Hundehaltung – Hast du DAS beachtet?

Hundehaltung

Schaff dir einen Hund an, dann kommst du täglich an die frische Luft, haben sie gesagt. Das ist gut für den Kreislauf und die Figur, haben sie gesagt. Was sie aber alle verschwiegen haben, ist, dass die Hundehaltung echt kein Zuckerschlecken ist. Ganz zu schweigen davon, wie teuer die Anschaffung doch ist.

Es musste natürlich ein Rassehund sein. Vom Züchter. Und nicht irgendeiner um die Ecke. Meine Frau Claudia hatte Stunden damit verbracht, Hundebücher zu wälzen, bis sie erst einmal die geeignete Hunderasse für uns gefunden hatte.

»Wir müssen doch schauen, ob der sich mit Kindern verträgt. Denk doch mal an Marie.«

Marie war unsere dreijährige Tochter und ich hatte eigentlich gedacht, dass sie mich bis zu ihrem achtzehnten Geburtstag einen Porsche kosten würde. Dass ein Hund dies aber noch toppen könnte, auf die Idee wäre ich nie gekommen, als ich nach meinem Stammtisch nach Hause kam und meiner Frau Volkers Vorschlag von einem Hund unterbreitete.

Süße Welpenbilder im Internet

Zuerst skeptisch, schlug es schnell in Euphorie um, als sie die ersten Welpenbilder im Internet googelte. Nachdem sie also Tage damit verbracht hatte, eine geeignete Hunderasse zu finden, brütete sie nun über Internetseiten für Züchter. Meinen Einwurf, mal beim Hans vorbeizuschauen, der ja auch Boxer züchtete, tat sie mit einer Handbewegung ab.

»Der züchtet doch nicht unterm VDH. Ob dem seine Hunde alle gängigen Untersuchungen zur Zuchttauglichkeit haben, wage ich zu bezweifeln.«

Ich hielt weise meinen Mund, dass man bei Menschen auch so einfach drauf los … eben sich fortpflanzen durfte, ohne vorher irgendwelche Leistungsprüfungen abzulegen und beim Orthopäden, Urologen oder sonstigen Ärzten gewesen zu sein. Ganz zu schweigen von einer genetischen Untersuchung. Aber wie gesagt, ich hielt lieber meine Klappe.

Somit durften wir, bevor ein Welpe bei uns einziehen konnte, erst einmal den nächsten Wurf von Claudias ausgewähltem Züchter abwarten.

Die ersten Einkäufe für den Welpen

»Dafür haben wir genug Zeit alles vorzubereiten«, teilte sie freudestrahlend mit und durchforstete die einschlägigen Online-Shops für Hundezubehör. Die nächsten Wochen kamen Pakete über Pakete. Leinen, Halsbänder, Geschirre, Näpfe, zwei Hundekörbe – damit er im Wohnzimmer und im Flur einen Liegeplatz hat – und eine Hundebox. Claudia hatte gelesen, dass durch eine Box es einfacher sei, den Welpen zur Stubenreinheit zu erziehen. Die Bücher über Hundeerziehung und Hundeernährung waren da wohl noch die billigsten Posten bei all den Bestellungen.

Als es dann allerdings an den Preis des Hundes ging und Claudia überlegt, ob nicht dann ein Kombi sinnvoll wäre, wagte ich einen kleinen Einwurf loszuwerden, der nicht nur durch meine Frau, sondern auch durch ihre Freundinnen, die allesamt mit im Welpenfieber waren, weggewischt wurde.

»1200 Euro für einen Hund«, stöhnte ich.

»Das zahlen wir von unserem Urlaubsgeld«, eröffnete mir Claudia. »Wenn der Kleine eingezogen ist, können wir eh nicht mehr in die Karibik fliegen. Der braucht uns doch.«

Ade Urlaub, Ade Pool, ade All-inklusive.

