Zu Tode gezüchtet: Französische Bulldogge nach langem Leidensweg verstorben

French Bully Connor

Die Krankenakte liest sich wie aus einem Gruselfilm, die Tierarzt-Rechnungen betragen den Wert eines Kleinwagens: Als Michaela S. aus Wien im Sommer 2012 einen Französische Bulldogge-Welpen von einer vermeintlich seriösen inländischen Zucht kaufte, ahnte sie nicht, dass damit ein acht Jahre währender Leidensweg beginnen würde.

Sein Aussehen wurde Hund Connor – wie so vielen anderen Tieren aus sogenannten Qualzüchtungen – zum Verhängnis: Nach fünf schweren Operationen und unzähligen Behandlungen beim Tierarzt musste Connor im März dieses Jahres eingeschläfert werden.

Connors Frauli hat uns die tragische Geschichte ihres kleinen Lieblings erzählt, um andere Menschen und vor allem Hunde vor diesem Schicksal zu bewahren.

so Eva Persy, Leiterin der Tierschutzombudsstelle Wien (TOW).

Obwohl Qualzucht in Österreich verboten ist, werden jedes Jahr Hunderte dieser Tiere verkauft

Der kleine Mops mit dem platten Schnauzerl, die Englische Bulldogge mit den knautschigen Falten, der Mini-Chihuahua mit den großen Kulleraugen – sie alle teilen dasselbe Schicksal: Für ihre besondere Optik zahlen sie einen hohen Preis. Ihr vermeintlich niedliches Aussehen ist das Ergebnis einer sogenannten Qualzucht.

Als Qualzucht wird das bewusste Verpaaren zweier Tiere mit ganz bestimmten Merkmalen bezeichnet, deren Nachkommen aufgrund der Ausprägung dieser Merkmale Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst erleiden werden.

In Wien hat sich die Anzahl der gemeldeten Französischen Bulldoggen von 2012 bis 2020 fast verdreifacht, von 513 auf 1.320 Tiere.

Französische Bulldogge Connor: 15.000 Euro plus Schmerz und Leid

„Frenchie“-Liebhaberin Michaela S. wusste um die Gesundheitsprobleme bei Französischen Bulldoggen – und wollte daher auf Nummer sicher gehen.

Wir wussten, dass unser Welpe mit Papieren ausgestattet sein soll, denn man will ja einen gesunden Bully aus kontrollierter Zucht und keinen miesen Vermehrer unterstützen.

French Bully Connor
French Bully Connor

erinnert sie sich. Somit stand fest, dass es ein Welpe von einem seriösen Züchter aus dem einschlägigen Zuchtclub für Französische Bulldoggen sein sollte. Nach eineinhalb Jahren ließ Familie S. „bloß zur Sicherheit und zu unserer eigenen Beruhigung“ ein Röntgen und eine anschließende Computertomographie bei Connor machen: Hierbei werden diverse Probleme an Bandscheiben und Wirbelsäule sichtbar. Zudem ist nach dem CT klar: Connors Atmung wird aufgrund seiner anatomischen Gegebenheiten immer schlechter werden.

Familie S. beschließt, Connor von den HNO-ExpertInnen in der Kleintierklinik der Uni Leipzig operieren zu lassen. „Wir bekamen unseren Schatz mit richtigen Nasenlöchern und so leise atmend wie nie zuvor zurück“, erinnert sich Michaela S. Nach der „Reparatur“ von Connors Atmungsapparat können auch die anderen notwendigen Eingriffe an Bandscheiben und Wirbelsäule stattfinden. Vorher waren diese aufgrund der schlechten Atmung der kleinen Bulldogge zu riskant gewesen. Obwohl die Operationen sehr schwer sind, erholt der leidgeprüfte Vierbeiner sich gut, steht immer wieder auf, kämpft weiter – bis ihn im Frühjahr 2020 ein bösartiger Tumor in der Milz ein letztes Mal in die Knie zwingt. Am 20. März wird der kleine Connor erlöst. Mehr als 15.000 Euro Behandlungskosten sowie unzählige Tränen und schlaflose Nächte hat Familie S. zu diesem Zeitpunkt hinter sich.

Qualzucht: Richtlinien und Aufklärungsarbeit notwendig

Connors Leidensweg ist typisch für solche Qualzucht-Hunde. Doch zu wenigen Menschen ist das bewusst. Die Nachfrage nach Rassen mit speziellen Merkmalen, die in Wahrheit Symptome von schweren Krankheiten sind, ist leider noch immer hoch.

so Eva Persy, Wiener Tierschutzombudsfrau. Um Qualzucht einzudämmen und das bestehende Verbot durchzusetzen, müssen zum einen vom für Tierschutz zuständigen Sozialministerium klare Richtlinien vorgelegt werden, damit sowohl Zuchtvereine als auch Kontrollbehörden wissen, welche Bestimmungen bei der Zucht einzuhalten sind. Zum anderen muss das Bewusstsein in der Gesellschaft für das Leid, das hinter diesen Rassen steckt, geschärft werden.

Solange drollige Möpse oder haarlose Katzen unkommentiert als Instagram-, Film- oder Werbestars durch die Öffentlichkeit getrieben werden, kann niemandem verübelt werden, dass solche Erscheinungen als „normal“ angesehen werden.

so Persy.

Foto: Tierschutzombudsstelle Wien

2 Kommentare

  1. Guten Tag
    Ich bin jedes mal wütend und entsetzt über solche Meldungen,die ständig unter den Teppich gekehrt werden (Tiere sind zwar Luxus, aber keine Gegenstände, sondern LEBEWESEN!)
    Als (leider) ehemalige Hundebesitzerin verabscheue ich generell diese Hundemafiamethoden wegen Profitgier. Solche Leute sind einfach nur erbärmlich!
    Freundliche Grüße
    E.Schmidt

  2. Ich kann überhaupt nicht verstehen, wie sich Menschen für eine solche Rasse entscheiden, die so gar nichts mehr von einem Hund hat!
    Stell dir vor, die Nase wurde weggezüchtet, um ein goldiges „Babyface“ zu erhalten. Ist es das Wert dafür, dass der Hund sein Leben lang kaum Luft bekommt? Viele Halter, die ich mit dieser Rasse treffen Lachen sogar noch über das „niedliche Grunzen“. Das ist quasi so, wie wenn Menschen ihr Hauptsinn Sehen weggezüchtet würde!
    Das Tierschutzgesetz dürfte meines Erachtens an dieser Stelle deutlicher durchgreifen!

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