Warum kein Welpenverkauf im Zoofachgeschäft – Die Hintergründe

Gegen Welpenverkauf im Zoofachgeschäft

Das Thema Keine Welpen im Zoofachhandel kaufen war Anfang dieses Jahres brandaktuell. Damals prophezeiten wir, dass dieses Thema sicher noch eine lange Zeit aktuell bleibt. Und genau das ist, zum Ende des Jahres hin, auch der Fall.

Auf vielen Seiten liest man davon. Hier und da findet man auch Informationen, warum man keine Welpen auf diesem Weg verkaufen oder kaufen sollte.

Meist findet man hetzerische Kampagnen, Beleidigungen und sogar Drohungen, die aber keinem potentiellen Welpenkäufer weiterhelfen. Ich persönlich bin gegen solche reißerischen Informationen, da es teilweise den Tierschutz in einem schlechten Licht dastehen lässt.

Deswegen möchten wir lieber auf Aufklärung und Fakten setzen.

Wichtige Sozialisierungsphase beim Welpen

Kleiner Hund
Welpe

Der Hund ist ein komplexes Lebewesen, nicht zu vergleichen mit einem Fisch oder einem Hamster (wobei ich generell gegen den Verkauf von Tieren in Zoofachgeschäften bin).

Bei einem Welpen beginnt mit der 8. Lebenswoche die so genannte Sozialisierungsphase, welche nur bis zur 12. Lebenswoche geht. Ab dann beginnt bis zur 18. Lebenswoche die Umweltsozialisation.

Wie man sieht, ist das Zeitfenster, in der der Welpe mit der „Welt“ auf positive und sensible Weise bekannt gemacht werden muss, damit er zu einem „angepassten“ Hund heranwächst, nur kurz geöffnet.

Normalerweise erhält man einen Welpen bereits ab der 8. Woche vom Züchter und kann somit die kurze Zeit nutzen, um den Welpen viele Dinge des Alltags kennenlernen zu lassen. Damit aus dem Welpen ein umweltsicherer Hund wird, sollte er von Anfang an auch mit jeder Art von Umwelteinflüssen konfrontiert werden, denen er wahrscheinlich auch später begegnen wird.

Nicht nur der direkte und positive Kontakt zu anderen Menschen und Tieren ist dabei wichtig. Auch Gegenstände, wie zum Beispiel Staubsauger, Schirme, Autos, Fahrräder etc. gehören auf den „Lehrplan“. Damit der Welpe Selbstvertrauen entwickeln kann, muss dem Hund eine anregende und stimulierende, aber gleichzeitig stabile und verlässliche Umgebung geboten werden.

Der Hundeprofi Martin Rütter hat es in einem Interview treffend formuliert:

Die Hunde werden aufgrund der schlechten Sozialisation usw. Langzeitschäden davontragen. Ich kann Ihnen versichern, wenn diese Tiere erstmals in die Innenstadt kommen, dann ist das so, als wenn man einen Neandertaler nach New York schickt. Das zeigt sich bei den Hunden dann auch in körperlichen Symptomen wie Hauterkrankungen oder Magen-Darm-Problemen.

Geht der junge Hund nun aber den Weg über den Zoofachhandel, geht wertvolle Zeit der Sozialisierungsphase verloren. Eine Woche sitzt der kleine Hund in der Quarantäne und hat somit keinerlei Reize von außen. Danach, wenn er Pech hat, darf er noch 1 – 3 Wochen im Verkaufsraum verbringen. In dieser ganzen Zeit hat er keine feste Bezugsperson, die ihm die Dinge zeigt, die er später kennen sollte und weder ängstlich noch aggressiv gegenüber treten sollte.

Somit kann es passieren, dass der Welpenkäufer durch das Verpassen dieser wichtigen Zeit (schlechte oder fehlende Erfahrungen und Erinnerungen mit etwas ganz Bestimmten, bleiben ein Hundelben lang bestehen), einen ängstlichen oder aggressiven Hund hat, der so nicht von der Umwelt akzeptiert wird und es zu Problemen kommt. Niemand möchte einen Hund, der bei allem die Rute einzieht und sich am liebsten nur zu Hause verkriecht. Aber auch keinen Hund, der für sich die Strategie „Angriff“ entschieden hat, um sich unbekannte Dinge vom Leib zu halten.

Dies hat zur Folge, dass man Geld und Zeit für das Training mit dem Hund investieren muss, schlimmstenfalls landet er im Tierheim, die eh schon am überlaufen sind, weil man mit den Verhaltensauffälligkeiten nicht zurecht kommt.