»Rufst du bei der Versicherung und der Stadt an?«

»Und warum?«

»Das hab ich dir doch gestern erzählt. Der Hund muss bei der Stadt gemeldet werden, wegen der Hundesteuer. Wir sollten unbedingt eine Haftpflicht abschließen. Stell dir doch mal vor, der rennt auf die Straße und verursacht einen Unfall. Außerdem eine Operationsversicherung

»Das ist doch nur ein Hund!« Was hatte ich da nur gesagt.

»Nur ein Hund?? Der gehört dann genauso zur Familie, wie jeder von uns.«

Ich zog den Kopf ein und rief natürlich unseren Versicherungsvertreter, der nur zu gerne alles fertigmachen wollte, sobald der Welpe eingezogen war, und die Stadtverwaltung an.

»Das erste halbe Jahr müssen Sie noch keine Steuern für den Hund bezahlen. Welche Rasse wird es denn? Ein Boxer also. Dann haben Sie Glück, dass es kein Listenhund ist. Für den müssten Sie im Jahr 800 Euro Steuern zahlen.«

Listenhund? Das hatte ich zum ersten Mal gehört.

Die nette Frau am Telefon erklärte mir, dass jedes Bundesland seine eigene Liste von Hunderassen hat, die als gefährlich eingestuft wurden. Wenn man sich eine dieser Rassen anschaffte, musste man nicht nur höhere Steuern zahlen, sondern auch jährlich einen Wesens- und Verhaltenstest durchführen.

Mir wurde in dem Moment klar, sich für einen Hund zu entscheiden beinhaltete Fragen zur Hundehaltung, die mir beim Stammtisch Volker und die anderen ganz sicher nicht gesagt hatten.

Der Welpe kommt nach Hause

Und dann war der Tag gekommen, an dem wir unseren Welpen holten. Dreihundert Kilometer von uns entfernt. Einen ganzen Tag musste ich dafür opfern, 1200 Euro waren wir danach ärmer und ich setzte mich noch am selben Abend hin und durchsuchte das Internet nach einem gebrauchten Kombi, nachdem uns der Welpe die ganze Rücksitzbank vollgekotzt hatte. Natürlich hatte es Claudia nicht übers Herz gebracht den ›kleinen Wurm‹ in die Box zu packen und völlig gestresst, mit einem jammernden Welpen, einem weinende Kleinkind und einem stinkenden Auto waren wir zuhause angekommen.

Jetzt stand ich schon die fünfte Nacht in Folge draußen auf der Terrasse und wartet, bis Milow endlich sein Geschäft erledigt hatte, denn stubenrein war er natürlich noch nicht. Claudia und Marie schliefen tief und fest, während ich mir den Arsch abfror und dabei zusah, wie der kleine Hund durch den Garten sprang, an diesem Strauch schnüffelte, an jenem Baum knabberte, aber ganz sicher nicht pinkelte und auch nicht seinen Haufen machte. Und wer dürfte es dann wegmachen, wenn er es ins Haus machte? Ich natürlich, weil ich ja im Homeoffice arbeitete und Claudia unsere kleine Marie zum Kindergarten bringen und dann zur Arbeit musste.

Welpenkurs in der Hundeschule

»Milow«, rief ich leise, damit nicht die ganze Nachbarschaft wach wurde. Milow interessierte sich allerdings überhaupt nicht für mich. Ich erinnerte mich an den Flyer, den mir meine Frau gestern hingelegt hatte. Werbung für eine Hundeschule und die ideale Hundehaltung. Ich hatte abgewunken. Jetzt hier in der Kälte kam mir das Angebot von 150 Euro für einen zehnstündigen Welpenkurs gar nicht mehr so teuer vor.

Und genau dort, in diesem Kurs mit all den Frauen, fand ich mich am nächsten Wochenende wieder. Ich erinnerte mich an Volkers Zusatz ›und du lernst durch einen Hund echt viele Frauen kennen.‹ Ich war zwar ganz sicher nicht auf der Suche, aber hey, ich merkte schnell bei den Hundeschulenbesuchen, bei den Spaziergängen und auf den Hundewiesen, dass Hundeerziehung und generell Hunde oft Frauensache waren. Außer am Wochenende und da dann speziell Sonntagnachmittags. Dann traf man Hintz und Kuntz mit ihren unerzogenen ›Tutnichts‹ und ›Willnurspielen‹ Kläffern, oder den ›Dashaternochniegemacht‹ Hunden, die eigentlich nichts taten und nur spielen wollten und sich dann doch auf Milow stürzten.

