Hyperaktivität beim Hund: Trockenfutter als Auslöser

Hund ignorieren
Hund ignorieren - Foto: Hilde Kasprzik

Es gibt aktive und weniger aktive Hunde. Wer aber einmal einen hyperaktiven Hund erlebt hat, kann ein Lied davon singen, so wie wir, als unsere Großpudelhündin Paula mit ca. 15 Monaten eine Allergie gegen ihr Trockenfutter und zu viel Protein (Eiweiß) entwickelt hatte.

Sie war wie wild und nicht mehr zu beruhigen. Sie lief ständig unruhig hin und her, hechelte oft, kratzte sich, jagte ihren Schwanz, suchte ununterbrochen nach Papier oder Pappe, die sie zerfetzen konnte. Selbst ihre Schlafdecke und die Bücher im Regal waren nicht mehr sicher. Auch nachts kam sie nicht zur Ruhe, bellte immer wieder aufgeschreckt.

Am schlimmsten war ihr Verhalten beim Spaziergang. Sie tobte hin und her, zog und sprang in alle Richtungen. Grelle Farben bei Autos wurden verbellt,  und wenn uns jemand entgegenkam, wurde er angesprungen und wütend angebellt. Ging irgendwo auf dem Spaziergang eine Haustür auf oder es gab ein anderes Geräusch, erschrak Paula ganz furchtbar und sprang wie wild umher. Erziehungsversuche aller Art schlugen fehl. Dabei war sie bis dahin ein „pflegeleichter“ Hund gewesen. Wir hatten keinerlei Schwierigkeiten mit ihr gehabt.

Es dauerte gut drei Monate, bis wir schließlich entdeckten, was es mit Paulas Verhalten auf sich hatte. Nach diversen Tierarztbesuchen und einer Leberpunktion in der Tierärztlichen Hochschule Hannover war das Ergebnis, dass Paulas Leberwerte nach Aufnahme von zu viel Eiweiß nicht in Ordnung waren.

Mit einer eiweißarmen Diät ohne Getreide und mit sehr viel Geduld, die uns leider immer wieder fehlte, bekamen wir die Sache dann doch schließlich in den Griff. Allerdings hörten die Verhaltensprobleme nicht von heute auf morgen auf. Vieles war inzwischen richtig „eingefahren“ und musste wieder abgewöhnt werden. Unsere Unsicherheit trug natürlich nicht dazu bei, dass das alles ohne Schwierigkeiten ablief.

Zusammenhang zwischen Hundefutter und Verhalten

Paula hat von Anfang an Trockenfutter bekommen. Wir hatten uns die Mühe gemacht, das beste herauszufinden. Wir fanden eins, das bei Stiftung Warentest mit sehr gut bewertet worden war und hatten ein gutes Gewissen.

Wir wussten nicht, dass industriell gefertigtes Futter fast immer zu einem großen Teil aus Getreide, wie Mais oder Weizen, besteht. Als unbedarfter Neuhundehalter denkt man doch, dass Trockenfutter zum größten Teil aus Trockenfleisch besteht, aber weit gefehlt. Woraus es außer Getreide noch besteht (sog. tierische und pflanzliche Nebenerzeugnisse), möchte ich hier gar nicht so genau aufschreiben, damit dem Leser nicht schlecht wird.

Wir fütterten Paula von Anfang an, d. h. schon mit 8 Wochen, mit diesem Teufelszeug.  Sie hatte oft Blähungen und öfter mal Durchfall. Wir dachten, das gäbe sich wieder. Aber das tat es nicht. Wie kam es nur? Unser Futter war doch von Stiftung Warentest als sehr gut getestet. Alle Vitamine waren zugesetzt. Das Calcium-Phosphor-Verhältnis stimmte und es hatte einen hohen Proteingehalt, was wir für gut hielten, denn unser Hund sollte ja schließlich wachsen und gedeihen. Nur dass kein Fleisch im Futter war.