Verhalten zwischen Welpen

Zwei Rassewelpen beim Spiel
Welpen Verhalten

Der nächste Punkt ist das Verhalten der Welpen untereinander. Normalerweise wäre die Mutterhündin dabei (wenn die Welpen länger beim Züchter bleiben), um jeglichen Streit unter den Kleinen zu regeln und dazwischen zu gehen.

Ist der Welpe bei uns und ich besuche eine Welpenstunde, so ist es meine Aufgabe meinen Welpen vor Übergriffen zu schützen, ihn aber auch davon abzuhalten, selbst andere Welpen zu mobben.

Im Zoofachgeschäft kann das dortige Personal nicht rund um die Uhr darauf achten (von 22 – 6 Uhr ist sogar keiner da) und so können in einem Gerangel nicht nur Verletzungen entstehen, sondern es kann schon der Grundstein für Verhaltensstörungen gelegt werden.

Da es aber wichtig ist, dass der Hund gegenüber Artgenossen aufgeschlossen und freundlich bleibt, beziehungsweise auf Konflikte angemessen reagiert, sollten solche Gerangel (die schnell aus einem Spiel heraus entstehen), immer sofort unterbunden werden. Dies kann aber nur möglich sein, wenn man immer die Tiere im Auge behält, um schnell einzuschreiten.

Sterile Verhältnisse – Keine ideale Umgebung für Welpen

Wer aufmerksam die ganzen Berichte gesehen hat, dem ist auch aufgefallen, dass das Personal vor jedem Betreten der Welpengehege sich desinfiziert und spezielle Kleidung überzieht. Ich frage mich hier, warum muss das sein? Was passiert, wenn ein Welpe dort 3 Wochen unter diesen sterilen Bedingungen gelebt hat und nun zu mir in den Haushalt kommt? Das Immunsystem muss nun mit einem Schlag mit allen Keimen, Bakterien und Viren zurecht kommen und es kann passieren, dass gerade dann der Kleine krank wird, weil das Immunsystem nicht richtig aufgebaut ist!

Züchter? Oder eher Welpen-Produktion?

Überall liest man, dass Zoo Zajac seine Welpen von Züchtern bezieht. Auf Wikpedia steht zum Thema Zucht:

Unter Zucht versteht man die kontrollierte Fortpflanzung mit dem Ziel der genetischen Umformung. Dabei sollen gewünschte Eigenschaften verstärkt und ungewünschte Eigenschaften unterdrückt werden. Um die Ziele zu erreichen, wird durch den Züchter oder die Züchterin zum Beispiel nach einer Leistungsprüfung eine Zuchtwertschätzung durchgeführt, um dann gezielt Individuen mit gewünschten Eigenschaften durch Selektion zu wählen und miteinander zu kreuzen oder zu verpaaren.

Lieber Welpen vom geprüften Züchter
Lieber Welpen vom geprüften Züchter

Der VDH sagte eindeutig, dass keiner seiner angeschlossenen Züchter, Welpen an Zoo Zajac verkaufen darf. Deswegen sind die bei Zoo Zajac zu kaufenden Welpen, von keinem offiziellen und geprüften Züchter.

Durch das Fehlen dieser Kontrollstrukturen, können Erberkrankungen bei Tieren vorhanden sein, weil nicht auf die „Kompatibilität“ der Elterntiere geachtet wurde, oder ob es Gendefekte bei den Vorfahren gab. 

Auch Vermehrern, die sonst nur zu gerne ihre Welpen aus dem Kofferraum heraus verkaufen, wird hier eine ganz neue Plattform geboten, da ganze Würfe aufgekauft werden und nicht mehr nur Einzeltiere. Diese Situation macht es für Tierschützer noch schwerer, illegalen Kofferraum-Handel einzudämmen. Ich möchte hier noch einmal ganz klar und deutlich sagen: Die Welpen kommen von keinen offiziellen und geprüften Züchtern!

Sind Welpen im Zoofachgeschäft Schnäppchen?

Schnäppchen sind diese Welpen nun wirklich nicht. Zu solchen Preisen bekommt man Welpen vom geprüften Züchter. Warum also den nicht zu empfehlenden Zwischenweg über den Zoofachhandel gehen? Und wenn es kein Welpe vom Züchter sein muss, so sind diese im Tierheim um ein vielfaches günstiger und man trägt noch dazu bei, dass die Tierheime entlastet werden.

Sehr gut zum Thema passt auch das Youtube Video von TASSO-Talk:

Autoren: Melanie Weber-Tilse / Christian Glösl

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