Ach du dicker Hund! Über- und Untergewicht bei BARF

Barf, Foto: Melanie
Loki lässt ich die Mahlzeit schmecken

Gewichtsprobleme beim Hund können verschiedene Ursachen haben, wenn der Vierbeiner „gebarft“ wird. Generell hat jeder Hund einen gewissen Grundumsatz, also einen Bedarf an Kalorien, der abhängig von Größe, Alter, Rasse und Aktivität ist. Wird dieser in der Ernährung mit BARF unterschritten, nimmt der Hund ab. Wird er überschritten, nimmt der Hund zu.

Nimmt der Hund plötzlich ab oder zu kann dies also an zu viel oder zu wenigen Kalorien liegen. Es kann aber auch gesundheitliche Ursachen haben. Ältere Tiere die Schmerzen im Bewegungsapparat haben, nehmen schnell zu, da sie sich nicht mehr so viel bewegen. Auch können andere Erkrankungen vorliegen wie zum Beispiel eine Schilddrüsenfehlfunktion, die ebenfalls zum Unter- und Übergewicht führen kann. Der erste Weg sollte dementsprechend zum Tierarzt führen, um solche Erkrankungen auszuschließen und gegebenenfalls zu behandeln. Auch eine Diät bei extrem starken Über- oder Untergewicht sollte begleitet durch einen Tierarzt erfolgen.

Wenn der Hund tiermedizinisch abgeklärt wurde, kann die Anpassung der Ernährung erfolgen.

Was tun bei Untergewicht

Bei einem untergewichtigen Hund sieht man deutlich die Rippen und kann die Höcker des Beckens deutlich fühlen oder sogar sehen. Achtung – dies ist selbstverständlich abhängig von der Rasse. Ein Windhund hat eine ganz andere Figur als ein Bernhardiner. Wenn man sich nicht sicher ist, ob der Hund zu dünn ist, sollte man einen Tierarzt dazu befragen.

Viele Hunde sind in der Wachstumsphase zeitweise deutlich zu dünn. Dies ist dem Wachstum geschuldet und sollte nicht überbewertet werden. Je nach Rasse benötigt ein Hund bis zu 3 Jahre um vollständig ausgewachsen zu sein. Besonders größere Hunde sollten währenddessen nicht zu dick werden. Selbstverständlich muss man die Ernährung anpassen, aber ein „dick füttern“ auf Teufel komm raus, ist nicht zielführend. Ähnlich wie ein schlaksiger Jugendlicher, sehen Hunde zeitweise einfach „unpassend“ aus.

Durch Sport und ein mehr an Bewegung erhöht sich der Grundumsatz des Hundes. Auch hier kann es zu einem ungewollten Abnehmen kommen. Ebenfalls erhöht sich der Bedarf des Hundes im Fellwechsel und kann auch je nach Jahreszeit schwanken.

Zuerst sollte man sich die Rationsberechnung ansehen. Wenn man mit 2% füttert mit einem Fleischanteil von 80%, und der Hund nimmt ab, sollte man mehr füttern und stattdessen zum Beispiel mit 3% rechnen.

Danach ist es sinnvoll nachzusehen was man genau füttert. Hier liegt ein häufiger Fehler beim BARFen, da viele viel zu mageres Fleisch füttern. Generell sollte der Fettgehalt der Rationen bei 20-25% liegen (zum Zunehmen darf es auch mal etwas mehr Fett sein). Fleisch am Stück sollte mit Fett durchzogen sein. Bei gewolftem Fleisch lohnt sich der Blick auf die Verpackung oder man fragt beim Verkäufer nach. Ist der Fettgehalt zu niedrig sollte man Fett zufüttern. Reines Fett und Talg bekommt man im gut sortierten Handel. Auch Hühnerhaut und Euter (aufgrund der Milchreste nur für gelegentliches Füttern geeignet) sind gut als Beigabe geeignet, um den Hund zu „päppeln“. Im Notfall kann man auch auf Schmalz zurückgreifen. Da dieser erhitzt wurde, muss man auch kein Aujeszky fürchten. Bei der Zugabe von Fett sollte man jedoch mit kleinen Mengen beginnen und diese langsam steigern, da sonst schnell Durchfall droht.

Fleischstücke vom Reh BARF
BARF mit mageren Fleischstücken

Bei manchen Hunden hilft es auch stärkehaltige Nahrungsmittel zu verfüttern wie gekochte Kartoffeln. Auch Pseudogetreide wie Amaranth kann gute Dienste leisten. Aufgrund der unterschiedlichen Verdauungszeiten sollte man dies aber zeitlich getrennt von der Rohfleischkost anbieten.

