Heinrich Stahl – Musher und Züchter von German Trailhounds im Interview

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Seit 1983 ist Heinrich Stahl aktiver Schlittenhundesportler und konnte bereits einige Erfolge erzielen. Seine Vita umfasst nicht nur einige deutsche Meistertitel, auch Europa Champion und World Champion finden wir in der beachtlichen Erfolgsliste wieder. Erfolgreiche Hundesportler sind auf gute Hunde und ihre Zucht angewiesen. Was macht den Erfolg? Wie züchtet man leistungsstarke Hunde? Der 1953 geborene Heinrich Stahl aus Bad Camberg in Hessen stand uns für ein Interview zur Verfügung.

Planet Hund: Wie bist du damals auf den Schlittenhundesport gekommen? Ohne den richtigen Partner an der Seite geht es oft nicht, hat deine Frau die Begeisterung von Anfang an teilen können?

Heinrich Stahl: Wie die Jungfrau zum Kind, kamen wir zum Hund. Wir wollten nur einen Hund, welcher für den alpinen Bereich geeignet sein sollte, da wir begeisterte Ski-Plus-Fahrer waren. Man erzählte mir vor über 30 Jahren, dass nur ein Nordischer dies aushalten könne; welches sich im Nachhinein als fataler Irrtum herausstellte.

Hätte man sich damals einen Dobermann gekauft, wäre das Thema sei über 20 Jahren abgehandelt worden. Ich säße auf Hawaii und hätte eine Surfschule und wäre mittlerweile in Rente ;) Vielleicht.

Wer keinen Partner hat, welcher dies alles mitträgt, ohne wenn und aber, wird Schiffbruch erleiden bevor das gedankliche Schiff vom Stapel gelaufen ist. Meine Partnerin hält mir seit über 30 Jahren in allen Bereichen des täglichen Lebens den Rücken frei. Am Anfang wollte sie keine Hunde, da sie Angst vor Hunden hat. Die Angst vor den eigenen Hunden hat sich schnell verloren, die Angst vor fremden Hunden ist geblieben.

Planet Hund: Wann und warum kam die Idee die Zucht zum „German Trailhound“ auf die Beine zu stellen? Genügten die vorhandenen Rassen nicht den Ansprüchen? Welchen Anforderungen muss ein gutes Gespann gerecht werden?

Heinrich Stahl: Letztendlich rutschte ich durch meinen ersten Nodischen in die Schlittenhundeszene. Von 1984 bis 1991 kaufte ich Hunde aller Couleurs (Alaskan Huskys, Pointer, Deutsch Kurzhaar, Greysteher) und testete sie auf Eignung. Danach sagte ich mir, das muss in der Gesamtheit besser werden und fing selbst an zu züchten.

German Trailhounds
Heinrich Stahl mit seinen German Trailhounds

Ein Wort zur Zucht

Zucht ist immer eine Mängelverwaltung. Hochleistungszucht ist allerdings gleichzeitig in letzter Konsequenz eine Philosophiefrage. Die Worthülse “das Ziel ist der Weg“ ist in diesem Falle äußerst treffend, gleichzeitig recht desillusionierend. Erfolg hat viele Väter. Ein wesentlicher ist einfach der Wille, das Durchhaltevermögen mit Können; welcher gleichzieht mit Geld und Zeit und vielen Entbehrungen aller Art.

Ein einfacher Weg leistungsstarke Hunde zu züchten wäre; man bleibt in der F3 Generation stehen. Beim nächsten Schritt – über Generationen Leistung zu erzielen – wird es deutlich schwieriger, wobei der einfache Weg schon vielen verschlossen bleibt. (Anmerkung der Redaktion: Das F steht für Filialgeneration und beschreibt die Generation an Nachkommen auf Basis der Elterngeneration.)

Der German Trailhound

Kommen wir zu den Zuchteckpfeilern beim German Trailhound.

  • Erster Eckpfeiler ist der Biotonustest, der mit jedem Hund (den Welpen) von der 4 bis 12 Woche jeden Tag absolviert wird. Dort wird eine Vorselektion des Genotyps vorgenommen; eine Vorauswahl der möglichen Deckpartner. Denn phänotypisches kann der Hund, nur in ganz geringen Prozentsätzen (Epigenetik) vererben.
  • Zweiter Eckpfeiler : Die Beobachtung des Hundes. Wie steht er 365 Tage im Jahr, jeweils im Verhältnis zu einer Gruppe(z.B. keine Übersprunghandlungen bei Reizen), im Zwinger.
  • Dritter Eckpfeiler : Trainierbarkeit ! Überdistanztraining/-zeit muss möglich sein. Dennoch kommt der Hund in seine Vitalität und Aggressivität zurück – somit kein Memory-Effekt.
  • Vierter Eckpfeiler: Das Rennen in der offenen Klasse. Der entscheidende letzte Prüfstein. Hier müssen die angedachten Zuchthunde beweisen, dass sie konkurrenzfähig sein können.

Somit kann ein German Trailhound nur im OLIGOpol (Anmerkung der Redaktion: Nur wenige große Zuchtstätten sollten die Nachfrage befriedigen) gezüchtet werden. Es wird wenige Menschen geben, welche wirklich die Zeit und die Muse haben, diese Dinge nicht nur befriedigend, sondern mit absoluter Hingabe zu bewerkstelligen! All diese Dinge benötigt man – nach meiner Ansicht – um ein ordentlich funktionierendes Gespann auf die Beine zu stellen.

Planet Hund: Wenn man sich den Stammbaum deiner Zucht anschaut wird man feststellen, dass einige Rassen vertreten sind, hinter denen man jetzt nicht einen Zughund vermuten würde. Welche Gründe gab es den Deutsch Kurzhaar und Pointer in den German Trail Hound einfließen zu lassen?

