleinkind

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Das Leben mit Hund und Kind hält doch so manche Überraschung bereit. Hat man dann auch noch ein Kind, das bei Spaziergängen noch auf den Buggy angewiesen ist und einen Hund, der den Buggy theoretisch mit Leichtigkeit schieben könnte, sind einem die Blicke der Mitmenschen sicher. Ob nun verwundert, erfreut oder entrüstet. Unser Sohn ist gerade 14 Monate alt, als wir eine besonders hervor zu hebende Begegnung hatten.

Seine erste Schlittenfahrt führt uns zu einem stark besuchten Spaziergebiet. Während unser Kleiner im Schnee spielt, werfe ich Bella immer mal wieder ein Leckerli zu, welches sie freudig in der weißen Pracht sucht. Wir halten kurz inne, als ein älteres Ehepaar uns passiert. Ich ignoriere ihre verkniffenen Gesichter und grüße freundlich „Hallo, guten Tag“. Zurück kommt ein grummelig gemurmeltes „Tach“. Auch als sie schon an uns vorbei sind, wenden sie sich immer mal wieder um und schütteln grimmig die Köpfe.

Mein Mann und ich vergessen die Begegnung schnell wieder, setzen unseren Sohn ein paar Minuten später in den Schlitten und machen uns auf den Weg zurück. Schon von Weitem entdecke ich das ältere Ehepaar wieder, dass sich gerade mit zwei Männern unterhält, die einen Schäferhund und einen Gordon Setter mit sich führen. Als sie uns entdecken, deuten sie auf uns und verabschieden sich dann schnell. Die Männer leinen ihre Hunde ab und kommen uns entgegen. Bella freut sich über die neuen Hundebekanntschaften und die drei beginnen nach anfänglichem Beschnuppern ausgelassen zu spielen. Wir begrüßen die Herren und beobachten unsere Hunde, die fröhlich durch den Schnee tollen. Auf einmal lacht einer der Männer auf und sagt „Ach, das ist der Kampfhund!“. Ich schaue ihn fragend an „Was?“.

Er schüttelt, immer noch lachend den Kopf. „Das Ehepaar vorhin hat uns vorgewarnt, dass jetzt eine junge Familie mit Kampfhund kommt“. Einen Moment bin ich sprachlos, dann fallen mein Mann und ich in das Lachen mit ein, während Bella die Beine des Mannes als Tunnel nutzt und dann wieder mit den anderen Hunden durch den Schnee rennt.

„Das ist ein Großer Schweizer Sennenhund“, stelle ich klar.

Eine Weile unterhalten wir uns noch mit den netten Herren, dann setzen wir unseren Weg fort. Schon ein paar Meter weiter begegnet uns eine Familie mit Kindern im Schlitten. Als die Eltern uns kommen sehen, heben sie die Kleinen aus den Schlitten auf den Arm und machen einen großen Bogen um uns herum. Dasselbe Bild bei einem Pärchen mit einem Pinscher an der Leine.

Ich schüttele frustriert den Kopf. Das ältere Ehepaar hinterlässt eine Spur aus Angst und Vorurteil. Ich hätte nicht übel Lust, los zu rennen, um sie einzuholen und zur Rede zu stellen.

„Die haben doch tatsächlich alle Leute vorgewarnt, dass wir mit unserer Bestie kommen“, rufe ich empört.

Mein Mann lacht grimmig auf „Nur weil sie schwarz ist. Diese Hunderassisten“.

Wo er Recht hat…

1 Kommentar

  1. dieses problem kennt wohl jeder halter von grösseren hunden. war selber schon mehrmals in ähnlichen situationen…

    cooler blog, weiter so!

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