Aber das muss man ja nicht schreiben. Ein bisschen Eiweiß ist auch im Getreide. Aber der größte Anteil sind Kohlehydrate. Der Mensch kann diese in seinem Müsli gut vertragen. Nur können das leider viele Hunde nicht. Beim Menschen findet die Vorverdauung bereits durch das Zerkauen und Einspeicheln im Mund statt und setzt sich dann im Darm fort. Beim Hund dagegen beginnt die Verdauung der Kohlehydrate erst im Dünndarm. Die Nahrung wird nicht vollständig verdaut und beginnt zu gären. Blähungen und Durchfall sind die Folge. (In der Natur sichert sich der Wolf seinen Bedarf an Kohlehydraten aus dem Magen-Darm-Trakt seines Beutetiers – dieses hat für den Wolf die Aufschlüsselung bereits übernommen.)

Trockenfutter – Tierische Nebenerzeugnisse

Der Hauptanteil an Protein in diesem Trockenfutter stammt aus den „tierischen Nebenerzeugnissen“. Dieses Eiweiß ist aber minderwertig, d. h. ohne wertvolle Aminosäuren, in etwa so wie die Sohle eines Lederschuhs oder die beliebten Kauknochen, die auch zu 100 Prozent aus Protein bestehen, welches aber für den Hund nicht verwertbar ist.

Bei der Verwertung von Protein spielt nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität und die Zusammensetzung der Aminosäuren eine Rolle. Bei Knochen beträgt der Anteil an verwertbarem Eiweiß z. B. 33 %, Fleisch kann bis zu 98 % enthalten.

Aminosäuren haben viele unterschiedliche lebenswichtige Aufgaben, die ich hier nicht alle aufzählen kann. Es war aber äußerst interessant für mich zu erfahren, dass bestimmte Aminosäuren die Leber bei der Entgiftung unterstützen . Sie sorgen für einen gesunden Schlaf und Ausgeglichenheit in Stresssituationen, und sie verbessern die Konzentrationsfähigkeit.

Zu viel Protein kann für den Hund schädlich sein. Es belastet die Leber, denn die muss das giftige Ammoniak, das im Darm bei der Eiweißverdauung entsteht, abbauen und in Harnstoff umwandeln, der dann über die Niere ausgeschieden wird. Ist sie überfordert, gelangt das Ammoniak in den Blutkreislauf und somit auch ins Gehirn und bewirkt u. a. die Verhaltensänderungen. Wenn es sich dabei noch um wertloses Protein handelt, ist auch die körperliche Gesundheit des Hundes gefährdet.

Wer etwas über den Zusammenhang von schlechtem Trockenfutter und Verhaltensauffälligkeiten erfahren will, sollte das Buch „Hilfe, mein Hund ist unerziehbar!“ von Dr. med. vet. Vera Biber  lesen.

Nun ist nicht jedes Trockenfutter schlecht. Wir haben inzwischen eins gefunden, was genau richtig für Paula ist. Es ist ohne Getreide, hat einen nicht allzu hohen Eiweißgehalt und ist ohne tierische und pflanzliche Nebenerzeugnisse. Wir beziehen es bei Bestes Futter.

Hundefutter Zusammensetzung:

Fleischanteil: 75 %  (Ente, Truthahn, Lachs, Wildbret, Kaninchen), Banane, Rübenfruchtfleisch, Bierhefe, Alfalfa, ganzer Leinsamen, Sonnenblumenöl, Ei, Lachsöl, Seealgen, Glucosamin, Chondroitin, MSM, FOS, Karotten, Apfel, Kräutermischung: ( Thymian, Majoran, Oregano, Petersilie, Salbei) Yea-Sacc, Cats Claw, Jiaogulan, Kräutermischung: ( Ringelblume, Löwenzahn, Spirulina, Sellerie, Mariendiestel, Bockshornklee, Minze, Anissamen, Grapefrucht), Nesselblätter, Hagebutte, grüner Tee, Yucca Extrakt, L-carnitine

Vitamin A 20.000 IE/kg, Vitamin D3 2.000 IE/kg, Vitamin E 300 IE/kg

Analytische Bestandteile:

Rohprotein 22%, Rohfett 15%, Rohfaser 2,5%, Rohasche 8%

Autorin/Foto: Hilde Kasprzik

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8 Kommentare

  1. Toller Artikel!

    Ich habe mich mit dem Thema auch viel beschäftigt, weil meine Hündin sehr aufgedreht war. Da sie als Boxer-Dobermann-Mix sowieso sehr temperamentvoll ist, war die zusätzliche Erregung nicht mehr lustig.

