Weltverbesserer in der virtuellen Welt

Tierschutz Facebook Twitter

Was sind wir doch alle moralisch. Wir lieben Tiere und wollen nicht, dass es Ihnen schlecht geht. Das ist jedoch nur die eine Seite von uns. Wir sind auf der anderen Seite aber auch furchtbar bequem. Um die Welt zu verbessern, muss man aufstehen, demonstrieren, sich engagieren, sich zusammen schließen und vor allem sein eigenes Leben überdenken. Das ist alles sehr anstrengend und aufwendig. Ganz zu schweigen davon, dass wir aus so manch moralischen Dilemma uns überhaupt nicht befreien können.

Tierschutz und die Rolle der sozialen Netzwerke

Gott sei Dank gibt es aber Facebook! Endlich haben wir die Möglichkeit, Inhalte mit unseren (mehr oder weniger engen) Freunden zu teilen. Endlich kann man all die Grausamkeit mit einem Mausklick in die Welt hinaus schreien. Vielleicht denkt ja jemand mal drüber nach. Vielleicht ändert ja jemand etwas. Vielleicht werden all die Ignoranten so aufgerüttelt und tun endlich etwas.

Und so werden fleißig Bilder über sämtliche Pinnwände der Freunde verteilt. Bilder von Hunden, die vergiftet in ihren eigenen Ausscheidungen liegen, mit Schaum vor dem Mund. Bilder von Schlachttieren denen das Fell abgezogen wurde. Bilder von Tieren die sich im Todeskampf befinden. Bilder deren Grausamkeiten wohl manch Tierliebhaber bis in die Nacht verfolgen.

Fehlende Rücksicht auf die Freunde

All diesen Dingen bin ich ausgeliefert. Selbst wenn ich mich schon engagiere und dagegen bin, dass so etwas geschieht, landet es auf meiner Pinnwand. Warum muss ich mir diese Bilder denn noch ansehen? Ich weiß doch dass da etwas Schlimmes geschieht! Es landet auch auf den Pinnwänden von Kindern und psychisch labilen Menschen. Müssen die sich solche Bilder ansehen? Mit welcher Begründung stellt man die eigene Klickwut über das Seelenheil anderer Menschen?

Wie einfach doch das Klicken und Teilen geht. Die Frage lautet, was tun diese Leute abseits des Internets gegen die herrschenden Zustände? Oder sollen dies doch bitte wieder die Anderen erledigen die ja nun hoffentlich geschockt genug sind? Und haben diese Leute überhaupt die moralischen Implikationen begriffen die solche Werthaltungen mit sich bringen?

Wir – die Weltverbesserer

Wenn unsere Moral doch nur so leicht wäre. Gerne schwingen wir uns zu den Weltverbesserern auf. Diejenigen die das Leid bekämpfen. Wir sind die Guten! Um die moralischen Implikationen aufzuzeigen, möchte ich aus aktuellem Anlass auf das vielfältige Teilen von Schlachtfotos von Osterlämmchen eingehen.

Die Implikationen unserer Moral: Die Osterlämmchen

OsterlammDiejenigen, die das Schlachten von Lämmchen furchtbar finden – essen die auch kein Lamm? Und was ist mit Hähnchen die nach 2-3 Monaten Mast geschlachtet werden? Was ist mit den Kälbern die oft genug in der Leberwurst oder im Schnitzel landen?

Nun könnte man sagen, dass man all diese Dinge nicht isst. Aber was ist dann mit den anderen Nutztieren? Schlachtbilder sind nie schön und egal wie man es macht: Es ist blutig. Ganz zu schweigen von den Qualen die die Tiere aus Massentierhaltung erdulden müssen. Ferkel die ohne Narkose kastriert werden, Rinder die dicht an dicht in Massenabfertigungen auf Gitterböden stehen, Küken die aufgrund des falschen Geschlechts direkt getötet werden.

Was ist die Alternative? Bio-Fleisch? Vegetarismus? Geht es denn den Milchkühen wirklich besser? Oder sollte man deswegen nun besser vegan leben? Und was ist mit uns Hundebesitzern – bekommen die Hunde nie ein Futter mit Lamm? Wer kauft die ganzen Lammbeine als Knabberspaß für die Hunde? Ist es etwa in Ordnung für unsere Tiere zu töten? Ist unser Hund mehr wert als ein Rind?

Das sind viele Fragen und viele Implikationen die so eine Werthaltung mit sich bringt. Es ist doch fraglich ob wirklich jeder der solche Bilder teilt, sich darüber Gedanken gemacht hat. Ein Klick ist auch sehr viel einfacher…

Die Implikationen unserer Moral: Die Hunde

Auch zu den Hundetötungen in der Ukraine wurden damals massig Bilder mit toten Hunden gepostet. Was bringen diese Bilder den Hunden dort in Not? Wer von uns hat denn einen alternativen Vorschlag? Die Rufe nach dem Bau von Tierheimen und Kastrationen ist immer gleich ganz groß. Nur wer baut diese Tierheime? Wer redet mit den Politikern um Kastrationsprogramme durchzuführen? Woher kommt denn das Geld dafür? Wie viele der Leute die diese Bilder teilen, engagieren sich wirklich derart? Und so schlimm das ist in der Ukraine –  auch in anderen Ländern wird getötet. Wie kann man da drüber hinweg sehen? Und was passiert mit den nicht getöteten Hunden? Die meisten landen in Tierheimen und werden doch oft genug niemals vermittelt. Es ist fraglich ob das ein lebenswertes Leben ist für die Hunde…

Ein Aufruf zum Handeln!