Heinrich Stahl: Ein Trugschluss, welches uns die Medien vorgaukeln ist, dass nordische Rassen für den Schlittenhundesport geeignet wären. Dies ist leider eine Trugschlussfalle, in dem der Laie geistig gefangen bleibt.  Deutsch Kurzhaar, Pointer sind/waren Katalysatoren für eine gute Zucht! Deutsch Kurzhaar verhält sich zu Pointer, wie Feuer zu Wasser. Es sind zwei verschieden charakterliche Hunde.

German Trailhound vor dem Einsatz
Warten auf den Einsatz

Ende der 80ziger Jahre flossen diese in den landläufig bekannten Alaskan Husky ein, welcher aus Amerika zu uns kam. Der Alaskan Husky ist/war der Racing- Sleddog (Anmerkung der Redaktion: Renn- Schlittenhund), welcher damals in Alaska eingesetzt wurde/wird. Der romantische Irrglaube, es wäre der Sibirian Husky, irrt immer noch in den Köpfen der interessierten Laien einher.

Mittlerweile fährt in Amerika die obere Rennspitze mit Hunden, welche sich aus einer Mischung aus Vogelhunden/Hetzhunden und Alaskan Huskys zusammensetzen.  Je nach Prozentual und Philosophie der einzelnen Züchter sowie dem Anforderungsprofil SP/MD/LD (Anmerkung der Redaktion: Gemeint sind die einzelnen Klassen – Sprint, Middle Distance , Long Distance), tendiert der Hund dann phänotypisch mehr in Richtung Alaskan, Laufhund/ Vogelhund oder Hetzhund.

Der Name German Trailhound verkörpert eine Philosophie und ist gleichzeitig eine Standortbestimmung, damit derjenige weiß, woher der Hund kommt.

Planet Hund: Eine gute Leistungszucht benötigt Dynamic, damit Fehlentwicklungen entgegengewirkt und veränderten Anforderungen berücksichtigt werden können. Wird die klassische Leistungszucht durch ihre fest definierten Zuchtordnungen diesen Ansprüchen deiner Meinung nach noch gerecht?

Heinrich Stahl: Richtig, auch der German Trailhound hat für die Allgemeinheit einen Standard, damit der politischen Korrektheit genüge getan wurde! Nur, wer sich dran festbeißt, wird Schiffbruch erleiden, wenn er anfängt nach diesem zu züchten! Der Umkehrschluss wird wohl den Schluss zulassen, dass die klassische Leistungszucht mit ihrer fest definierten Zuchtordnungen in einem sinkenden Schiff sitzt…

Tatsächliche Zucht ist wie ein reißender Fluss. Will man sie begradigen, sie in fest definierte Zuchtordnungen zwingen, wird sie eines Tages alles überfluten und mächtig Schaden anrichten.

Planet Hund: Bei klar definierten Zuchtzielen gab es sicher auch mal den einen oder anderen Rückschlag. Gab es mal einen Punkt in deinem Weg, an dem du am liebsten das Handtuch geworfen hättest?

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Ein schöner Anblick – die Meute folgt Heinrich Stahl auf Schritt und Tritt

Heinrich Stahl: Jeden Tag könnte ich das Handtuch werfen. Aber was soll ich machen. Ich mache den Job, weil ich ihn kann.  Du gehst in den Generationen nach vorne und stellst dann fest, dass zwei  Generationen zurück, die Leistungsbereitschaft 3% besser war. Ein Beispiel: Du bist drei Minuten pro Lauf nach 30 km hinter der europäischen Spitze mit der aktuellen Generation ( für den Laien: Das sind ca. 6 Sek./ km, wenn alles andere 100% passte). Diese Möglichkeiten kommen vor, wenn man den besagten goldenen Wurf, welcher hervorragend in der Leistung war, nicht wiederholt.

Leider musste ich dies auch in diesen Bereichen lernen. Das eine tun, das andere nicht lassen. Somit wird diese eine Verpaarung immer wieder wiederholt und begleitend in der Zukunft mit anderen Würfen getätigt, welche Generationen-orientiert sind, bis diese Generationen nachweislich besser sind, als der besagte goldene Wurf. Recht bitter und desillusionierend, aber leider ist dies so.

Planet Hund: Nach nun 30 Jahren Sport und Zucht, gibt es Rückblickend etwas was du am liebsten anders gemacht hättest?

Heinrich Stahl: Ja sicher! Eigentlich hätte man in der F3 stehen bleiben sollen, und alles in der 8 Hundeklasse plattbügeln. Nur da hätte ich mich zu Tode gesiegt und wäre auch schon lang nicht mehr dabei in diesem „Zirkus“ . Ich wollte in die offene Klasse, welche ohne Hundelimitierung arbeitet, denn Limitierungen haben wir leider in dieser Welt genug.  Im Übrigen, wenn ich gewusst hätte, dass Zucht so schwierig ist, hätte ich es nicht angefasst.

Einer, der noch keine zehn Würfe in Folge machte und die Hunde im Stamm hochzog, hat noch nicht wirklich gezüchtet. Es ist ein Trugschluss, dass man züchtet wenn man immer die gleiche Hündin belegt.

Zum Abschluss :

1000send Ideen sind gut, eine zu verwirklichen ist besser. Somit bleibe ich bei den Dingen, ich wiederhole mich: WEIL ICH ES KANN!

Darf noch kurz auf meine HP verweisen www.sleddogfreakservice.de

Planet Hund und ich bedanken sich für dieses Interview!

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