Wenn der Abschied naht

Hanni, Foto: Andreas
Abschied nehmen von seinem Hund

Wenn der Hund älter wird, geht das oftmals mit Erkrankungen einher. Hier und da zippt oder drückt es, das Sehvermögen lässt nach und möglicherweise ist er etwas durcheinander. Wie auch bei uns Menschen kann also auch ein Hund seine Zipperlein haben. Aber auch andere schwerwiegende Erkrankungen können unserem Hund im Alter das Leben schwer machen. Der letzte Lebensabschnitt hat begonnen und auch die Zeit, in der wir uns mit dem Abschiednehmen auseinander setzen müssen.

Wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, wann der richtige Zeitpunkt erreicht ist und uns auch mit der Frage beschäftigen, ob wir richtig handeln. Vermutlich wird die Mehrheit der Hunde nicht normal dahinscheiden, sondern müssen fachmännisch von einem Tierarzt erlöst werden – ein Grund sich einmal näher mit diesen Thema zu beschäftigen.

Die Tücken des Alltags

Je älter unser Hund wird, desto mehr müssen wir uns auf die bevorstehenden Veränderungen einlassen. Ausgedehnte Spaziergänge oder gar „Action“ wird unser Hund nicht mehr so wegstecken. Besonders heiße Tage oder nasskaltes Wetter können unserem Hund Probleme bereiten. Möglicherweise benötigt er gar ein Mäntelchen. Sein Sehvermögen und auch sein Hörvermögen können nachlassen, damit einhergehend auch sein Reaktionsvermögen. Der über die letzten Jahre hinweg zuverlässig gewordene Hund benötigt jetzt beinahe die gleiche Aufmerksamkeit, wie sie einst als junger Hund erforderlich war.

Im Haus kann ihm das Treppensteigen schwerer fallen, das Aufstehen mag nicht mehr so klappen und er wird mehr liegen und nicht mehr so sehr aktiv sein. Wenn er seine Problemchen hat, sollten wir dies berücksichtigen und ihm auch die erforderliche Zeit geben. Möglicherwiese macht ihm auch der Kreislauf zu schaffen, so dass er, wenn er mal zu schnell hoch geht, sich gleich wieder setzt oder gar umfällt.

Es gibt einfach eine Anzahl kleiner Dinge die wir beachten sollten, um ihm den Alltag angenehmer zu gestalten, wie zum Beispiel dass der Durchgang zum Wassernapf nicht mit Stühlen oder anderen Dingen verstellt ist, die unser Hund des Nachts nicht mehr gut sieht. Wenn er schlecht läuft, müssen wir auch schauen, dass er nicht ausrutschen kann. Die meisten Dinge ergeben sich faktisch von alleine, da wir ja eigentlich sehen wo „Unfallgefahr“ besteht.

 Verantwortung übernehmen

Älter werden bedeutet auch eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten und Infektionen. Wir müssen berücksichtigen, dass ein Eingriff mit höheren Risiken verbunden sein kann; nicht nur das generelle Risiko einer Narkose betreffend, sondern noch riskanter ausfallen kann, wenn das Herz nicht mehr so fit ist. Ebenso kann es auch zu Komplikationen in der Wundheilung kommen. Es gilt also genau abzuwägen, was notwendig ist oder nicht unbedingt sein müsste. Ob dem Hund ein Eingriff noch zuzumuten ist, sollte genau überlegt werden. Bei unseren Überlegungen sollte stets der Hund im Vordergrund stehen mit der Zielsetzung ihm das Leben noch so angenehm wie möglich zu gestalten. Je nach Form der Erkrankung wird auch ein Tierarzt zu einer Therapie tendieren die eher ein möglichst schmerzfreies Leben ermöglicht als ihm unnötigen Risiken einer Operation zuzumuten, dem womöglich noch ein längerer Leidensweg anhaftet.

Unsere Aufgabe ist es nun unseren Hund genau zu beobachten, zu schauen ob er mit der täglichen Dosis an Schmerzmitteln gut über die Runden kommt, ob es Nebenwirkungen gibt, die ihm zu schaffen machen oder ob seine Lebensqualität nicht schon sehr darunter leidet.

Und was ist mit uns? Ein älterer und kranker Hund kann eine große Herausforderung sein, und nicht nur finanziell sondern auch physisch und psychisch zu einer großen Belastung werden. Unabhängig wie sehr wir unseren Hund doch lieben, sollten wir aber auch an uns und unsere Familie denken. Der Grat zwischen Hingabe und dem Nicht-loslassen-können ist ein sehr schmaler und wir sollten hier stets im Auge behalten, dass Lebensqualität und ein würdevolles dahinscheiden mehr wiegt, als das künstliche Herauszögern eines „natürlichen Laufes“.

Die Praxis weicht leider dennoch, egal wie fest wir es uns vorgenommen haben, von der Theorie ab. Wir sehen immer wieder mal Bestätigung dafür, dass es unserem Hund ja eigentlich doch noch besser geht. Weil er vielleicht an einem Tag mal gut drauf war, oder weil er immer noch ordentlich frisst. Nur das Fressen ist alleine noch kein Hinweis darauf, ob es unseren Hund wirklich noch gut geht. Wir müssen hier einfach versuchen so objektiv wie möglich zu bleiben. Ein gewissenhafter Tierarzt wird uns auch hier in die richtige Bahn bringen.

Der Abschied

Irgendwann wird der Tag da sein, an dem unser Hund das letzte Mal seine Augen schließen wird. Vom Tierarzt wird er zuerst eine Narkose erhalten. Die Zeit bis er in Narkose ist, ist die letzte Gelegenheit sich noch einmal richtig von ihm zu verabschieden. Man wird uns die Möglichkeit geben unseren Hund beizustehen ihn zu beruhigen und bei ihm zu bleiben bis er eingeschlafen ist. Wir sollten uns die Zeit nehmen, Abschied zu nehmen aber auch Tränen sind erlaubt. Ja, man darf trauern und man darf auch Gefühle zeigen. Nachdem wir uns verabschiedet haben, wird er noch eine weitere Spritze erhalten, die den endgültigen Tod herbeiführt. Es steht uns frei, den Raum vorher zu verlassen.

Autor: Andreas Cornelius

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