Moralische Fragen sind schwierig. Sie sind unangenehm und sie fordern zu einer der  Moral entsprechenden Handlungsweise auf. Handeln wir so nicht, sind wir doch wieder in einer Doppelmoral gefangen. Verurteilen auf der einen Seite und unterstützen auf der anderen Seite. Dies kann nicht die Lösung sein! So ein Klick ist bequem. Er ist schnell gemacht und man muss noch nicht einmal aufstehen. Wie praktisch!

Wir brauchen keine schockierenden Bilder auf Facebook. Wir brauchen Leute die etwas wirklich tun! Wir brauchen Menschen die ihre eigene Lebensweise kritisch hinterfragen und ihrer Moral entsprechend handeln! Dann, aber auch nur dann, haben wir eventuell doch die Chance die Welt ein klein wenig zu verbessern.

Diskussion gefällig?

Wie seht ihr das? Habt ihr selber schon einmal solche Bilder geteilt und findet das gut so? Oder gehört ihr zu den Leidgeplagten die diese Bilder permanent mit ansehen müssen? Was tut ihr um die Welt zu verbessern und welche moralischen Ansprüche erhebt ihr an euch selber? Diskutiert mit uns im Forum, auf unserer Facebook-Seite oder kommentiert was die Tasten her geben.

Eure sehr nachdenkliche Nina Dany

3 Kommentare

  1. Ganz eurer Meinung!!!

    Mich „nerven“ die vielen grausigen Bilder auf FB auch schon. Nicht, weil mir die armen Tiere nicht leid tun, sondern weil ich eh weiß was ab geht, und weil das eben auch leider viele Kinder sehen. In vielen Social Communitys ist das posten von Gewalt, Nacktheit etc. (wo meiner Meinung nach auch solch schreckliche Fotos dazuzählen,) verboten. Und trotzdem werden sie Tag für Tag geteilt… Z.T. von Erwachsenen, die selbst Kinder haben!!!!

    Ich hab bei einem geteilten Link dann einmal kommentiert, dass das eben nicht sein müsse, dass man die ganze Zeit solch schreckliche Fotos postet, eben aus oben genannten Gründen. Da hab ich mir dann ganz schön was anhören können :( Meine Meinung ist da überhaupt nicht verstanden worden. Ich finds schön, dass ihr aber so denkt, denn genau das tue ich auch!

    Bzgl. der Ukrain-Debatte. Ich hab mich damals auch in FB stark gemacht. Ich hab die schlimmen Bilder zwar nicht sonderlich geteilt, aber ich hab diese Schreiben, an die Sponsoren großzügig weitergeleitet, dass man so ein Land nicht unterstützen könne, dass nur wegen der WM so ein Massaker veranstaltet. Das bringt sich meiner Meinung nach auch ein wenig mehr!

    Ja ihr habt Recht, man sollte anfangen vor der eigenen Haustür zu kehren, bevor man sowas teilt und postet! Ich weiß aber auch, dass man nicht immer die Zeit dazu hat sich wofür zu engagieren!! Abgesehen davon, gibt es bereits so viele Organisationen und Vereine, dass man, wie ich finde, schön langsam den Überblick verliert :/ Nichts desto trotz ist es natürlich vorbildhaft, wenn es viele Organisationen gibt, die sich für das Wohl der Tiere einsetzt! Ich leiste meinen Beitrag als Studentin, indem ich Futter (dass ich meist bei Veranstaltungen geschenkt bekomme) an das Tierheim spende. Die haben definitiv mehr davon!!!

  2. Ich bin nicht bei FB ich habe mein eigenes kleines Hundeforum wo sich nette Menschen austauschen, das reicht mir.

    Diese Plattform habe ich genutzt um Sachspenden für ein Tierheim in Kroatien zu sammeln.

    Als ich vor 2 Jahren nach Kroatien in den Urlaub fuhr erkundigte ich mich bei dem dortigen Tierheim was sie benötigen.

    So fuhren wir mit einer großen Dachbox voll mit Sachspenden: Decken, Handtücher, Hundebetten, Medikamente, Futter, Welpenaufzuchtsmilch, etc. los und leisteten vor Ort Hilfe.

    Die meisten der Hunde, die ich dort fotografiert habe, hatten nach meinem 14 tägigen Urlaub ein Zuhause im eigenen Land gefunden.

    Ich selber haben schon einigen, meist alten Hunden, hier in Deutschland aus Tierheimen einen schönen Lebensabend bereitet.

    Es bringt nichts Dinge zu dramatisieren, entweder ich schaue aus Selbstschutz weg oder ich handle.

  3. Liebe Nina, das eine muss das andere nicht ausschließen. Eher unterstütz das Medium das Umdenken der Menschen – und manche fühlen sich danach aufgefordert zu handeln. Denken wir mal daran, was wäre, wenn solche Bilder und Videos nicht geteilt würden: Das Elend würde ignoriert oder erst gar nicht bekannt sein. Hilft uns das? Ich glaube nicht.

    Das Aufdecken der Grausamkeiten, dank engagierter Tierfreunde, hat mich dazu gebracht, mein eigenes Leben und meine Essgewohnheiten zu überdenken. Ich bin dankbar darum und spende daher für Organisationen, die Tiere retten und Menschen aufklären. Mit Adoptionen von älteren Katzen aus dem Tierheim, leiste ich meine (kleinen) Beiträge zum Tierschutz.

    Und wenn es Menschen gibt, die die Grausamkeiten teilen, heißt das noch lange nicht, dass sie sich nicht engagieren. Ich schaue mir die Bilder und Videos auch nicht gerne an, doch bin ich trotzdem dankbar darum, wenn auf das Elend aufmerksam gemacht wird – denn nur wenn diese Dinge in unser Bewusstsein kommen, kann die Gesellschaft handeln und auch politisch Druck ausüben.

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