Hat der Hund sein Idealgewicht erreicht, sollte man die „Extragaben“ jedoch wieder weg lassen oder gegebenenfalls die Ration wieder neu berechnen. Natürlich nicht auf das Maß mit dem der Hund zuvor abgenommen hat. Tut man dies nicht folgt schnell das nächste Problem.

Was tun bei Übergewicht

Bei einem normalgewichtigen Hund sollten die Rippen durch leichten Druck fühlbar sein. Auch sollte eine rasse- bzw- typgerechte Bauchlinie zu erkennen sein. Wie bereits angesprochen gibt es Rasseunterschiede und bei Unsicherheiten sollte man seinen Tierarzt dazu befragen.

Oft nehmen Hunde im Alter zu oder nach einer Kastration, da der Grundumsatz niedriger wird und dies nicht bei der Fütterung bedacht wird. Wie beim Menschen auch kann Übergewicht durch Nascherei entstehen. Fettige Wurst, kalorienreiche Leckerchen, Kauartikel wie Schweineohren und so weiter – werden all diese Sünden bei der Fütterung nicht berücksichtigt, kommt es schnell zu einer Gewichtszunahme.

Auch die Idee dass der Hund „satt sein müsste“ führt schnell zu Übergewicht. Wölfe jagen und erlegen ihre Beute um dann so viel zu fressen wie sie können. Danach kann es tagelang nichts mehr geben, weil die Beutetiere nicht vorhanden sind oder die Jagd fehlschlägt. Möglichst auf einmal sehr viel fressen, liegt dementsprechend noch in der Natur unserer Haushunde. Bei uns Menschen bekommen sie jedoch regelmäßige Mahlzeiten. Weder müssen sie ihr Futter erjagen, noch müssen sie viel auf einmal fressen um für die nächsten Fastentage „gewappnet“ zu sein. Ein Sättigungsgefühl wie beim Menschen sucht man dann vergebens. Ein gewisser Hunger ist normal und es ist nicht besorgniserregend, wenn der Hund besonders viel bettelt oder „traurig aussieht“. Dies ist reine Erziehungssache. Gedanken sollte man sich machen, wenn der Hund starkes Magenknurren oder Sodbrennen hat. In dem Fall hilft es aber das Futter auf mehrere Mahlzeiten zu verteilen und den Zeitpunkt der Fütterung gegebenfalls zu verschieben.

Leckerchen und Kauartikel sollte man bei einer Diät immer genauer unter die Lupe nehmen. Oft gibt es eine kalorienärmere Alternative. Statt einem fettigen Schweineohr kann man getrocknete Lunge geben. Statt fettige Wurst kann man Trockenfisch als Belohnung reichen.

Man sollte natürlich wieder die Rationsberechnung beachten. Allerdings ist es nicht empfehlenswert unter 1,8% und unter einen Fleischanteil von 60% zu gehen, da sonst eine Mangelernährung droht. Auch sollte der Fettgehalt des Fleisches auf lange Sicht trotzdem bei 20-25% liegen.

Für eine vorübergehende Diät von höchstens 6 Wochen kann man dies aber auch unterschreiten. Hierfür kann man 25% des Muskelfleisches mit Lunge oder mit ähnlich mageren Fleisch (zum Bespiel Rindermagerfleisch) ersetzen.

Auch die Zugabe der Kohlenhydrate sollte kritisch unter die Lupe genommen werden. Schnell verwertbare Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Reis, Mais und Getreide sollten gestrichen werden. Stattdessen kann man während der Diät Gurke oder Spinat füttern. Später kann man auch wieder Nahrungsmittel nutzen, die viele Kohlenhydrate beinhalten. Bei einem Hund der aber dazu neigt zuzunehmen, sollte man auf stärkehaltige Nahrungsmittel verzichten. Eine gesunde Alternative sind dafür zum Beispiel Äpfel und Möhren.

Natürlich ist auch die Bewegung wichtig. Ob Joggen, Radfahren oder Schwimmensportliche Aktivitäten, die auf Ausdauer ausgerichtet sind, helfen sehr bei einer Diät und sollten zusätzlich zur Ernährungsumstellung berücksichtigt werden.

Eine Diät sollte immer eine vorübergehende Maßnahme sein. Hat der Hund das Wunschgewicht erreicht, muss man dementsprechend die Berechnung und somit die Fütterung wieder anpassen, damit der Hund das Gewicht hält.

Autorin: Nina Dany

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