Lernen durch Verknüpfung (Assoziation) – Motivation bei Hunden

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Mira Assoziation

Woran denkt ihr, wenn ihr das Wort „Blitz“ hört?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit habt ihr dabei auch an Donner und Gewitter gedacht, oder? Das war eine Assoziation, eine Verknüpfung. Unter Assoziationslernen versteht man also ein Lernen über Verknüpfungen von zeitlich nahe aufeinander folgenden Ereignissen.

Hunde sind Meister der Assoziation

Hunde sind wahre Meister der Assoziation. Da sie viele Bereiche aber völlig anders wahrnehmen als wir Menschen, leben wir sozusagen in verschiedenen Welten. Das macht es uns häufig schwer zu erkennen, welche Dinge im Gehirn des Hundes miteinander verknüpft werden.

Eine Situation, die für uns ganz klar ist, kann aus Sicht des Hundes völlig anders aussehen. „Der Trainer bestraft, aus seiner Sicht, seinen Hund für Verhalten XY( zum Beispiel mit einem harten Leinenruck dafür, dass er wie doll an der Leine zieht, da er noch kein Training zur Leinenführigkeit erfahren hat). Der Hund fühlt den Schmerz am Hals während er gerade ein vorbeilaufendes Kind sieht. So schnell und unbemerkt können durch ungewollte Verknüpfungen Konflikte (in diesem Beispiel eine Aggression gegen Kinder oder Angst vorm Besitzer in Gegenwart von Kindern) entstehen.

In diesem Zusammenhang wird nun deutlich, warum der Lernumgebung soviel Bedeutung beigemessen werden sollte. Während des Trainings werden sich nahezu alle vorhanden Umstände in das Gehirn des Hundes auf irgendeine Art und Weise mit verknüpfen.

In einer ablenkungsfreien Umgebung ist die Aufmerksamkeit des Hundes mehr „auf seinen Menschen gerichtet“. Das heißt der Hund ist mehr bei der Sache, muss weniger korrigiert werden, die Hörzeichen müssen nicht mehrmals wiederholt werden. So werden unbemerkte und unerwünschte Nebenverknüpfungen reduziert und das Training verläuft effektiver.

Ebenso lernen Menschen und Hunde auch bestimmte „Reize“ zu ignorieren, die keine Bedeutung haben oder mit unangenehmen Konsequenzen verbunden sind. Wird der junge Hund gerufen während er schnüffelt oder mit anderen Hunden in ein Spiel vertieft ist, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass er tatsächlich kommen wird. Er hört den Ruf wahrscheinlich wirklich nicht. Auf den „Reiz“ ( Signal – Rufen ) erfolgt nicht das erwünschte Verhalten (Herankommen des Hundes). Geschieht dies wiederholt, wird das Rufen des Trainers immer bedeutungsloser für den Hund. Die Verknüpfung die hergestellt werden sollte, nämlich das Herankommen, kann nicht stattfinden, im Gegenteil es wird eine Verknüpfung: Rufen = Bedeutungslos, hergestellt.

Oder: Es wird der Fehler begangen, den Befehl Komm anzuwenden, bevor er überhaupt etabliert ist. Dieses zu frühe Einsetzen des Befehls dient eigentlich dem Endkonditionieren und untergräbt zukünftige Versuche beim Training. Ein ganz typisches Szenario: Der Besitzer ruft den Hund, belohnt dann nicht, sondern leint ihn an. Unbeabsichtigt leitet er unangenehme Konsequenzen für das Kommen ein.

Wichtig: Der Name des Hundes und das Wort „Komm“ sind zu Beginn des Trainings „Heilige Äußerungen“. Bei diesen Worten sollte zu Anfang des Trainings nie etwas folgen, was der Hund nicht mag (z. B. anleinen, Ende der Freiheit oder bürsten), ohne ihn vorher ausgiebig für das Kommen belohnt zu haben.