Der Hund will Auslauf

Was mir auch keiner gesagt hatte: Egal, ob es regnete, schneite, stürmte – der Hund wollte raus. Danach musste man natürlich wieder rein. Den Fehler, ihn dann nass und dreckig, wie eine wildgewordene Pottsau durchs Haus jagen zu lassen und sich abwechselnd mit den Decken auf dem Sofa und dem Ehebett trocken zu rubbeln, machte ich nur ein einziges Mal. Die Schweinerei danach zu beseitigen dauerte Stunden. Genauso, als ich einmal nicht aufpasste, er den ganzen Mülleimer ausgeleert und was weiß ich gefressen hatte, wovon er natürlich Brechdurchfall bekam. Ganz zu schweigen von den Dingen, die er einfach viel zu schnell inhaliert und wir uns mal wieder beim Tierarzt wiederfanden, der ihm die Spritze reinjagte, damit er sich erbrach.

Das Thema Tierarzt bereitete mir sowieso Bauchschmerzen. Sicher nicht wegen der Spritzen fürs Erbrechen, sondern die Kosten. Wir hatten zwar eine Operationsversicherung, die mich jeden Monat 14 Euro kostete, aber diese deckte nicht die Besuche zum Impfen, Entwurmen, Ohrspülungen, Behandlungen von Magenverstimmungen ab. Das erste Jahr hatte ich wohl fast die Hälfte des Anschaffungspreises des Hunds dort gelassen. Ganz zu schweigen von der Zeit, die es mich gekostet hatte. Solange es kein Notfall war, saß man Stunden, bis man drankam. Irgendwann hatte ich raus, dass ich mindestens eine halbe Stunde vor der Öffnungszeit dort ankam, um eine Stunde an Wartezeit zu sparen. Paradox das Ganze.

Natürlich kauften wir uns irgendwann auch einen Kombi, mit maßangefertigtem Abtrenngitter für den Kofferraum und einer passenden Hundebox. Später, als Milow alt wurde, baute ich ihm eine Rampe, damit er nicht mehr in und aus dem Kofferraum springen musste. Das bisschen Holz, die Latten und der Kunstrasen waren auch einige der günstigeren Anschaffungen in der gesamten Hundehaltung.

Hundehaltung: Schaff dir einen Hund an

›Schaff dir einen Hund an, dann kommst du täglich an die frische Luft‹, haben sie gesagt. ›Das ist gut für den Kreislauf und die Figur‹, haben sie gesagt. Ja, das hatten sie am Anfang gesagt. Ich musste feststellen, dass meine Stammtischkollegen fast alles, was eigentlich über die Hundehaltung zu wissen wichtig gewesen wäre, verschwiegen hatten oder einfach nicht wussten.

Mir hatte auch keiner erzählt, dass man irgendwann mit dem alten Hund beim Tierarzt sitzen würde. Ihm im Arm hielt und in seine trüben Augen schaute. Über seinen Kopf streichelte und ein leises Seufzen zu hören bekam. Bis er irgendwann eingeschlafen war und einen mit nichts als den guten Erinnerungen an ihn zurückließ.

Mit einem ganzen, erfüllten, liebevollen Hundeleben voller guter Erinnerungen, auf die zu verzichten ich mir nicht vorstellen könnte. Und wie ist es dir mit der Hundehaltung ergangen?

Autorin: Melanie Weber-Tilse, Titelbild Andy_van_Dyk / Pixabay

1 Kommentar

  1. Sehr gut geschriebener Artikel. Genau so sieht der Alltag mit Hund aus. Wie Du geschrieben hast, haben „die“ Dir das ganz anders geschildert. Die Realität hat Dich aber schnell eingeholt. Ein Hund krempelt den Alltag ganz schön um. Dessen sind sich die meisten anscheinend nicht bewusst.

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