    Zuerst habe ich dann auf Trockenfutter mit wenig Protein umgestellt, fand aber irgendwie, dass das Problem damit nur halb gelöst ist.

    Nun barfe ich und alle Probleme sind weg. Ja, sie ist noch sehr aktiv, aber sie ist nicht mehr so aufgedreht aktiv, sondern einfach lebensfroh aktiv. Ich würde immer wieder umstellen!

    • Hallo Susanne,
      den Begriff „lebensfroh aktiv“ finde ich sehr schön. Genauso würde ich Paula auch beschreiben.
      Mit Barfen habe ich es übrigens auch versucht. Ich habe mich ausführlich damit beschäftigt. Es hat aber leider bei Paula keine Besserung gebracht. Die einzelnen Mahlzeiten sind zum Teil doch sehr eiweißhaltig. Ca. eineinhalb bis zwei Stunden danach drehte sie richtig auf.
      Deshalb hieß es weitersuchen nach einem sehr guten Trockenfutter. Das hatte noch den zusätzlichen Vorteil, dass ich es auch unterwegs als Leckerlis geben konnte. Und davon brauchte ich viele zur Ablenkung und als Belohnung für gutes Verhalten.

  2. Bitte verrate Sie mir welches Trockenfutter Sie jetzt für Paula nehmen.
    Ich habe einen hyperaktiven Westhighland Terrier und drehe bald selber durch :-)

    • Bitte verraten Sie uns unbedingt, welches Futter Sie benutzen.
      So wie Ihre Paula war, so ist unser Hund schon seit Monaten und keine Futterumstellung hat bislang etwas gebracht, sodass wir bereits einen Hundepsychologen zu rate ziehen wollen.

  3. Ich bezweifele ja ehrlich gesagt, dass es dauerhaften Erfolg bringt, lediglich von einem Trockenfutter zum anderen zu wechseln. Nur trockene braune Kügelchen zu füttern, halte ich sowieso für alles andere als gesund. Man kann es mal als Leckerli geben, aber doch nicht tagtäglich ausschließlich das ganze Hundeleben lang. Wie furchtbar ist das für den armen Vierbeiner, wenn er sich Tag für Tag nur trocken Kügelchen reinwürgen muss?

    Barfen heißt nicht zwangsläufig, dass man sehr eiweißhaltig füttern muss. Man kann die Mahlzeiten mit viel Gemüse und Obst ergänzen und dadurch den Eiweißgehalt reduzieren.

    Gleiches gilt auch für hochwertiges Nassfutter…

  4. Hallo, wir haben bei unserem Pablo einem fünf Monate alten Tibetterrier das gleiche Problem. Er hat bei der Züchterin ein Welpen Trockenfutter mit sehr hohem Protein Gehalt (39%) bekommen welches wir dann weiter gefüttert haben. Er stand ständig unter Strom, sprang herum wie ein Verrückter,biß uns in Hände, Beine usw. Riss Löcher in die Kleidung und zerstörte seine wie auch unsere Dinge in den Räumen wo er sein durfte.
    Er rannte den ganzen Tag fast ohne eine Ruhepause durch das Haus, hechelt kontinuierlich und drehte komplett ab. Seit wir das Futter umgestellt haben auf einen Protein Gehalt von 22% und auch alle Kauartikel mit Fleisch weglassen ist er deutlich ruhiger und kommt selbst wenn er aufgeregt ist, schneller wieder runter. Er schläft jetzt tagsüber viel mehr und bellt auch nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit. Ich hoffe, er macht da noch mehr Fortschritte da wir sein negatives Verhalten jetzt wieder abstellen müssen was er sich vorher angeeignet hat.

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