Zuverlässiger Gehorsam beim Hund erreichen

Für einen recht zuverlässigen Gehorsam des Hundes ist es daher unabdingbar, dass die Signale (Hör- und Sichtzeichen) des Menschen vom Hund mit dem gewünschten Verhalten

  1. assoziiert werden, aber  auch,
  2. dass sie eine möglichst hohe Bedeutung für den Hund erlangen.

 

Wie kann erreicht werden, dass der Gehorsam eine hohe Bedeutung für den Hund erhält?

1. Zum Beispiel durch begehrte Belohnungen, wie Futter, Spiele und freundliche Zuwendung für richtiges Verhalten. Dabei ist es außerordentlich wichtig, dass die Belohnung auch vom Hund als Belohnung empfunden wird. Es nützt nichts, dass ihr zwar der Meinung seid, die Belohnung (zum Beispiel Frolic) sei doch toll, euer Hund aber zum Beispiel für Käse eine besondere Vorliebe hat oder für ein Spiel mit dem Ball alles gibt. Gut ist es auch, wenn man sich unmittelbar selbst ins Spiel bringen kann (zum Beispiel durch gemeinsames Laufen und Herumtoben). Eine Form der Belohnung ist es durchaus auch, einfach die eigene Freude über eine gute Leistung des Hundes durch Stimme und Bewegung auszudrücken, falls der Hund dafür empfänglich ist und sich von der freudigen Stimmung „anstecken“ lässt.

Die Art der Belohnung hat einen beträchtlichen Einfluss auf die Motivation des Hundes, lernen zu wollen. Ohne Motivation kann kein Lernen stattfinden, weder beim Hund noch bei uns Menschen.

Ein Training unter hoher Motivation (zum Beispiel wegen der heißgeliebten Käsehappen) im Zusammenspiel mit den dabei angenehmen inneren Empfindungen (positiven Emotionen) des Hundes bewirken nach einigen Trainingserfahrungen eine hohe Arbeits- und Leistungsbereitschaft beim Hund und wirken sich somit positiv auf das Lerntempo aus.

2. Die Übungssituation sollte so gestaltet werden, dass der Hund mit hoher Wahrscheinlichkeit das gewünschte Verhalten zeigen wird. (Wenn ihr ruft, solltet ihr 50 Euro verwetten können, dass der Hund auch kommt). Wenn ihr euch nicht sicher seid, dann ruft bitte nicht sondern holt den Hund ab.

3. Damit der Hund durch Verknüpfung, Ursache (zum Beispiel kommen auf Ruf) und Wirkung (zum Beispiel Belohnung durch Ballspiel) erlernen kann, muss beides zeitlich eng zusammenfallen. Beim Training sollten daher Ursache und Wirkung nicht länger als maximal eine Sekunde aufeinander folgen, damit der Hund beides optimal miteinander verknüpfen kann.

Faktoren, die die Motivation beeinflussen:

Was einen Hund motiviert: Alles, was ihn auch ablenkt. Futter. Spiel. Streicheln und Zuwendung (wenn er das mag). Sozialkontakt, gemeinsames Tun. Ein stark instinktiv verankertes Verhalten ausführen zu dürfen. Ein gut gekonntes und häufig belohntes Verhalten ausführen zu dürfen. Alles, wonach den Hund im Moment verlangt, weil er es schon eine Weile nicht mehr haben konnte. Erfolg. Rückmeldung über Erfolg. Erinnerung an frühere Erfolge und die dabei empfundenen positiven Gefühle. Ein angemessenes Anspruchniveau. Ein Element der „angenehmen“ Überraschung und Abwechslung. Das Gefühl, die Situation unter Kontrolle zu haben.

Was einen Hund demotiviert: Angst. Stress. Alles, was er satt hat, weil er gerade mehr als genug davon gehabt hat (mehr als genug davon tun konnte). Fortgesetzt ignoriert zu werden. Eine unlösbar erscheinende Aufgabe. Misserfolg. Mangelnde Rückmeldung über Erfolg der eigenen Bemühungen. Erinnerung an frühere Misserfolge. Das Gefühl der Situation ausgeliefert zu sein. Langeweile durch allzu große Vorhersehbarkeit. Überforderung.

Autorin: Melanie Weber-Tilse

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